Ingenieure in Elternzeit – das Aus für die Karriere?

Seit Inkrafttreten des neuen Elterngeldgesetzes am 1. Januar 2007 nehmen immer mehr Väter ihren Anspruch wahr und bleiben eine gewisse Zeit lang zu Hause, um sich um ihren Nachwuchs zu kümmern.

Seit Inkrafttreten des neuen Elterngeldgesetzes am 1. Januar 2007 nehmen immer mehr Väter ihren Anspruch wahr und bleiben eine gewisse Zeit lang zu Hause, um sich um ihren Nachwuchs zu kümmern. Doch was sagt der Chef dazu, wenn sein Mitarbeiter in Elternzeit gehen möchte? Hat dieser sich damit bereits ins Aus geschossen und seine zukünftigen Karrierechancen verspielt? Oder aber stärkt sein Chef ihm den Rücken? Können es sich Firmen aufgrund des Fachkräftemangels überhaupt leisten, ihren Ingenieuren die Elternzeit streitig zu machen?

Für Andreas Busch ist die Kinderbetreuung nicht nur »Frauensache«. Der Diplom-Ingenieur und werdende Vater arbeitet als Verkaufsgebietsleiter Nord-Westeuropa und der GUS Staaten bei der Maschinenfabrik Reinhausen. Der Wunsch des 29-Jährigen ist, »eine befristete Zeit intensiv mit meinem Kind zu verleben«, bis der Sprössling in die firmeneigene Krabbelgruppe »Villa Kunterbunt« einzieht. Doch nicht nur mit dieser Einrichtung unterstützt das familiär geführte Unternehmen seine überwiegend männlichen Mitarbeiter bei ihren väterlichen Wünschen. Auch flexible Arbeitszeiten tragen beispielsweise dazu bei. Einen Karriereknick braucht Andreas Busch überdies nicht zu befürchten, eher im Gegenteil: Er absolviert derzeit, neben dem Job, ein fünfsemestriges MBA-Studium, wobei ihn sein Arbeitgeber ebenfalls unterstützt.

Info:
Das neue Elterngeld beträgt 67 Prozent des bisherigen Nettoeinkommens, höchstens jedoch 1800 Euro und wird an Vater und Mutter für maximal 14 Monate gezahlt; beide können den Zeitraum frei untereinander aufteilen. Ein Elternteil kann dabei höchstes zwölf Monate für sich in Anspruch nehmen. Die zwei weiteren Monate gibt es dann, wenn sich der Partner an der Betreuung des Kindes beteiligt.

So wie Andreas Busch entscheiden sich immer mehr Männer dafür, eine begrenzte Zeit lang im Beruf zu pausieren, um sich Vollzeit dem Nachwuchs zu widmen.

Bereits nach dem ersten Dreivierteljahr nach der Gesetzeseinführung Anfang 2007 haben laut Statistischem Bundesamt 9,6 Prozent aller Väter in der Bundesrepublik Elterngeld beantragt, mehr als dreimal so viele wie davor.

»Immer mehr Väter trauen sich, Zeit für ihre Kinder zu nehmen, weil ihr Einkommen nicht komplett wegbricht und das Gesetz ihnen bei ihren Arbeitgebern den Rücken stärkt,« erklärte Ursula von der Leyen zur damaligen Elterngeldstatistik. Seitdem hat sich die Zahl der männlichen Antragsteller weiter erhöht.

Irmgard Rasser, HR Director Europe bei National Semiconductor:

»Bislang haben wir noch nicht allzu viele Erfahrungen gesammelt. So haben sich beispielsweise einige (männliche) Mitarbeiter in unserem Design Center in den Niederlanden entschlossen, über eine Reduktion ihrer Arbeitszeit Elternzeit in Anspruch zu nehmen. Unser Fazit Stand heute: Je kleiner die Abteilung/der Bereich, in dem der Mitarbeiter arbeitet, desto höher der Organisationsaufwand. Und je technischer die Position, desto schwieriger.«

Auch Infineon Technologies - mit einem Altersdurchschnitt von nur 36 Jahren - spricht sich für die Inanspruchnahme der Elternzeit aus – für männliche wie für weibliche KollegInnen gleichermaßen. »Im Wettkampf um die besten Arbeitskräfte schnüren wir ein attraktives Paket für unsere Mitarbeiter«, sagt Dr. Thomas Marquardt, Personalchef bei Infineon. »Wir erwarten große Flexibilität und belegen durch unsere Angebote, dass auch wir sehr flexibel sind, um Mitarbeiter langfristig an uns zu binden.« Zu den Maßnahmen gehören Kindertagesstätten, die Einrichtung von Telearbeitsplätzen und die Vertrauensgleitzeit. Diese Möglichkeiten können kombiniert werden, wenn MitarbeiterInnen sich ihrem Nachwuchs in den ersten Jahren verstärkt widmen möchten. »Bedenken um das berufliche Vorwärtskommen des Einzelnen haben dabei weder wir von der Personalabteilung noch die Vorgesetzten, mit denen das Vorgehen individuell abzustimmen ist«, versichert Marquardt.