TSMC: »Europa wächst überproportional«

Die USA zeigen sich seit Jahren sehr offen gegenüber dem Foundry-Business-Modell. Europa hingegen galt hier als eher zurückhaltend. Maria Marced, President von TSMC Europe, erklärt, dass sich die Zeiten mittlerweile geändert haben und Europa aufholt.

Markt&Technik: Welche Rolle spielt Europa mittlerweile für TSMC?

Maria Marced: Die europäische Halbleiterindustrie ändert sich, und wir spielen eine wichtige Rolle dabei. Dementsprechend wachsen wir deutlich in dieser Region. Schaut man sich die Regionen an, die bereits einen nennenswerten Umsatz für TSMC liefern, so stellt Europa innerhalb dieser Gruppe das Gebiet dar, das am schnellsten wächst. Es gibt kleinere Regionen, die schneller wachsen, allerdings von einem deutlich niedrigeren Niveau aus. Konkret heißt das, dass wir davon ausgehen, dass wir in diesem Jahr gegenüber dem Vorjahr um 30 Prozent wachsen werden. Damit trägt Europa dann rund 12 Prozent zum gesamten TSMC-Umsatz bei. Traditionell lag der europäische Umsatzanteil bei zirka 8 Prozent.

Wo kommt das starke Umsatzwachstum her?

Hier spielen zwei Punkte eine Rolle: Erstens: Wir gewinnen Marktanteile hinzu. Innerhalb der letzten zwölf Monate konnten wir unseren Marktanteil von 40 auf 48 Prozent steigern.

Wie ist es möglich, dass ein Unternehmen wie TSMC, das mit großem Abstand Marktführer ist, immer noch Marktanteile hinzugewinnen kann?

Ganz einfach: Wir liefern die besseren Produkte mit der höheren Qualität, weil wir unsere Fertigung exzellent beherrschen. Und wir können unseren Kunden viel schneller den Weg zu kleineren Prozessstrukturen eröffnen, als das die anderen Foundries können.

Sie sprachen von zwei Punkten, was ist der zweite Punkt?

Europa war traditionell sehr IDMlastig, und diese Firmen verändern sich, besonders wenn es um die modernsten Technologien geht.

Beziehen Sie sich mit dieser Aussage besonders auf Infineon und NXP, oder betrifft das auch STMicroelectronics?

Es bezieht sich auf alle drei Firmen. STMicroelectronics fertigt rund 7 Prozent seines gesamten Umsatzes mit Hilfe von Foundries. In diesen 7 Prozent sind also auch die Produkte enthalten, die ST mit ausgereiften Technologien in seinen eigenen Fabriken fertigt. Schaut man sich nur die fortschrittlicheren Technologien an, also 90 nm und darunter, fällt dieser Prozentsatz deutlich höher aus. ST hat auch ganz klar erklärt, diesen Anteil in den nächsten Jahren auf 20 Prozent erhöhen zu wollen. Und wir machen diese Veränderungen möglich.

Woher kommt dieser Sinneswandel?

Die Firmen konzentrieren sich zunehmend auf die Applikation und nicht mehr so sehr auf die Fertigung. Sie stellt heute kein Differenzierungsmerkmal mehr dar, vielmehr spielt das System-Knowhow eine immer wichtigere Rolle. Und wir helfen den Firmen dabei, sich genau darauf zu konzentrieren.

Hat TSMC auf diesen europäischen Aufschwung bereits reagiert und seine Mannschaft entsprechend aufgestockt?

Auf alle Fälle. Mittlerweile beschäftigen wir 40 Mitarbeiter in Europa, wobei unsere TSMCMitarbeiter, die bei IMEC in der Forschung mitarbeiten, nicht mitgezählt sind. Hinzu kommen noch 20 Mitarbeiter in Taiwan, die ausschließlich auf die Belange von Europa fokussiert sind.