»Wenn die Gewinne in einem Markt sinken, steigen wir aus«

Keine andere Firma ist so auf High-Performance- Analog-Produkte fokussiert wie Linear Technology. CEO Lothar Maier über den Analog-Markt, die Strategie des Unternehmens und den Ingenieurmangel.

Herr Maier, welchen Ausblick können Sie unseren Lesern für den Analog-Markt 2008 geben?

Lothar Maier: Die WSTS (World Semiconductor Trade Statistics) prognostiziert 10 Prozent Wachstum gegenüber 2007, allerdings werden sich die einzelnen Märkte sehr unterschiedlich entwickeln. Der Consumer-Elektronik- und der Handy-Markt wachsen wohl nur 4 bis 5 Prozent, das größte Wachstum werden der Industriebereich, Automotive und Kommunikation erzielen. Die Standard-Analog-Produkte, die Linear Technology herstellt, sind mit 13 Prozent Wachstum prognostiziert.

Sie konnten Ihren Umsatz bis 2005 jährlich stark erhöhen, 2006 hatten Sie nur noch geringes Wachstum und 2007 sogar einen Umsatzrückgang. Welche Ziele haben Sie für 2008 und welche Marktanteile hat Linear Technology derzeit?

2007 war ein schwieriges Jahr, speziell für Analog. Linear Technology war nicht besser oder schlechter als alle anderen Analog-Firmen. Wir haben unsere Ausrichtung in den letzten Jahren verändert, weg von Comsumer- Elektronik und Handys, wo nur noch geringe Margen zu erzielen sind. Diese internen Veränderungen zahlen sich jetzt aus, schauen Sie auf unsere Verkaufszahlen und unseren Profit. In den letzten Quartalen sind wir um 15 Prozent gewachsen. Deswegen sind wir sehr optimistisch, 2008 ebenfalls 15 Prozent Wachstum zu erreichen.

Wie hoch sind Ihre Kosten, und mussten Sie diese dieses Jahr nach den schlechten Ergebnissen 2007 reduzieren?

Da wir alles selbst machen –, Produktion, Test, Zusammenbau – arbeiten wir natürlich kostenintensiver als andere Firmen. Wir haben regelmäßig höhere Investitionen zu tätigen, sei es in neue Techniken, neue Fabs usw. Wir werden 2008 wohl 35 bis 40 Millionen Dollar ausgeben, was etwas weniger ist als in der Vergangenheit. Dies hat aber nichts mit den Marktbedingungen zu tun.

Ist der Analog-Markt nicht etwas überfüllt mit Firmen wie Analog Devices, Maxim, National und Texas Instruments? Wie wollen Sie gewährleisten, dass Linear Technology bei den Kunden erste Wahl ist?

Sehen Sie, die Wettbewerber sind immer die Gleichen, zusätzlich gibt es einige neue Start-up-Firmen; deren Einfluss auf das Marktgeschehen ist vernachlässigbar. Die meisten unserer Wettbewerber nehmen nur kleinere Wechsel in ihrer Produktausrichtung vor. Die Strategie von Linear Technlogy ist völlig anders als die der Wettbewerber, da wir uns unabhängig vom Comsumer-Markt machen, wo kein Geld mehr zu verdienen ist.

Ihre Strategie hängt stark davon ab, in den frühen Phasen eines neuen Marktes erfolgreich zu sein, wenn noch viel Geld verdient werden kann. Haben Sie keine Angst, dass es bald nicht mehr erforderlich sein wird, immer neue technische Fortschritte zu machen?

Die habe ich nicht. Wir erfinden laufend neue Produkte und der Markt verlangt nach immer höherer Performance. In vielen Fällen sind wir die Ersten am Markt. Wir wollen unseren Kunden einen Wettbewerbsvorteil durch die Nutzung der Linear-Produkte verschaffen, und wenn sie diesen bekommen, sind sie auch bereit, dafür zu zahlen. Es wird immer die Notwendigkeit für Innovation geben. Ich habe keine Bedenken, dass wir keine neuen tollen Ideen mehr entwickeln können. Leider haben wir mehr Produkt- Ideen als Analog-Ingenieure, die diese umsetzen können.