Was nun Herr Kley?

Nach langem Hin und Her könnte es jetzt endlich soweit sein: Ein Käufer für Infineon’s Speichertochter Qimonda scheint erstmals in Sichtweite zu sein.

In der Tat würden Infineon-Vorstandssprecher Peter Bauer und seine Kollegen sicherlich mehr als eine Flasche Champagner köpfen, sollte der Deal mit dem amerikanischen Hersteller Micron tatsächlich über die Bühne gehen. Qimonda schreibt unverändert hohe Verluste, die Kasse leert sich trotz verzweifelter Versuche, frisches Geld zu akquirieren, wie z.B. durch eine Wandelanleihe, immer mehr. Da die Kreditlinie erschöpft ist und auch Infineon den Geldhahn zugedreht hat, behilft sich Qimonda-CFO Michael Majerus jetzt damit – wie z.B. bei Fluggesellschaften gerne gemacht – Anlagen zu veräußern und zurückzumieten (Sale and Lease-back).

Trotzdem waren Ende Juni nur etwas mehr als 630 Mio. Euro in der Kasse, die bei derzeitigem Stand innerhalb eines Jahres aufgebraucht wären, wenn sich am Speichermarkt nichts Signifikantes ändert. Und diesbezüglich gibt es wirklich keine guten Nachrichten: Marktforschungsinstitute wie iSupply rechnen erst wenn überhaupt im zweiten Quartal 2009 mit einer leichten Erholung der Speicherpreise.

Wenn Qimonda tatsächlich veräußert werden kann, dann wohl zu einem Dumpingpreis – jedenfalls im Vergleich zum Jahr 2007, in dem der ehemalige CEO Wolfgang Ziebart angeblich erstmals über einen Verkauf konkret verhandelt hat. Nach der 1,4 Mrd.-Euro-Abschreibung ist Qimonda heute nur noch knapp mehr als 400 Mio. Euro wert.

Das tragische ist, dass der von Ziebart 2007 angestrebte Verkauf angeblich vom Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley und dem damaligen Finanzchef Peter Fischl blockiert wurde. Beide haben – wie man aus Infineon-Kreisen hört – darauf gesetzt, dass sich der Speichermarkt schneller erholen und sich Qimondas Situation damit signifikant verbessern würde. Wie man heute weiß, eine fatale Fehleinschätzung. Hätte man im Dezember 2007 tatsächlich verkaufen können, dann eine Firma, die seinerzeit noch fast 1,5 Mrd. Euro wert gewesen ist. Nur durch den eingebrochenen Börsenwert sind damit schon 1 Mrd. Euro verbrannt worden, von den überflüssigen Investitionen und sonstigen Kosten in den letzten 8 Monaten ganz zu schweigen, die man sich mit einem Verkauf noch in 2007 hätte ersparen können.

Prof. Ziebart hat auf Grund von »Meinungsverschiedenheiten« weniger oder mehr freiwillig seinen Hut nehmen müssen. Aus heutiger Sicht muss man bedauern, dass er sich seinerzeit nicht mit seiner Linie hat durchsetzen können. Die Fehleinschätzungen von Kley und Fischl müssen nun andere ausbaden: die Anleger und Mitarbeiter von Infineon und Qimonda – und natürlich der schrumpfende Halbleiterstandort Deutschland.

Frank Riemenschneider, Redakteur Elektronik