Ulrich Schumacher: Kurs auf Villach

Grace Semiconductor hat die Abteilung Consumer des Design-Center von Micronas – ehemals Infineon Multimedia – in Villach/Österreich übernommen.

Das Team besteht aus 30 Mitarbeitern, vor allem erfahrene Analog- und HF-Ingenieuren. Damit will CEO Ulrich Schumacher dem Europa-Geschäft von Grace neuen Schub verleihen. »Eine Foundry kann sich heute nicht darauf beschränken, das Tape anzunehmen und die fertigen Wafer an den Kunden auszuliefern. Wir bieten den Kunden die Möglichkeit, neue Prozesse zu entwickeln bzw. alte Prozesse auf Prozesse für die Fertigung von ICs mit kleineren Strukturen zu portieren«, sagt Walter Prochaska, President Europe von Grace Semiconductor. »Damit unterscheiden wir uns von den großen in Europa vertretenen Foundries deutlich, vor allem auch wegen der Design-Ingenieure, die im Durchschnitt über 10 Jahre Erfahrung im Bereich des Analog- und HF-Designs verfügen.«

Die Chinesische Foundry unter Leitung von CEO Ulrich Schumacher wird das europäische Hauptquartier ebenfalls nach Villach verlegen, eine Gegend, die er gut kennen dürfte, hatte er doch bei Siemens und später als CEO von Infineon des Öfteren in Villach zu tun. Und er lebt sich laut der Website www.movation.at schon wieder gut ein: Anlässlich des City Cart Circuit Villach wird er in seine Rennfahrerkluft steigen und wieder Gas geben.

Dass Grace in Europa auf Expansionskurs ist, zeigt, dass neben dem Hauptquartier in Villach die Grace Semiconductor Germany GmbH mit Sitz in München gegründet wurde, die derzeit vier Mitarbeiter beschäftigt und sich laut Prochaska auf Expansionskurs befindet. Ebenfalls aus europäischer Sicht interessant: Zum Vice President Marketing hat das Unternehmen Dr. Peter Weigand berufen, der zuletzt bei Micronas für das Asiengeschäft zuständig war. Zusätzlich scheint Schumacher auch in den USA und in China die Weichen auf Expansion zu stellen. So ist in den USA die Übernahme einer Fab von NXP im Gespräch, in China soll ein Joint Venture gegründet werden, um den Kunden eine bessere Marktposition aufgrund der Kostenvorteile zu verschaffen.

Derzeit laufen die Geschäfte für Grace laut Prochaska gut. Im ersten und zweiten Quartal fuhren die Linien mit einer Auslastung von 103 Prozent, der Umsatz wuchs um 15 Prozent und damit schneller als ursprünglich geplant. Zu 75 Prozent fertigt Grace derzeit komplexe SoCs, auf denen Analoge Funktionen, Hochvolt-Funktionen und Flash-Speicher integriert sind, zu 25 Prozent einfache Logik-ICs. »Speziell auf dem Gebiet der SoCs haben wir uns wegen unserer kostengünstigen Prozesse eine gute Position am Markt gesichert«, sagt Walter Prochaska.Insbesondere für Europa zeigt er sich optimistisch: »Die Anwender merken, dass es nicht immer sinnvoll ist, möglichst viel an Fertigung und Entwicklung nach Asien auszulagern. Europa erlebt vor allem im Design im Moment eine Renaissance.«