Intel überholt TSMC größter Halbleiterhersteller der Welt?

Betrachtet man den »Endpreis-Umsatz« von Halbleiter-Chips, hat die weltweit größte Foundry den Branchenprimus Intel überholt und darf sich größter Chiphersteller der Welt nennen. Dies geht aus einer Studie des Marktforschungsunternehmens IC Insights hervor.

Während TSMC bei der Zahl der prozessierten Wafer wahrscheinlich schon vor Intel liegt, zeigen die Berechnungen, dass auch der Anteil am Umsatz des gesamten Halbleitergeschäfts steigt.

Weil man Foundrys und Halbleiterhersteller mit eigenen Produktionsstätten (IDMs) schlecht vergleichen kann, haben die Analysten von IC Insights eine Vergleichsgröße gewählt, die einige Rechenarbeit erfordert. Weil TSMC seine Chips – anders als z.B. Intel – nicht direkt an den Endkunden, also den Hersteller eines elektronischen Geräts, verkauft, müssen die Zahlen der Taiwaner umgerechnet werden.

Eine Foundry wie TSMC fertigt ihre Chips für seine Auftraggeber, also meist Fabless-Chipdesigner wie Altera oder Qualcomm. Diese leiten die ICs mit einer Marge von durchschnittlich 55 Prozent an den Hersteller des jeweiligen Endgeräts (wie z.B. Cisco oder Nokia) weiter. Würde man diese Preise TSMC zuschlagen, müsste man den Umsatz der Foundry mit 2,2 multiplizieren. So ließe sich der Wert der von TSMC gefertigten Bauelemente am Gesamtumsatz des Halbleitermarktes bestimmen und man könnte ihn mit den IDMs vergleichen. Weil TSMC sich vor allem auf High-End-Produkte konzentriert, die den Kunden der Foundry Margen von 57 Prozent im Durchschnitt ermöglichen, verwenden die Experten im Fall der Taiwaner einen etwas höheren Multiplikator von 2,33.

TSMC vs. Intel: Umsatz

Anhand des resultierenden Endpreis-Umsatzes wird ersichtlich, dass TSMC in den letzten Jahren signifikant zulegen konnte. Vergleicht man die Zahlen mit dem Umsatz von Intel, zeigt sich, dass TSMC im zweiten Quartal 2013 (11,98 Mrd. Dollar) sogar am bisherigen Marktführer (11,79 Mrd. Dollar) vorbeiziehen konnte. Demnach wäre der asiatische Auftragsfertiger nun der umsatzstärkste Halbleiterkonzern der Welt. Vor dem Hintergrund, dass Intels Werte Anfang 2012 noch 45 Prozent über dem hochgerechneten Endpreis-Umsatz von TSMC lagen, ist das ein gewaltiges Wachstum innerhalb kürzester Zeit (siehe Grafik).

TSMC vs. Intel: Investitionen

Der errechnete Endpreis-Umsatz macht es auch leichter, die erwarteten Investitionen in Fertigungsausrüstung der beiden Halbleiter-Riesen  zu verstehen. Diese sollen 2013 auf ähnlichem Niveau liegen (Intel: 11 Mrd., TSMC: 10 Mrd. Dollar). Im nächsten Jahr, so die Einschätzung der Analysten, liegen die Taiwaner auch hier vorn (Intel: 11 Mrd., TSMC: 11,5 Mrd. Dollar).  Wenn man die Investitionen relativ zum Umsatz betrachtet, ist es also durchaus sinnvoll, die neue Vergleichsgröße heranzuziehen.

Die allgemeine Entwicklung der Foundrys

Der Branche der Auftragsfertiger insgesamt bescheinigt die Studie gute Aussichten. So soll der Anteil der Foundrys am Gesamtumsatz des Halbleiter-Markts von aktuell 36 Prozent bis 2017 auf über 45 Prozent steigen (bezogen auf den Endpreis-Umsatz). Der Erfolg der Fabless-Unternehmen und die Tendenz der IDMs, immer größere Teile ihrer Produktion auszulagern, hat das starke Wachstum der Foundrys seit 1998 begünstigt. In letzter Zeit geben auch immer mehr mittelgroße Firmen wie IDT, LSI, Avago oder AMD ihre Produktionsstätten zugunsten des Fabless-Modells auf. Den Einschätzungen von IC Insight zufolge führe dies zu einem weiteren Wachstum des Foundry-Geschäfts. Dieses soll 2013 um 14 Prozent zulegen, während der Halbleitermarkt insgesamt nur um 6 Prozent wächst.

Natürlich sind die Zahlen theoretisch und die Auftragsfertiger müssen »ihren« Endpreis-Umsatz mit den Kunden teilen. Dennoch zeigt die Studie, dass der Marktanteil und damit auch der globale Einfluss der Foundrys langfristig steigen wird.