TSMC und die Krise: Mehr Forschung und mehr Wettbewerb

Die Rezession zwingt auch die größte Foundry der Welt dazu, sich neu auszurichten. Wir sprachen mit Europa-Chefin Maria Marced darüber, was TSMC dabei unternimmt. Neben mehr Forschung werden auch bestimmte Geschäftsbereiche neu fokussiert.

Frau Marced, die Halbleiterhersteller versuchen derzeit zu sparen und fokussieren sich daher stärker auf Kernbereiche. Auf der ISS in Dresden haben Sie gesagt, dass sich TSMC auf Innovation fokussieren will. Was genau haben Sie damit gemeint?

In solch einem Abschwung, wie wir ihn gerade erleben, konzentriert sich jedes Unternehmen auf ganz bestimmte Bereiche. Wir konzentrieren uns auf zwei Sachen: Zum einen reduzieren wir wie alle anderen Unternehmen Kosten.

Zweitens konzentrieren wir uns auf Innovation. Das heißt, dass wir in diesem Jahr nicht in den Ausbau unserer Fertigungskapazitäten investieren. Die werden momentan sowieso nicht voll genutzt. Stattdessen erhöhen wir unseren Anteil an Forschung&Entwicklung. Das heißt, wir entwickeln den 28-nm-Prozess zu Ende und wir forschen weiter an der Entwicklung von 22 nm.

Außerdem fokussieren wir uns zum ersten Mal stärker auf Felder wie Analog, Automotive, Power Management oder Hochfrequenz-Technik. Diese Bereiche sind gerade in Europa sehr wichtig. Das wollen wir ausbauen.

Maria Marced ist President von TSMC Europe mit Sitz in Amsterdam.  Quelle: TSMC

Bekommen dadurch kleinere und spezialisiertere Foundries, wie etwa X-Fab, stärkere Konkurrenz von TSMC?

In diesen Bereichen stehen wir bereits im Wettbewerb. Wir haben fast 60 Prozent Marktanteil in Europa. Der Unterschied besteht nun darin, dass wir früher unsere größten Anstrengungen darin gelegt haben, Moores Gesetz zu folgen, also die Prozessgrößen weiter zu verkleinern. Jetzt richten wir diesen Fokus auch auf speziellere Gebiete wie etwa Analog oder Automotive, da wo also Moores Gesetz nicht das allerwichtigste ist.

Diese neue Fokussierung verstärkt natürlich auch den Wettbewerb. Aber Wettbewerb ist gut und auch die anderen Foundries müssen sich dadurch stärker verbessern. Am Ende nutzt das den Kunden und dem Endverbraucher.

Wollen Sie dazu auch die Unternehmen stärker davon überzeugen, fabless zu werden?

Nicht unbedingt. Wir wollen den Unternehmen dabei helfen, ihr Geschäftsmodell zu verbessern. Das ist etwas anderes. Wir müssen zuerst prüfen, ob es für diese Unternehmen überhaupt in Frage kommt, fabless zu werden. Das hängt zum Beispiel von den Volumen oder von den Produktbereichen ab. Wenn ein Unternehmen gern fabless werden möchte, dann sind wir natürlich da.

Ihr Kollege John Wei hat auf der ISS Europe in Dresden von einer neuen Giga-Fab gesprochen, die, würde sie gebaut werden, rund 10 Mrd. Dollar kosten würde. Ist so ein Projekt in Europa denkbar?

Mit der Fab 12 und der Fab 14 haben wir bereits zwei Giga-Fabs in Taiwan. Jede von ihnen hat eine Kapazität von mehr als einer Million Wafer pro Jahr. Deshalb heißen sie Giga-Fabs. Sollte eine neue Giga-Fab entstehen, dann hängt es von sehr vielen Faktoren wie etwa Beihilfen ab, wo sie entsteht. Das könnte überall sein, in Taiwan, in China oder in Europa. Aber das ist bis jetzt alles hypothetisch, da wir derzeit nichts Konkretes planen.