»Wir wollen Kemet zum Synonym für Kapazität machen«

Per-Olof Loof, CEO von Kemet spricht über die Übernahme von Evox Rifa, den Europa-Bezug seines Unternehmens und zukünftige Marktentwicklungen.

Innerhalb eines Jahres hat Kemet mit der Übernahme der Tantal-Aktivitäten von Epcos und nun mit der Akquisition von Evox Rifa seine Präsenz in Europa massiv erhöht. Per-Olof Loof, der CEO von Kemet, strebt mit diesen strategischen Zukäufen neben dem Einstieg in neue Produktsegmente vor allem eine Globalisierung der Unternehmensaktivitäten an. Sein Ziel ist es, Kemet zum führenden Anbieter kapazitiver Bauelemente zu formen.  


Markt&Technik: Was hat Sie an Evox Rifa gereizt? Die weitere Stärkung des Europa-Geschäfts, der Einstieg in neue Produktsegmente oder der relativ günstige Kaufpreis?

Per-Olof Loof: Wir wurden von Kundenseite auf Evox Rifa aufmerksam gemacht, nach dem Motto: Die haben technisch hervorragende Produkte, würden somit gut zu Kemet passen und unser Customer Service Modell würde den Umsatz der Evox-Rifa-Produkte deutlich steigern. Ich habe dann mit Evox Rifa Kontakt aufgenommen, und nach einem halben Jahr waren die Übernahmemodalitäten klar. Als strategischer Käufer ist für uns der Einstieg in den Folien- und Aluminium-Elektrolyt-Kondensatorbereich von entscheidender Bedeutung. Auch stärkt die Übernahme unsere Marktstellung im Bereich Automotive und Industrieelektronik. Der Kauf von Evox Rifa stärkt zudem unser OEM-Geschäft. Mit der wachsenden Zahl unserer Kunden in Europa ist es zudem von entscheidender Bedeutung, nahe bei den Kunden zu sein.

Welche Bedeutung nimmt Europa heute, nach der Akquisition von Evox Rifa, ein, und welche Umsatzverteilung streben Sie für Kemet in Zukunft an?

Der Anteil unseres Europa-Geschäfts betrug vor der Akquisition von Evox Rifa rund 23 Prozent, nach der Übernahme wird dieser Anteil wohl auf 32 Prozent und damit auf das Niveau des US-Marktes steigen. Das bedeutet, dass sich der Anteil unseres China-Geschäfts, der bislang bei 45 Prozent lag, etwas verringert. Langfristig würde ich eine etwa gleichwertige Verteilung des Umsatzes auf den US-Markt, auf Europa und China für wünschenswert halten.

Kemet hat im letzten Geschäftsjahr einen Umsatz von über 650 Mio. Dollar erzielt, mit der Übernahme von Evox Rifa wird der Umsatz in Zukunft wohl auf 800 Mio. Dollar zusteuern. Kemet wird zu einem immer wichtigeren Hersteller passiver Bauelemente. Welche Veränderungen bringt das für das Unternehmen mit sich?

Es sieht so aus, als ob wir auch im letzten Geschäftsjahr unseren Umsatz um rund 34 Prozent steigern konnten. Konkrete Zahlen dazu kann ich erst in Kürze nennen. In diesem Geschäft ist Größe ein entscheidender Faktor. Wir werden deshalb auch in Zukunft als strategischer Käufer am Markt aktiv sein, um unsere Vision der Kapazitäts-Company umzusetzen. Im Gegensatz zu anderen Unternehmen verfolgen wir dieses Wachstumsziel aber unter einem Firmen-Brand: Kemet. Um der Beste zu sein, muss ich heute aber auch wirklich global aktiv sein und darf die Dinge nicht nur aus der Sicht von South Carolina betrachten. So wird im Zuge unseres Best-Practice-Programms unter anderem Dr. Werner Lohwasser, der heutige Vice President unserer Evora Operations, seine Aufgaben für drei Jahre mit Fernando Spada tauschen, der für unsere Tantalwerke in Mexiko und den USA verantwortlich ist.

Eine der wichtigsten Aufgaben bei Kemet wird es in Zukunft sein, den Führungsstil im Unternehmen, den Leadership, weiter zu entwickeln. Es muss zudem unser Ziel sein, dass Kemet für Absolventen der Chemie, Physik und Elektrotechnik in Zukunft auf ihrer Liste möglicher Arbeitgeber ganz weit oben steht. Wichtig für unseren weiteren Erfolg ist es aber auch, unsere Customer-Service-Konzepte noch weiter zu entwickeln. Für den Kunden muss es so einfach wie möglich sein, dass er bei uns bestellt und sich darauf verlassen kann, die richtige Ware zu genau dem von ihm gewünschten Liefertermin zu erhalten.

Mit welcher Marktentwicklung rechnen Sie für das laufende Geschäftsjahr und für 2008?

Ich rechne weiterhin mit einer stabilen Marktentwicklung, die von allen wichtigen Absatzmärkten getrieben wird. Wir werden in der zweiten Jahreshälfte sehen, ob sich diese Einschätzung bestätigt. Auch für das nächste Jahr, dem Jahr der Olympischen Spiele in Peking, rechne ich nicht mit einer Verschlechterung der Marktentwicklung. Mittelfristig gehe ich davon aus, dass der Bereich der Gaming-Industrie für uns in Zukunft noch eine viel größere Bedeutung bekommen wird. Auch andere Anwendungsbereiche wie etwa das »Intelligente Haus« zeigen starke Wachstumspotenziale.

Ich teile die Ansicht derjenigen Wirtschaftsforscher, die zwar von einer weiterhin zyklischen Entwicklung unseres Marktes ausgehen, aber deutlich abgeschwächte Amplituden prognostizieren. Ich denke aber auch, dass die allgemeine Bevölkerungsentwicklung in den kommenden Jahrzehnten für ein kontinuierliches Wachstum unserer Branche sorgen wird. Allein die USA, so die jüngsten Prognosen, werden 2040 rund 400 Mio. Einwohner haben.

Das gesamte Interview lesen Sie in der Ausgabe 19 der Markt&Technik vom 11.05.2007