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Trotz der Tatsache, dass der Autokauf eine überaus emotionale Angelegenheit ist, werden im Vorfeld meist Preis- und Ausstattungslisten verschiedener Modelle verglichen und Testberichte aus einschlägigen Magazinen zu Rate gezogen. Befragt nach den wichtigsten Kriterien beim Autokauf, so eine Studie der Marktforscher von Frost & Sullivan aus dem Jahr 2008, bezeichnen 93 Prozent der Teilnehmer die Zuverlässigkeit als wichtig, 92 Prozent die Sicherheitsausstattung und 86 Prozent sowohl den Kraftstoffverbrauch als auch den Kaufpreis.
In der Realität spiegelt sich das Ergebnis dieser Befragung nur bedingt wider. Zwar verfügen mittlerweile in Deutschland mehr als 70 Prozent aller zugelassenen Neufahrzeuge zumindest über ESP, aber die Ausstattungsrate mit modernen Fahrerassistenzsystemen, also beispielsweise Radar- oder kamerabasierten Systemen, liegt derzeit selbst im Oberklassebereich noch im kaum wahrnehmbaren Bereich. Und auch wenn bereits viele Mittelklasse-Modelle von Volvo, BMW, Audi, Citroen oder Honda mit Abstandsregeltempomaten oder Notbremsassistenten ausgestattet werden können, erfolgreich sind bisher nur die Systeme, die vom OEM zur Serienausstattung erkoren wurden.
Gleichzeitig scheint im Autoland Deutschland ein Umdenken hinsichtlich der Wertmaßstäbe stattzufinden. Zwar will kaum ein Oberklasse-Fahrer aus seinen gewohnten Luxus verzichten, so die Studie "Die Zukunft der Mobilität" der Beratungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers, allerdings wollen mindestens 15 Prozent beim nächsten Fahrzeugkauf auf ein kleineres Fahrzeug umsteigen. Zudem schielen 22 Prozent der SUV-Kunden und 12 Prozente aus der Mittelklasse auf die nächst kleinere Kategorie.
Im Kleinwagenbereich ist die Situation erwartungsgemäß noch schlechter. So sind laut Auto, Motor und Sport in Deutschland immer noch 26 Fahrzeugmodelle verfügbar, die nicht mit ESP lieferbar sind. Und ein Fahrzeug wie der VW Polo beispielsweise, der nur auf Wunsch mit ESP bestückt wird, wurde in den ersten vier Monaten dieses Jahres in 36 Prozent der Fälle ohne ESP geordert.
Dabei könnten Fahrerassistenzsysteme auch im Kleinwagenbereich für mehr Sicherheit sorgen, da generell fast 90 Prozent der Verkehrsunfälle auf ein Fehlverhalten des Fahrers zurückgeführt werden können. "70 Prozent aller schweren Unfälle könnten mit Assistenzsystemen vermieden werden", lässt die Bundesanstalt für Straßenwesen verlauten. "26 Prozent weniger Versicherungsfälle durch Notbremsassistenten", ergab eine Untersuchung in England. Dass diese Systeme auch in einem der Kleinwagenklasse passenden Preisgefüge entwickelt und vermarktet werden können, zeigen die Entwicklungen speziell der deutschen Zulieferer Bosch und Continental. Dort arbeitet man mit Hochdruck daran, die ehemals teuren Helferlein zu preiswerten Dauerbegleitern zu machen. Erst Erfolge sind bereits sichtbar, beispielsweise erhält eine Kunde, der bereit ist, gut 500 Euro auszugeben, einen Spurhalteassistenten oder einen Spurwechselassistenten. Ein Abstandsregeltempomat mit Kollisionswarnung und Notbremsung ist für knapp 1300 Euro zu haben.
Sicherlich bedeuten diese Systeme bei Billig- und Billigst-Fahrzeugen einen gravierenden Aufpreis, allerdings ist es bis heute noch nicht gelungen, den Preis für eine schwere Verletzung oder ein verlorenes Leben monetär auszudrücken.

Stephan Janouch
Chefredakteur der Elektronik automotive