Zwischen X-Fab und TSMC

Der Start der LFoundry in Landshut fiel fast zeitgleich mit Beginn der Wirtschaftskrise zusammen. Wir sprachen mit Geschäftsführer Michael Lehnert über die ersten sechs Monate, die Konkurrenz und die Zukunftsaussichten der LFoundry.

Herr Lehnert, was hat sich an Ihrem Job geändert, seit Sie nicht mehr bei Renesas sind?

Mein Aufgabengebiet ist jetzt natürlich breiter. Als technischer Leiter hatte ich früher auch schon viel mit Kunden und Technologie-Partnern zu tun. Es macht viel Freude zu sehen, wie motiviert die Leute an der Umstellung hier arbeiten.

Wie kam es überhaupt zu der Ausgründung?

Renesas hat die Fab im Jahr 2005 auf 180- und 150-nm-Fertigung umgestellt, um Smartcard-ICs für den europäischen Markt herzustellen. Eine Produktgeneration dauert 3 bis 5 Jahre. Renesas stand also 2007/2008 vor der Frage, ob noch eine weitere Generation hier gefertigt werden soll.

Inzwischen waren Chip-Karten zu einem Volumenprodukt geworden und werden heutzutage mit Technologien bis zu 90 nm und teilweise auch auf 300-mm-Wafern gefertigt. Für die 200-mm-Fertigung hier in Landshut wäre also eine neue Produktgeneration mit hohen Investitionen verbunden gewesen. Das hätte für Renesas keinen Sinn gemacht. Renesas verfügt in Japan über genügend freistehende Kapazitäten.

Wie haben Sie reagiert?

Wir haben Renesas ein Foundry-Modell vorgeschlagen und fast ein Jahr an den Plänen gearbeitet, um dann im September mit einem Management-Buy-out das Werk hier zu übernehmen.

Was hat sich in dem ersten halben Jahr der LFoundry nun geändert?

Wir haben ein Restrukturierungsprogramm aufgelegt. Damit wurde noch unter Renesas begonnen. Dazu mussten wir 102 Mitarbeitern kündigen. Wir mussten auch alle Leiharbeiter abbauen. Jetzt gibt es in Landshut noch 330 Mitarbeiter. Darüber hinaus sind die japanischen Ingenieure und Manager nach Japan zurückgegangen.

Auf der technischen Seite haben wir unsere Fertigung von Flat- auf Notch-Wafer umgestellt und erheblich in Design-Software und Technologie investiert.

Wie sieht ihr Geschäftsmodell jetzt aus?

Unser Geschäft ist in drei Säulen aufgeteilt: Wir suchen Partner, die zusammen mit uns an unserer Technologie arbeiten und sie weiterentwickeln wollen. Das haben wir jetzt zum Beispiel mit dem IHP in Frankfurt/Oder realisiert. Die zweite Säule ist »Backup«-Fertigung für Kunden, deren eigene Fertigung ausgelastet ist. LFoundry ist für  IDMs die in die nächste Technologiestufe investieren müssten - wie zum Beispiel von 0,35 µm auf 0,15 µm - und dies nicht können oder wollen, eine Alternative. Die dritte Säule ist das reine Foundry-Geschäft mit der Bereitstellung der »Process-Development-Kits«.

Speziell bei unserer zweiten Säule, der Backup-Fertigung, können Sie sich vorstellen, dass das in einer Wirtschaftskrise schwierig ist. Trotzdem haben wir es geschafft,  Partner zu gewinnen.

Welche sind das?

(lacht) Das werden wir Ihnen rechtzeitig sagen.

Und die klassischen Foundry-Kunden?

Da befinden wir uns gerade mitten in der Akquise. Unsere Design-Kits, stehen der Fabless-Community seit März zur Verfügung. Verschiedene Design-Häuser nutzen bereits unsere Technologie für ihre Designs.

Wie weit werden Sie durch Renesas ausgelastet?

Die Auslastung liegt momentan bei 50 Prozent. Mit dieser Auslastung können wir gut arbeiten. Wir haben aber auch genug Spielraum für unsere Kunden.

Diese vertragliche Auslastung durch Renesas sichert in diesen Zeiten schon ab.

Ja, dadurch sind wir in einer sehr günstigen Position. Wir wissen, dass wir zu den Gewinnern der Krise gehören, da unsere Kunden sicher sein können, dass wir auch nach der Krise noch da sind. Auch wenn die Wirtschaftskrise noch ein Jahr oder gar länger dauert.

Merken Sie, dass das Geschäft wieder anzieht?

Das merken wir schon. Was wir aber auch bemerken,  ist dass die Kunden wechselwillig sind. Sie denken darüber nach, ob sie bei ihrer jetzigen Foundry sicher und ihren Wünschen entsprechend versorgt sind. Es gibt ja schon erste Beispiele, dass Foundries schließen mussten, wie zum Beispiel im Dezember die französische Foundry MHS.