Wir wollen Freescale als Nummer 1 ablösen

Renesas ist bei den MCUs weltweit die Nummer 1, in Europa bislang »nur« die Nummer 2. Ein Interview mit CEO Satoru Ito über den schwächelnden Markt, kulturelle Unterschiede zu Europäern und Renesas’ Ziel, auch in Europa die Nummer 1 zu werden.

Ihr Kerngeschäft mit MCUs ist sehr erfolgreich: Weltweit sind Sie die Nummer 1 mit einem Marktanteil von 21 Prozent, in Europa sind Sie mit 13 Prozent die Nummer 2. Nichtsdestotrotz haben Sie sich vor allem »Wachstum außerhalb Japans« auf Ihre strategische Agenda geschrieben. Welchen Marktanteil in Europa streben Sie in näherer Zukunft an und welche Geschäftssegmente sind denn aus Ihrer Sicht am vielversprechendsten für weiteres Wachstum?

Wir freuen uns, dass wir in unserem Kerngeschäft, den MCUs, weltweit die Nummer 1 sind. In Europa ist derzeit Freescale noch die Nummer 1, aber unser ganz klares Ziel ist, Freescale abzulösen ...

… und bis wann wollen Sie das geschafft haben?

Wir haben dafür keinen definierten Zeitpunkt, es soll aber so schnell wie möglich gehen. Derzeit haben wir 13 und Freescale 17 Prozent Marktanteil. Diese Lücke von 4 Prozent lässt sich nicht so schnell schließen. Automotive ist unser Hauptmarkt, wir machen gute Fortschritte bei Unternehmen wie Bosch und Continental, aber trotzdem sage ich keinen definitiven Zeitpunkt
voraus (lacht).

Zwei der von Ihnen fokussierten Geschäftsbereiche – Automotive und Mobil – stehen offensichtlich auch im Fokus Ihrer Mitbewerber. Was sind Ihre Strategien, um sich bei Kunden wie Nokia, Bosch oder Continental vom Wettbewerb abzuheben?

In der Tat sind – zusammen mit unserem PC/AV-Geschäft (Notebooks, Kameras, Fernseher) – Mobile und Automotive unsere wichtigsten Standbeine. Speziell in Europa sind wir stark im HF-Geschäft, und wir haben beste Beziehungen zu Nokia. Jetzt fokussieren wir uns gerade auf das 3G-Geschäft. Unsere SH-Mobile-Plattform, ein Applikationsprozessor für mobile Anwendungen, ist in Japan supererfolgreich. Diese Plattform werden wir auch außerhalb Japans verbreiten – und können auch schon schöne erste Erfolge feiern, da halten wir uns für überaus wettbewerbsfähig.

Im Automotive-Bereich sind wir natürlich speziell im MCU-Geschäft sehr stark, aber Automotive ist mehr: Analog, Mixed-Signal, diskrete Komponenten z.B. für Safety, Body und Motorsteuerung. Unsere Kompetenz ist im Bereich der MCU-Architektur sehr hoch, unser MONOS-Flash z.B. ist der einzige On-Chip-Flash-Speicher, mit dem man mit 100 MHz innerhalb eines Taktzyklus auf den Flash zugreifen kann. Natürlich gibt es auch viele Mitbewerber, die sich ebenfalls auf diese Märkte fokussieren, aber wir halten uns mit den beschriebenen Kernkompetenzen für sehr gut aufgestellt.

Unstrittig ist es ja sehr teuer, der Roadmap von Moore’s Law zu folgen. Viele Halbleiterfirmen wechseln daher zu Foundries oder verfolgen »Fab lite«-Strategien. Was veranlasst Sie, weiterhin in eigenen Fabs zu fertigen, und welchen Anteil Ihrer Produktion haben Sie an Foundries gegeben?

Unsere Strategie ist, dass wir outsourcen, wenn das möglich ist und wir dadurch keinen Wettbewerbsnachteil erleiden. Zurzeit sind das nur rund 10 bis 15 Prozent unserer Gesamtproduktion. Ich stimme Prof. Dr. Wolfgang Ziebart (dem ehemaligen CEO von Infineon) zu, dass die Prozesstechnologie als solche nicht mehr wie in der Vergangenheit als Differenzierungsmerkmal taugt.

Allerdings ist es für uns in kürzer werdenden Geschäftszyklen wichtig, die Möglichkeit zu haben, Einfluss auf unsere Produktion zu nehmen – auch, um schnell mit neuen Produkten am Markt sein zu können. Daher ist es wichtig, eigene Fabs zu haben. Allerdings werden wir in 45 und 32 nm, später vielleicht einmal in 22 nm, nicht die gesamte benötigte Produktionskapazität selbst vorhalten können. Aber auch in Zukunft werden wir weniger als 20 Prozent unserer Produktion an Foundries auslagern.

Aktuell arbeiten Sie auf 65 nm, in Ihrer Naka-Fab installieren Sie aber schon die 45-nm-Produktionslinie. Wann sehen wir 32 nm?

Mit 32 nm wollen wir in zwei Jahren starten, mit Matsushita arbeiten wir ja schon seit Jahren erfolgreich bei der Entwicklung neuer Prozesstechniken zusammen. Wir diskutieren, wann wir genau anfangen, aber es gibt noch keine definitive Entscheidung.