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Infineon: Wie man den eigenen Erfolg ad absurdum führt

Nach der geglückten Refinanzierung 2009 konnte Infineon im ersten Quartal 2010 schwarze Zahlen verkünden, den Kunden geht es zunehmend besser, man ist mit innovativen Produkten in allen Sparten bestens positioniert. Eigentlich gute Voraussetzungen, damit Vorstandssprecher Peter Bauer auf der Hauptversammlung die jüngsten Erfolge des Chipherstellers herausstellen könnte. Leider werden diese Erfolge und damit auch die Leistungen von Bauer und seiner Vorstandskollegen vermutlich durch die Chaostage zum Thema »Wahl des Aufsichtsrates« in den Hintergrund gedrängt werden. Verantwortlich für die unsägliche Außenwirkung Infineons in diesen Tagen ist wieder einmal Noch-Aufsichtsratsvorsitzender Max-Dietrich Kley, der scheinbar nicht wahrhaben will, dass sein Kandidat und langjähriger Intimus Klaus Wucherer nicht seine Nachfolge antreten dürfen soll. Stattdessen haben die Aktionäre mit Willi Berchtold einen Kandidaten vorgeschlagen, den sich Kley weder selbst ausgedacht hat noch der von ihm vorab »genehmigt« worden ist. Es ist zwar mehr als unüblich, dass amtierende Aufsichtsräte die Aufgaben der Aktionäre übernehmen, dies hat Kley jedoch nicht davon abgehalten, sich weiterhin offen für Wucherer auszusprechen.

Bei ihrem vermutlich bis zum 11.2., dem Tag der Hauptversammlung, geführten Kampf gegen Berchtold lassen sich Kley und Wucherer laut Medieninformationen von der PR-Agentur CNC unterstützen. Die Agentur soll mit Aufsichtsratsgeldern und damit am Ende von den Aktionären, die ja paradoxerweise Berchtold vorgeschlagen haben, bezahlt werden. Die Firma CNC gilt als eine der einflussreichsten Agenturen Europas. und ist praktisch überall aktiv, wo Unternehmen in »Sondersituationen« kommen, wie es im Branchenjargon heißt. Letztens war CNC im Rahmen der drohenden Zerschlagung des Touristikkonzerns TUI für dessen seinerzeit zweitgrößten Aktionär, den Russen Alexej Mordaschow, aktiv. CEO von CNC ist der ehemalige Daimler-Kommunikationschef Dr. Christoph Walther. Bei dieser Konstellation stellt sich natürlich auch die Frage, warum gerade Autozulieferer und Infineon-Kunde Bosch Interessenkonflikte bei Berchtold gesehen hat, so dass dieser erklären musste, bei einer Wahl bei Infineon aus dem Vorstand bei ZF zurückzutreten.

Für die Aktionäre kann es nach meiner Überzeugung nur eine Wahl-Alternative geben: Sie sollten sich bewusst machen, dass sie der Eigentümer von Infineon sind und nicht Max-Dietrich Kley, dessen Amtszeit bei Infineon von katastrophalen Begleitumständen geprägt war, an der Spitze das Nichtzustandekommen des von Ex-CEO Wolfgang Ziebart geplanten Speicher-Joint-Ventures von Qimonda mit Micron, was am Ende nicht nur zur Ablösung von Ziebart, sondern auch zur Qimonda-Pleite verbunden mit Milliarden-Abschreibungen für Infineon geführt hat. Dass Infineon aus der Halbleiter-Top-10 herausfiel, der Aktienwert zeitweise zum Pennystock verkam und die Aktionäre immer noch vergeblich auf Dividendenzahlungen warten, mutet dagegen ja schon fast harmlos an.

Vorstandssprecher Peter Bauer scheint auf jeden Fall eingesehen zu haben, dass seine völlig überflüssige öffentliche Parteinahme für Wucherer jetzt zum Bumerang für ihn selbst werden könnte. Auf einer Presse-Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen teilte er mit, dass er mit allen potentiellen Kandidaten gut zusammenarbeiten könne und auch schon mit Berchtold telefoniert habe. Bauer erklärte, die Wahl sei nicht Sache des Vorstandes, sondern ein Thema für die Aktionäre und den Aufsichtsrat. Damit hat er natürlich völlig Recht - hätte er diese Einsicht doch von Anfang an gehabt und zum Thema Wucherer wie seine Vorstandskollegen einfach gar nichts gesagt. Dann könnte er sich aus der Zuschauerperspektive in aller Ruhe anschauen, was am 11.2. auf der Hauptversammlung passiert: Seine Verdienste im operativen Geschäft sind völlig unbestreitbar. Dass Infineon mit seinen Produkten heute so gut aufgestellt ist und die schlimmsten finanziellen Zeiten hinter sich hat, ist auch zu einem großen Anteil Bauer zu verdanken. Wer Bauer kennt, wird auch bestätigen können, dass es ihm immer weniger um persönliche Eitelkeiten, sondern immer um die Sache ging und geht. Insofern würde sicherlich auch eine Zusammenarbeit mit Berchtold problemlos funktionieren. Durch seine eindeutige Positionierung in Richtung Wucherer ist jedoch alles möglich. Mein Kollege Heinz Arnold von der Markt&Technik hat es auf den Punkt gebracht: »Falls Willi Berchtold gewählt wird, dürfte es interessant zu beobachten sein, welche Auswirkungen die Wahl auf den Vorstand hat«.

Frank Riemenschneider, Elektronik

Infineon: Machtkampf um Aufsichtsratsvorsitz entbrannt