Von der Wirtschaftskrise verschont

In der Entwicklungssystembranche ist von der Wirtschaftskrise momentan noch nicht viel zu spüren. Sogar die Automobilindustrie zeigt sich weiterhin als einer der treibenden Faktoren. Die Entwicklungssystem-Hersteller blicken durchweg auf ein erfolgreiches Jahr 2008 zurück und hegen positive Zukunftserwartungen.

Die Wirtschaftskrise ist das beherrschende Thema in nahezu allen Bereichen der Industrie. Eine Branche gibt es jedoch, die bislang davon verschont geblieben ist: Die Hersteller von Entwicklungssystemen haben bisher noch keinen Grund zur Klage. Ganz im Gegenteil: »Für pls war das Jahr 2008 das erfolgreichste in der nun fast 20-jährigen Firmengeschichte«, sagt Thomas Bauch, Geschäftsführer bei pls Programmierbare Logik & Systeme.

»Und abgesehen davon, dass bei einigen unserer Kunden der Jahreswechsel diesmal von Mitte Dezember bis fast Mitte Januar ausgedehnt wurde, ist von der Krise bislang noch nichts zu spüren. Im Gegenteil: Sowohl unser operatives Geschäft als auch die absehbaren mittelfristigen Projekte entwickeln sich sehr erfreulich, weil unsere Kunden und Partner nach wie vor an einer Vielzahl neuer Produkte arbeiten.«

Auch beim Karlsruher Entwicklungssystem-Hersteller Hitex Development Tools zeigt man sich ganz entspannt: »Entwicklungssysteme sind Investitionen in die Zukunft«, erklärt Frank Grobe, Geschäftsführer bei Hitex. »Derartige Ausgaben werden zwar auch überprüft, aber in der Regel nicht grundsätzlich gestrichen. Viele unserer Kunden spüren natürlich schon Auswirkungen der Krise oder bereiten sich zumindest darauf vor. Allerdings werden Entwicklungssysteme in der Regel benötigt, um die nächste Generation zu entwickeln – Einsparungen werden da so weit wie möglich vermieden. Entsprechend können wir derzeit unser Wachstum weiterführen.«

Der Dritte im Bunde, Lauterbach, hat gerade rund 25 Millionen Euro in ein neues Firmengebäude in Höhenkirchen bei München investiert und plant, die Mitarbeiterzahl in den nächsten fünf Jahren von weltweit rund 100 auf 150 zu steigern. Die Prognosen für 2009 seien aufgrund der in den einzelnen Ländern relativ unberechenbaren wirtschaftlichen Situationen noch schwierig, erklärte Lothar Lauterbach, Firmengründer und Geschäftsführer der Lauterbach GmbH. Für die kommenden Jahre strebt das Unternehmen dennoch ein hohes einstelliges Wachstum an.

Antizyklische Entwicklung

Grundsätzlich scheint sich wieder einmal zu bewahrheiten, was in Krisensituationen oft zu beobachten ist: »Wenn die Produktion lahmt, konzentrieren sich die Hersteller wieder verstärkt auf die Entwicklung«, erklärt Lothar Lauterbach. Und das sicher auch mit Recht, denn wenn sich die Wirtschaft wieder erholt, liegt der Hersteller vorne, der die Zeit genutzt hat und mit den innovativsten Lösungen aufwartet – vorausgesetzt, sie treffen den Nerv des Kunden. »In Deutschland läuft das Geschäft mit den Entwicklungssystemen antizyklisch zum Rest der Industrie«, so Lauterbach. »Ich schätze, wir sind dem Konjunkturzyklus etwa zwei bis drei Jahre voraus. Momentan ist das für uns ein Vorteil.«

Dem stimmt auch Thomas Bauch zu: »Die momentane Situation bestätigt nur einmal mehr unsere langjährige Erfahrung, dass die Entwicklungsabteilungen der Unternehmen mögliche Ausläufer zyklischer Schwankungen in der Regel als Letzte zu spüren bekommen «, so Bauch.

»Glücklicherweise hat es sich in den letzten Jahren offensichtlich herumgesprochen, dass die Entwicklung neuer innovativer Produkte immer noch das beste Mittel ist, um aus einer Krise gestärkt hervorzutreten. Marktanteile gewinnt man bekanntlich nicht in guten, sondern in schlechten Zeiten. Gleichzeitig nutzen viele Entwicklerteams die etwas ruhigeren Zeiten, um sich Aufgaben zu widmen, die in Boom-Zeiten meist liegen geblieben sind. Dazu gehört unter anderem auch die Verifizierung und Einführung neuer Werkzeuge und Methoden.« Gute Voraussetzungen also für die Branche.