Werden Halbleiter bald teurer?

Gehören fallende Chip-Preise bald der Vergangenheit an? Eine Studie des Marktforschungsunternehmens IC Insights behauptet genau das. Schon in den nächsten 5 Jahren sollen die Preise anziehen.

Der Studie zufolge befindet sich die Halbleiterindustrie gerade auf einem Kollisionskurs zwischen Angebot, Nachfrage und Preis. So würde das Angebot sinken und die Nachfrage steigen. Die Folge wären steigende Preise. Als Auslöser für das zurückgehende Angebot nennt IC Insights die sinkenden Investitionen der IC-Hersteller.

Diese Investitionen sollen in diesem Jahr von 60,3 auf 49,7 Milliarden Dollar sinken, was einem Rückgang von 18 Prozent entspricht. Außerdem würden die Unternehmen gerade einmal 17,8 Prozent ihres Umsatzes wieder investieren, was IC Insights zufolge die niedrigste Quote seit 30 Jahren ist. Bis 2012 soll sich das nicht wesentlich ändern.

Im Gegensatz zu den sinkenden Investitionen steige die Auslastung der Fabs, was für eine steigende Nachfrage spricht. So sei die Auslastung in diesem Jahr mit 90 Prozent schon etwas höher als im vergangenen Jahr, als die Quote noch bei 89 Prozent lag. Die 300-mm-Fabs seien im ersten Quartal sogar mit 96 Prozent ausgelastet gewesen. 85 Prozent aller DRAMs und 32/64-bit-Mikroprozessoren werden derzeit schon auf 300-mm-Wafern gefertigt.

Sollte sich dieser Trend weiter fortsetzen, würde es innerhalb der nächsten 5 Jahre sogar zu Lieferengpässen und vor allem zu steigenden IC-Preisen kommen.

Differenzierter sieht das Dr. Barbara Schaden. Sie ist Vorsitzende der Marktkommission beim ZVEI Fachverband Electronic Components & Systems.

Zwar würden die Preise für bestimmte Produkte kontinuierlich sinken, aber durch neue Produktgenerationen sei ein Anstieg des Durchschnittspreises wie von IC Insights prognostiziert möglich und war in der Vergangenheit auch regelmäßig zu beobachten.

Die sinkenden Investitionen in diesem Jahr seien eine Folge der sehr hohen Investitionen im vergangenen Jahr, als viele Halbleiterhersteller für ihre Zukunftstechnologien auf 300-mm-Fertigung gesetzt hatten. Auch habe die Investitionsquote in früheren Jahren schon unter 20 Prozent gelegen. Die 17,8 Prozent, die IC Insights anführt, seien daher kein Novum.

Aber auch Barbara Schaden hält es für möglich, dass der Preisdruck auf die Hersteller in Zukunft abnehmen könnte. In den letzten beiden Jahren sei der Rückgang des Durchschnittspreises mit minus 4 Prozent im Jahr 2006 bzw. minus 8 Prozent im Jahr 2007 überdurchschnittlich hoch gewesen. (Nach Zahlen der World Semiconductor Trade Statistics.)

Aktuell liegt der Rückgang dieses sogenannten Average Selling Price (ASP) für den globalen Halbleitermarkt (Jan. bis Mai 2008 vs. Jan. bis Mai 2007) bei  minus 2 Prozent und entspricht damit eher dem langfristigen Trend. Ein Grund für diesen, langfristig gesehen, durchschnittlichen Preisverfall könne sein, dass die Hersteller die Fertigung nicht weiter erhöhen und so ein »zu hohes« Angebot vermeiden.

Als weiteren möglichen Grund führt Barbara Schaden an, dass die Preise auch durch neue Produkte stabilisiert werden, die bei ihrem Debüt im Markt in der Regel erst einmal eine Preisprämie erzielen.

Für die Halbleiterhersteller sei der von IC Insights beschriebene Trend eher vorteilhaft. Überdurchschnittlicher Preisverfall würde die Margen der Hersteller belasten und damit die Innovationsfähigkeit beeinträchtigen.