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OLED-Displays: Alles spricht dagegen, einiges dafür!

Die komplette Diskussion

Der große Durchbruch der OLED-Technologie lässt auf sich warten; kommt er - oder kommt er nicht? Auf dem Display-Forum der Markt&Technik diskutieren Experten über die Zukunft der OLEDs.

Seit Jahren versichern Hersteller und Marktforscher glaubhaft, dass der große Durchbruch der OLED-Technologie kurz bevor steht. »Versprochen wurde viel, gehalten wenig«, so Konrad Szabo zum Stand der Dinge. Jetzt seien die Anwender »schlichtweg enttäuscht - sie haben den Glauben an die Technologie verloren.« Ähnlich sind Erfahrungen von Jutta Rasp: »Die Anwender wurden immer wieder vertröstet und hingehalten.« Das habe dem Ruf der Technologie geschadet.

Immerhin, heute sind OLEDs am Markt erhältlich, allerdings hinkt deren Qualität und Vielfalt den Erwartungen der Anwender deutlich hinterher: Überwiegend sind kleinere monochrome Varianten verfügbar, die sich wegen ihrer verhältnismäßig kurzen Lebensdauer nur für wenige Anwendungen eignen. Konkret gefragt: Wie weit ist die Technologie – können sich OLEDs heute mit einem TFT messen? »Nein«, so Rasp: »Ein Aktiv-Matrix-OLED hält dem Vergleich mit einem TFT nicht stand.« Zumindest nicht unter realistischen Bedingungen, also auf »lange Sicht«. Rasp: »Wenn es auch heißt, der erste Eindruck zählt: Bei den OLEDs sollte man sich nicht darauf verlassen.« Wer etwas Zeit mitbringe, der könne förmlich bei der Degradierung der Farben zusehen. Dennoch bricht Rasp eine Lanze für die OLEDs: »Ein Vergleich von OLED und TFT-LCD ist der falsche Ansatz.« Denn hier trete eine ausgereifte Displaytechnologie gegen einen Newcomer an. Doch genau hier liegt der Knackpunkt, das Dilemma, in der sich die OLED-Technologie befindet; denn aus Sicht vieler Anwender ist der Ansatz nämlich nicht falsch, sondern genau richtig: Wieso sollten sie eine Technologie einsetzen, die nicht ausgereift ist und zudem verhältnismäßig teuer, wenn es bessere Alternativen gibt?

Robert Isele: »Wir erwarten von einem OLED-Display, dass es in Qualität und Preis zu anderen Display-Technologien konkurrenzfähig ist.« Im besten Fall sollte eine neue Technologie nicht nur mit den anderen gleichziehen, sondern auch einen Vorteil bieten. »Im Moment ist es aber so, dass die OLED-Displays im Preis und in der Performance so stark hinterherhinken, dass das Thema bei uns erst gar nicht zur Diskussion kommt.« Es gebe schließlich Alternativen. Das Fazit von Isele fällt deshalb eindeutig aus: »Ein OLED-Display ist derzeit im Auto nicht verbaubar.« Und weil BMW früh mit Entwicklungen beginne und sich auch früh auf Technologien festlegen müsse, werde auch in den nächsten Jahren kein OLED in einem BMW zu finden sein.

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Hannelore Köhl sieht das genauso: »Auch wir setzen gegenwärtig keine OLEDs ein.« Das Problem ist, dass die OLED-Displays keine neuen Märkte erschließen. »Das bedeute nichts anderes, als dass sich jede Anwendung, die mit einem OLED-Display zu realisieren ist, auch mit einem anderen Flachdisplaytyp realisieren lässt«, erklärt Köhl. Und die anderen Technologien hätten im Moment eben die Nase vorn, insbesondere die LCDs. Das zu ändern, hält Köhl für schwierig: »Die LCD-Technologie bleibt ja nicht stehen. Sie entwickelt sich immer weiter.«

70 Mio. OLEDs wurden dennoch laut dem Marktforschungsinstitut iSuppli im letzten Jahr verbaut. Haupteinsatzgebiet sind tragbare Anwendungen aus dem Consumerbereich - mit einer verhältnismäßig kurzen Lebensdauer. Hier können die OLEDs ihre Vorteile ausspielen, ohne dass ihre Nachteile zum Tragen kommen. Ein konkretes Beispiel sind die Mobiltelefone; dort kommen die OLEDs bereits in großem Umfang zum Einsatz, allerdings nicht als Haupt-, sondern als kleinformatiges Subdisplay. »Die Ansprüche an die Lebensdauer sind hier nicht sehr hoch«, so Rasp. Gefordert seien 5000 Stunden. »Das ist heute gar kein Problem für die OLEDs, auch nicht für vollfarbige Varianten.« Die Hersteller müssten also keinen Kompromiss eingehen. Dem will Dr. Werner Fertig nicht zustimmen: »In diesem Fall ist wohl kein Kompromiss bei der Qualität nötig – aber sicher beim Preis.« OLED-Displays sind nämlich verhältnismäßig teuer, ein weiterer Minuspunkt. Dr. Fertig bezweifelt, dass es Hersteller gibt, die bereit sind, draufzulegen. »Die gibt es«, kontert Rasp und fügt hinzu, dass die LCDs auch nicht von Anfang an profitabel waren.

Wie sieht es mit anderen Applikationen aus, zum Beispiel Anwendungen aus der Industrie? Hartmut Helbig: »Wir haben OLEDs in unserem Portfolio und schon Industrie-Projekte mit OLEDs realisiert.« Das Interesse der Anwender an der Technologie sei sehr hoch. Und die Lebensdauer? »Es gibt OLEDs, die eine ausreichend lange Lebensdauer für viele Industrieapplikationen haben«, so Helbig und nennt konkrete Zahlen: »Unser Rekordhalter ist mit 65.000 Betriebsstunden spezifiziert.« Nach dieser Zeit leuchte das OLED dann noch mit halber Helligkeit. Für Helbig ist klar, dass die OLEDs den LCDs in nächster Zeit nicht den Rang ablaufen werden: »Das wird nicht passieren.« Dennoch seien die OLEDs für einige Anwendungen eine echte Alternative, manchmal sogar mehr als das. »Es gab ein Projekt, das wir nicht mit einem LCD realisieren konnten.« Erst der Einsatz eines OLED-Displays habe die Lösung gebracht. »Und noch eines zum Thema Lebensdauer«, so Helbig: »Bei einem LCD ist eine Hinterleuchtung notwendig; und so ein Backlight hat auch nicht das ewige Leben.« Egal ob weiße LEDs oder CCFLs zum Einsatz kämen.

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