Wird die 8-bit-MCU durch die 16-bit-MCU ersetzt?

Das wollten wir von Ganesh Moorthy, COO von Microchip, wissen. Außerdem sagte er uns, wie sein Unternehmen durch die Rezession kommt und warum bisher keine Stelle weggefallen ist.

In den letzten Quartalszahlen von Microchip war zu lesen, dass der Umsatz mit 16-bit-MCUs um 33 Prozent über dem Vorjahr lag. Ging das auf Kosten der 8-bit-MCUs?

Aus Wettbewerbsgründen veröffentlichen wir die Umsatzzahlen von 8-bit-MCUs nicht. Trotzdem, auch die das Geschäft mit 8-bit-MCUs ist in diesem Quartal sehr gut gelaufen und gewachsen.

Wie kam dann das hohe Wachstum bei den 16-bit-MCUs zustande?

Unser 16-bit-Geschäft gibt es noch nicht so lange. Wir machen das jetzt ein bisschen länger als 5 Jahre. In dem Geschäft mit 8-bit-MCUs sind wir dagegen schon fast seit 20 Jahren. Damit wächst das 16-bit-Segment von einer kleineren Basis als das bei den 8-bit-MCUs.

Sie können also nicht sagen, dass das Geschäft mit 16-bit-MCUs so stark wächst, weil ihre Kunden ihre 8-bit-Designs damit austauschen.

Definitiv nicht. Das machen die Kunden schon deshalb nicht, weil die Anwendungen sehr unterschiedlich sind. Wenn jemand eine 16-bit-MCU will, dann will er mehr Leistung, mehr Möglichkeiten, mehr Speicher und so weiter. Bei Anwendungen für 8-bit-MCUs reicht den Kunden einfach das, was sie haben. Die 16-bit-MCUs die wir mehr verkaufen können, sind zu 90 Prozent neue Anwendungen und neue Kunden, die Microchip vorher nicht hatte.

Das heißt, ihre neuen Kunden kommen von der Konkurrenz.

Genau.

Warum wechseln die Kunden zu Ihnen?

Da gibt es natürlich viele Gründe. Manche Kunden haben schon immer unsere 8-bit-MCUs verwendet und kommen zu uns, seitdem wir auch 16-bit-MCUs anbieten. Manche Kunden sind vielleicht auch unzufrieden mit ihren bisherigen Herstellern oder deren Service, der bei uns sehr gut ist.

ARM will den 8-bit-Markt mit dem Cortex-M0 angreifen. Sehen Sie das als eine Herausforderung?

Es gab immer wieder neue Hersteller, die neu auf den 8-bit-Markt gekommen sind. Dieser Markt ist also von jeher sehr wettbewerbsintensiv. Es gibt dort über 30 Unternehmen. Der Markteintritt vom Cortex-M0 ist also nichts Besonderes, sondern bedeutet nur ein weiteren Wettbewerber von vielen.

Sehen sie einen Bereich, in dem es die größten Wachstumsmöglichkeiten für 8-bit-MCUs gibt?

Wir sind in allen großen Bereichen aktiv und alle wachsen. Das darf man natürlich nicht quartalsweise betrachten. Vor zwei Quartalen waren zum Beispiel die Bereiche Automotive und Konsumelektronik relativ schwach. Jetzt ist Automotive wieder sehr stark. Wenn man das in einem längerem Zeitrahmen als in einzelnen Quartalen sieht, sind alle Bereich sehr viel versprechend.

Sie sehen für 8-bit-MCUs also nach wie vor eine große Zukunft.

Ja, es ist der größte Teil des MCU-Marktes. Es gibt seit 20 Jahren Diskussionen, warum die 8-bit-MCU verschwinden soll und etwa durch 16 bit oder 32 bit abgelöst wird. Aber das ist nicht eingetreten.
Ich denke das kommt auch daher, dass wir alle einen PC haben. Dieser Markt ist sehr dynamisch, die Prozessoren werden immer stärker. Da bewegen wir uns natürlich mit und wollen immer den besten Prozessor, den es gerade gibt.

Im Embedded-Markt sieht es genau anders aus. Dort nimmt man den Prozessor, der die Aufgabe am effizientesten und am billigsten erledigt. Ein Embedded-Produkt braucht in der Regel keine Luft nach oben, für zukünftige Aufgaben. Beim PC wollen Sie sichergehen, dass auch in zwei oder drei Jahren noch neue Programme laufen und deshalb kauft man das bestmögliche. Bei einem Thermostat, einer Waschmaschine oder einem Auto brauchen wir das nicht. Wir kaufen diese Geräte weil sie das machen, was sie eben machen.