Infineon setzt auf digitales Power-Management #####

Das digitale Power-Management entwächst den Kinderschuhen. Zunächst vor allem eine Domäne von Start-up-Firmen, steigen nun auch etablierte Unternehmen in den Markt ein, zuletzt Infineon mit der Übernahme von Primarion.

Das digitale Power-Management entwächst den Kinderschuhen. Zunächst vor allem eine Domäne von Start-up-Firmen, steigen nun auch etablierte Unternehmen in den Markt ein, zuletzt Infineon mit der Übernahme von Primarion.

»Es gibt praktisch keine Überlappungen, unsere Produktgruppen sind komplementär«, kommentiert Peter Schiefer, Head of Operations des Geschäftsgebiets Power Management & Drives (PMD)von Infineon Technologies, die Übernahme. Primarion ist Hersteller von digitalen Power- Management-ICs. Dabei beschränkt sich »digital« nicht nur auf das Digital Power Management, also die Verwaltung von Funktionen wie Überwachung, Sequencing, Margening usw., sondern auch auf das Herz der Wandlung, also auf die voll digital ausgeführte Regelschleife. Mit diesen ICs zielte Primarion auf den Einsatz in Stromversorgungen für komplexe ICs wie Prozessoren, DSPs, FPGAs sowie Speicher ab. Da trifft es sich gut, dass Infineon in vielen dieser Anwendungen schon mit seinen Cool- MOS- und OptiMOS-Transistoren vertreten ist. Künftig will Infineon hochintegrierte Bausteine auf den Markt bringen, in der die eigenen MOSFET-Treiber und MOSFETs sowie die Power-Management-ICs von Infineon sitzen. In vielen POL-Applikationen wäre das sehr sinnvoll. »Wir können das mit unserem Gehäuse-Knowhow schnell realisieren, das haben wir mit unseren CoolSETKomponenten unter anderem für den Einsatz in Kraftfahrzeugen ja bereits gezeigt. Wer da noch keine Erfahrungen gesammelt hat, könnte sich schwer tun«, erklärt Peter Schiefer.

Möglichst schnell mit neuen Produkten auf den Markt zu kommen, gab denn auch den Ausschlag dafür, Primarion zu übernehmen. Laut Schiefer sei jetzt der Zeitpunkt erreicht, zu dem digitale Power-Management-ICs die traditionellen analogen Systeme zu ersetzen beginnen – nicht nur auf der Digital-Power-Management-, sondern auch auf der Digital-Control-of-Power- Ebene. Das sagen auch die Marktforscher von iSuppli. Sie erwarten zwischen 2007 bis 2011 eine jährliche Wachstumsrate von 50 Prozent – allerdings ausgehend von einem niedrigen Niveau. Zunächst finden digitale Power-Management-ICs in der Telekommunikation und in Servern Einsatz, wo sie ihre Vorteile – hohe Flexibilität, wenige externe Komponenten und geringere Energieaufnahme – voll ausspielen können.

Schnell wollte Infineon zudem sein, weil selbstverständlich auch andere Unternehmen solche Marktstudien lesen und entsprechend reagieren. Texas Instruments bietet schon länger verschiedene digitale Power-Management-ICs in etlichen Abstufungen an, Analog Devices hat kürzlich angekündigt, ebenfalls in den Power-Management- Markt einsteigen zu wollen, und Power Integrations ist ähnlich wie Infineon durch eine Übernahme in die digitale Power-Technik eingestiegen: Im Februar hat das Unternehmen Potentia gekauft. Außerdem tummelt sich eine Reihe von Start-up-Unternehmen in diesem Markt: iWatt, Voltera und Zilker Labs sind nur einige davon. Dass auch weitere typische Analogfirmen an der digitalen Technik interessiert sind, zeigt schon die Zusammenarbeit zwischen Primarion und Linear Technology sowie Intersil. Und erst kürzlich hatte Exar die exklusiven Rechte am gesamten intellektuellen Eigentum von Fyrestorm erworben.

Laut Schiefer hat sich Infineon für den Kauf von Primarion entschlossen, weil sich ihre beiden Produktpaletten gut ergänzen und Primarion unter den Start-ups schon zu den »etablierten« gehört. Es verfügt über ein relativ breites Produktspektrum und kann schon Kunden vorweisen, die mit der Technik zufrieden sind. Außerdem waren die Ingenieure von Infineon von dem Kern-Know-how des Unternehmens beeindruckt, also von der Art und Weise, wie Primarion den digitalen Regelkreis aufbaut. Der nächste Schritt besteht nun darin, Primarion, wie Schiefer betont »sanft« zu integrieren und innerhalb der Produkt- Roadmap von Infineon weiterzuführen. Infineon übernimmt das bestehende Management; die Aktivitäten an Primarions Standort in Torrance, Kalifornien, werden nicht verlagert. Auch die bestehenden Partnerschaften, die Primarion unterhält, will Infineon weiterführen.

Heinz Arnold, Markt&Technik