Halbleitermarkt nach 6 Monaten: Halbvoll oder halbleer?

Die vom deutschen Fachverband „Electronic Components and Systems im ZVEI“ veröffentlichten Zahlen zum ersten Halbjahr 2007 lassen noch immer nicht klar erkennen, ob sich der Halbleitermarkt in Deutschland und damit auch in Europa aus seiner Schmalbrüstigkeit befreien kann.

Nachdem vor wenigen Wochen die WSTS als weltweite Organisation einen eher verhaltenen Ausblick auf das ganze Jahr hochrechnete, war mit deutlichen Wachstumsimpulsen für die europäische Region und speziell für Deutschland kaum zu rechnen.

Der nationale Chipumsatz ging im Juni gegenüber dem Vormonat leicht zurück, lag aber immerhin um 6 % über dem Umsatz vom Juni 2006. Wegen der schlechten Zahlen zu Beginn des Jahres lag für die ersten sechs Monate 2007 das Halbleiterwachstum in Deutschland allenfalls 3 % über dem Vergleichswert des Vorjahres.

Der B2B-Faktor (Book-to-Bill, das Verhältnis zwischen Auftragseingang und Umsatz) lag mit 0,98 noch immer unter dem Equilibrium von 1,0.
Trotzdem äußert der Verband die Erwartung, dass sich die „erhofften Verbesserungen jetzt langsam einstellen“. Die Auftragseingänge stützen hingegen diese Vermutung kaum, auch könnte der neuerliche Anstieg des Euro im Verhältnis zum Dollar einen weiteren Dämpfer bedeuten: Werden doch Chips zu einem großen Teil in Dollar gehandelt. Auch das europäische Umfeld lässt wenig Wachstumshoffnungen zu: In Europa liegen die Zahlen eher schlechter.

Der Preisdruck auf die Halbleiterspeicher scheint nachzulassen: Zumindest scheint der anhaltende Preisverfall auf Grund der massiven Überproduktion von Standardspeichern weitgehend gestoppt zu sein. Freundliche Wachstumswerte werden von den optoelektronischen Bauelementen und den Sensoren gemeldet: Wegen ihres nur geringen Anteils am Gesamtvolumen der Halbleiterindustrie wirken sich diese Verbesserungen nur marginal aus.

Ein Blick über den Zaun in die Welt zeigt aber, dass selbst diese eher geringen Wachstumswerte (im Vergleich mit früheren zweistelligen Zahlen) Deutschland in Europa weiter nach vorne bringen: Im Umfeld sieht es nämlich noch ungünstiger aus. (EF)