Vishay: »Die Krise wird zum Prüfstein für die Qualität des Managements«

Auch in Krisenzeiten neigt Dr. Gerald Paul, CEO und President von Vishay, nicht zu Schnellschüssen. Reduzieren der variablen Kosten und niedrigere Investitionsaufwendungen für 2009 sind seine Reaktion auf die Krise.

Markt&Technik: Die Konjunktur bricht ein, die Automobil- und mit ihr die Automotive-Branche stehen auf der Bremse. War die aktuelle Krise vorhersehbar?

Dr. Gerald Paul: Damit, was im September passiert ist, hatte niemand gerechnet. Dass es im Finanzbereich einen Zusammenbruch wie den von Lehman Brothers geben könnte, hatte wohl keiner für möglich gehalten. Wir sind pessimistisch in das Jahr 2008 gegangen und wurden im ersten Halbjahr positiv von der konjunkturellen Entwicklung überrascht. Erste Anzeichen für eine Abkühlung der Konjunktur gab es im August, aber als wirklicher Indikator für Marktentwicklungen eignet sich der August traditionell kaum. Dann kam der September und der Abschwung. Momentan sieht es so aus, dass das Geschäft mit passiven Bauelementen noch gut läut, im Halbleiterbereich sind wir aber seit September 2008 zu Korrekturen gezwungen.

Wie hat sich das Vishay-Geschäft konkret im 4. Quartal 2008 entwickelt? Trifft es in erster Linie nur den Automotive-Bereich?

Wie andere auch, haben wir seit September krasse Rückgänge im Auftragseingang erlebt. Wir erzielten im 4. Quartal eine Book-to-Bill-Ratio von lediglich 0,74, wobei Halbleiter und asiatische Distributoren besonders betroffen sind. Auch die Automobilindustrie – selbst die europäische – hat die Aufträge stark zurückgenommen, was angesichts der zahlreichen Werksschließungen nicht verwunderlich ist. Natürlich ist es das Bestreben vieler Kunden, bestehende Aufträge zu verschieben bzw. vollständig zu stornieren. Letzteres ist natürlich auch Ursache für die schlechte Book-to-Bill-Bilanz des 4. Quartals.

Betrifft der Einbruch alle Applikationsbereiche im gleichen Maße, und lässt sich bereits Licht am Ende des Tunnels erkennen?

Der Rückgang des Automotive-Marktes kam sicher am überraschendsten. Keiner will Autos auf Halde produzieren, die Korrekturen sind dort sicher am einschneidendsten. Traditionell war der Automotive-Markt während der letzten konjunkturellen Abschwünge immer ein sehr stabiler Markt. Im Consumer-Markt trifft es vor allem den asiatischen Raum. Relativ stabil blieb nach wie vor der Industrieelektronik-Bereich. Hier galt aber auch schon in der Vergangenheit eine Phasenverschiebung gegenüber den Entwicklungen im Consumer-Bereich von sechs bis neun Monaten. Es ist also davon auszugehen, dass auch das längerfristige Investitionsgeschäft 2009 von der allgemeinen Krisenstimmung am Markt eingeholt wird.

Wie wirkt sich die Krise auf die Auslastung Ihrer Produktion aus, wie stark ist der Rückgang in der Auslastung?

Wesentliche Produktionseinbrüche verzeichnen wir bei Halbleitern, wo wir die Produktionskapazitäten massiv zurückgefahren haben. Letzteres aber auch unter Minimierung externer Fertigungsquellen wie Foundries und Subcons. Bei passiven Bauelementen können wir uns derzeit über Kurzarbeit bzw. moderate Reaktionen »retten«. Im Ganzen liegt der Rückgang der Auslastung gegenüber dem 3. Quartal bei etwa 20 Prozent.

Sehen Sie Parallelen zu den Krisen der Vergangenheit, dem Platzen der Dotcom-Blase oder der Entwicklung des Jahres 2004?

Nein, weder in Bezug auf die Dimension des Problems noch bezüglich der Ursachen. Im Jahr 2000 wurde die Branche für ihren Übermut und ihre Fehleinschätzungen bestraft. Es wurden Erwartungen geweckt, die schlicht nicht erfüllt werden konnten. Auch 2004 waren die Probleme hausgemacht: Die Distributoren spekulierten auf den Aufschwung und füllten ihre Lager, nur kam der Aufschwung dann nicht so schnell wie erhofft. Während es nach 2000 gut drei bis vier Jahre dauerte, um die Krise zu überwinden, war es 2004 eine Sache von drei, vier Quartalen. Dieses Mal ist unsere Branche absolut unschuldig an diesem Schlamassel.