»Wir hätten diese Krise gern vermieden, aber nervös sind wir nicht«

Tronics ist eine kleine MEMS-Foundry aus dem französischen Mikroelektronikzentrum Crolles. Im September hat das Unternehmen eine neue Niederlassung in den USA gegründet. Wir sprachen mit Vincent Gaff von Tronics über sein Unternehmen und die derzeitige Lage.

Sie haben im September 2008 mit »Tronics MEMS« eine neue Niederlassung in den USA gegründet, nachdem Sie im Juli schon den Medizintechnikhersteller Medtech Development akquiriert hatten. Wie läuft es gerade?

Bei Medtech Development läuft es relativ gut, denn der Medizinsektor ist von der Wirtschaftskrise nicht so stark betroffen. Tronics MEMS, also unsere neueste amerikanische Niederlassung, gibt es noch nicht so lang. Jeder neue Vertrag bedeutet für uns dort Wachstum. Die Zeiten sind schon nicht einfach, aber die USA sind der größte MEMS-Markt der Welt. Dort gibt es das meiste Risikokapital, die größten Innovationen und die meisten MEMS-Start-Ups. Es gibt also nach wie vor ein hohes Potenzial dort für uns.

Sie konzentrieren sich also auf den MEMS-Markt für die Medizin?

Nein, das ist für uns noch ein kleiner Markt, der aber immer wichtiger wird. Durch den Kauf von Medtech haben wir aber Zugang zum Markt für medizinische Geräte in den USA bekommen.

Haben Sie Konkurrenz von anderen Firmen?

Es gibt ein paar MEMS-Foundries in den USA, aber wir können darüber hinaus auch Gesamtlösungen anbieten. Dann gibt es noch ein paar Start-Ups, die aber nur auf ein einziges Produkt spezialisiert sind. Unser Angebot ist relativ einzigartig.

Bekommen Sie Konkurrenz von asiatischen Foundries?

Unser Fokus liegt auf kleinen bis mittleren Volumen für sehr spezielle Produkte. Diese Mengen rechtfertigen es also nicht, auf die andere Seite der Erde zu gehen. Für eine größere Foundry wären unsere Fertigungszahlen von ca. tausend 150-mm-Wafern pro Jahr und Kunde nicht interessant. Außerdem ist für uns die Nähe und der Kontakt mit den Kunden sehr wichtig. Wenn das MEMS-Bauteil nicht in Ordnung ist, geht das ganze System nicht. Da müssen wir im ständigen Kontakt mit dem Kunden stehen. Bei unserer neuen Filiale Tronics MEMS sieht das ein bisschen anders aus. Dort haben wir eine höhere Produktionskapazität und wir stehen dort auch eher in Konkurrenz zu Foundries aus Asien.

Wie sehr trifft Sie gerade der Wirtschaftsabschwung?

Wie alle anderen sind wir davon auch betroffen. Tronics Medtech leidet nicht besonders darunter. Tronics MEMS ist gerade erst gegründet worden und hat daher noch eine kleine Kundenbasis. Wir können daher nur wachsen. Im Tronics Mutterhaus sehen wir schon, dass Kunden ihre Stückzahlen verringern oder ihre Forschung&Entwicklung zurückfahren. 2009 könnte ein schwieriges Jahr für uns werden.

Das Gute ist, dass wir 2007 ein sehr gutes Jahr hatten. Wir haben 1,3 Mio. Euro Gewinn gemacht. 2008 werden wir auch Gewinn machen. Wir sind für den Abschwung also finanziell ganz gut aufgestellt.

Sie sind also nicht nervös?

Nein. Natürlich hätten wir diese Krise gern vermieden, aber im Gegensatz zu einigen Wettbewerbern, die nicht profitabel sind, stehen wir ganz gut da.