TSMC: Die graue Eminenz übernimmt

Dr. Morris Chang, Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender bei der weltgrößten Foundry, hat mit Wirkung vom 12. Juni völlig überraschend den bisherigen CEO Dr. Rick Tsai abgelöst.

Tsai, der seit 2005 CEO bei TSMC (Taiwan Semiconductor Manufactoring) war, der Firma seitdem ein Umsatzwachstum von rund 25 Prozent bescherte und bislang als Erbe des 77-jährigen Chang galt, wird zukünftig als »President« einer neu gegründeten »Business-Development«-Organisation tätig sein, die sich mit neuen Wachstumsmärkten wie LEDs und Solartechnik beschäftigen soll.

TSMCs neuer CEO Dr. Morris Chang (links) mit seinem Vorgänger Dr. Rick Tsai.

Dr. Chang, der TSMC 1987 gründete, wird damit auch wieder das operative Geschäft des Chip-Riesen steuern. Ein Ziel dürfte darin bestehen, die Technologie-Führerschaft zurückzuerobern, nachdem man einräumen musste, ein Problem mit der Chipausbeute bei der Einführung des 40-nm-Prozesses zu haben. Diese sollen allerdings laut TSMC mittlerweile gelöst sein.

Derweil plant die IBM-Allianz u.a. mit TSMCs Foundry-Konkurrenten Chartered Semiconductor und Samsung bereits zum Jahresende die Einführung eines 32-nm-High-K/Metal-Gate-Prozesses.

Zwar zeigte TSMC zeigte auf der IEDM-Konferenz 2008 eine SRAM-Zelle in 28-nm-Technologie (ebenfalls auf High-K/Metal-Gate-Basis), die Einführung wird aber nicht vor 2010 stattfinden.

Auch die desaströse Geschäftsentwicklung im ersten Quartal 2009 könnte ein Grund für den unerwarteten CEO-Wechsel sein. Gegenüber dem ersten Quartal 2008 verringerte sich der Umsatz um 54,8 Prozent, während der Gewinn sogar um 94,5 Prozent zurückging. Auch im Vergleich zum Vorquartal (Q4 2008) sieht es kaum besser aus: Einem Umsatzrückgang von 38,8 Prozent steht ein Gewinnrückgang von 87,5 Prozent gegenüber.

Dr. Morris Chang ist in der Halbleiterszene eine der schillerndsten Figuren. 1949 wanderte der gebürtige Chinese während des Bürgerkrieges in die USA aus, wo er u.a. am MIT und an der Stanford University Maschinenbau und Elektrotechnik studierte.

Er arbeitete danach 25 Jahre bei Texas Instruments und zwei Jahre als CEO bei General Instruments, bevor er 1986 von der taiwanesischen Regierung als President für das neugegründete Industrial Technology Research Insitute (ITRI) abgeworben wurde. Dieses verließ er erst wieder 1994.

1998 wurde er als einer der »Top 25 Manager des Jahres«, »Stars von Asien« und »wichtigsten Protagonisten in der 50-jährigen Geschichte der Halbleiterindustrie« gekürt. Neben zahlreichen Ehrendoktor-Titeln ist Dr. Chang seit 2001 auch als Berater des chinesischen Präsidenten tätig.