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Elektromobilität - Zukunftsmusik oder morgen Realität?
Lautlos bewegen sich Elektrofahrzeuge durch die Straßen, ab und zu fährt knatternd und stinkend ein Gefährt mit Verbrennungsmotor vorbei. Zukunftsmusik? Nein, Vergangenheit: Um 1900 bewegten sich auf den Straßen mehr Automobile mit Elektro- als mit Verbrennungsmotor. Geschwindigkeitsrekorde wurden von Elektrofahrzeugen aufgestellt und Siemens war ein Automobilhersteller.
Lange wurde es dann still um den Elektroantrieb in Automobilen, da sich die Verbrennungsmotoren deutlich schneller entwickelt und verbessert haben. Eine gewisse Renaissance, wenigstens in den Forschungsabteilungen der Automobilhersteller, erlebte der Elektroantrieb vor etwa zwei Jahrzehnten als Antriebsalternative zur Erfüllung der ständig schärferen Abgasvorschriften. Letztlich wurden sie aber dann Opfer der enormen Verbesserungen der Schadstoffemissionen, die bei konventionellen Verbrennungsmotoren erreicht wurden.
Wer derzeit die Automobilindustrie verfolgt, gewinnt den Eindruck, die Vergangenheit könnte bald wieder Zukunft werden. Auf der IAA in Frankfurt gab es keinen Hersteller von Bedeutung, der nicht wenigstens Prototypen von Elektrofahrzeugen und eine Roadmap für die weitere Elektrifizierung seiner Fahrzeugflotte vorgestellt hat. Auf der Tokio Motorshow zeigten die japanischen Hersteller eine Reihe von Elektrofahrzeugen in Ergänzung zu den seit längerem angebotenen Hybriden, die unmittelbar vor dem Serieneinsatz stehen. Ziel ist nicht mehr, Schadstoffemissionen aus Ballungsgebieten fernzuhalten, sondern nichts Geringeres als die Mobilität der Menschheit nachhaltig zu sichern.
Auch die alte Bundesregierung hat als eines Ihrer letzten Vorhaben den »Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität« auf den Weg gebracht. In anderen Ländern, insbesondere den USA und in China, gibt es Pläne mit ähnlichen Absichten, aber mit einem erheblich größeren Umfang und höherem Nachdruck. Dort sieht man in den Elektrofahrzeugen eine Art »Killerinnovation« für die traditionelle Fahrzeugindustrie und sieht die Chance, frühzeitig mit dabei zu sein. In Deutschland wird besonders mit den Risiken argumentiert und vorgerechnet, wieviele Arbeitsplätze gefährdet wären, wenn man beim Elektrofahrzeug den Anschluss verpasst.
Die Umweltverbände und -aktivisten nutzen die breite Diskussion zur Elektromobilität um mit eigenen Positionen Aufmerksamkeit zu erregen. So zeigte Greenpeace einen Elektro-Smart, der den gleichen CO2-Ausstoß wie das heutige Serienfahrzeug mit Verbrennungsmotor haben soll.
Auch die Vorhersagen der Fachleute und der Vertreter der Automobilindustrie zu den Zukunftsaussichten der Elektromobilität gehen stark auseinander. Während einzelne Unternehmen in ihrer Kommunikation den Eindruck erwecken, sie beschäftigten sich nur noch mit Elektrofahrzeugen, weisen die Vertreter anderer Unternehmen vor allem auf die bestehenden Defizite in Technologie, Gebrauchstauglichkeit und in der Infrastruktur hin. Die Öffentlichkeit wird durch diese auseinander laufenden Positionen der Fachwelt verwirrt und verunsichert.
Daher will ich an Hand von vier Thesen beschreiben, wo die Technologie steht und welche Chancen aus meiner Sicht die Elektromobilität kurz- und mittelfristig hat.
1. Das Elektrofahrzeug ist die einzig derzeit erkennbare Lösung für eine nachhaltige Mobilität.
Autor:
Dr.-Ing. Wolfgang Ziebart promovierte nach seinem Maschinenbau-Studium an der Technischen Universität München. Von 1977 bis 2000 war er beim Münchner Autohersteller BMW tätig. Dort arbeitete er zunächst im Bereich Fahrzeugvorentwicklung und in der Fertigung, bevor er 1992 die Leitung des Bereichs Karosserie und Fahrzeugelektronik übernahm. Ein Jahr später war er verantwortlich für die Entwicklung der »kleinen Baureihe« (3er, E46). 1999 wurde er in den Vorstand berufen.
Im Jahr 2000 wechselte Ziebart als Vorstand zum Autozulieferer Continental nach Hannover. Dort war er für den Bereich Automotive Systems und damit unter anderem für die Fertigung elektronischer Brems- und Airbag-Systeme verantwortlich. 2001 wurde er stellvertretender Vorstandsvorsitzender.
Von September 2004 bis Juni 2008 war Ziebart Vorstandsvorsitzender des Halbleiterherstellers Infineon.
Seit seinem Ausscheiden bei Infineon arbeitet Ziebart als selbständiger Berater und ist in den Aufsichtsräten des Auto-Zulieferers Autoliv (Stockholm), des Lithografie-Marktführers ASML (Veldhoven, Niederlande) und des Windrad-Herstellers Nordex AG (Rostock) vertreten.
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