Toshiba: »Es gibt viele Lichtblicke«

Roland Schimmelbauer von Toshiba im Interview: Er spricht über den weiteren Ausbau des NAND-Speicher-Geschäfts trotz Preiseinbruch und sieht sein Unternehmen als »Broadliner« für einen kommenden Aufschwung gut positioniert.

Markt & Technik: Der Umsatz von Toshiba ist in den letzten Quartalen stärker gefallen als der des Wettbewerbs. Woran lag es?

Roland Schimmelbauer, Vice President European Sales&Marketing: Das lag vor allem am Preisverfall im NAND-Speicher-Markt. In den Jahren zuvor sind wir dafür weit stärker gewachsen als der Wettbewerb, aber die starken Zyklen liegen eben in der Natur der Speicher. Es gibt etliche Unternehmen, denen es weniger gut geht. Insgesamt sehen wir uns als einen der wenigen Broadliner global sehr gut positioniert. Unser NAND-Geschäft trägt 40 Prozent zum Umsatz bei, die Logik-ICs ebenfalls 40 Prozent, und den Rest generieren die diskreten Bauelemente.

Will Toshiba den Anteil der NAND-Speicher auf dem Niveau halten?

Eher noch ausbauen. Viele Investitionen sind über die letzte Zeit in den Speicher-Bereich geflossen. Wir sehen sie als sinnvolle Ergänzung zu unserem Festplattengeschäft, hier hatten wir ja erst kürzlich von Fujitsu die Festplatten übernommen.

Im Moment haben alle NAND-Hersteller die Kapazitäten zurückgefahren, deshalb sind wir für das dritte und vierte Quartal recht optimistisch. Es sind bereits Knappheiten festzustellen. Andererseits zögern die Hersteller, ihre Linien wieder anzufahren, weil eben nicht  klar ist, ob der steigende Bedarf tatsächlich nachhaltig ist.

Wo gibt es denn derzeit Engpässe?

Vor allem im Commoditiy-Bereich in Asien. Dort ist gerade die Kauf-Saison für Klimaanlagen losgegangen, und das wirkt sich auf Standardlogik, Optokoppler und MOSFETs aus, da wird es eng.

Aber das Einkaufsverhalten ändert sich deshalb nicht?

Nein, es bleibt absolut kurzfristig. Es gibt einen gewissen Zweckoptimismus, alle hoffen, dass es jetzt wieder aufwärts geht. Die realen Fakten sehe ich aber noch nicht. Immerhin haben offenbar alle vom letzten Einbruch 2000 gelernt. Damals lagen riesige Mengen auf Lager, die dann abgeschrieben werden mussten. Jetzt ist die Lieferkette ziemlich leergefegt, und weil die Kunden sehr kurzfristig bestellen, kommt es zu Knappheiten, und wir haben alle Hände voll zu tun, damit die Linien der Kunden wieder arbeiten können.

Welche Maßnahmen wird Toshiba aufgrund der derzeitigen Situation treffen?

Toshiba hat die Kapazitäten zurückgefahren und die Anzahl der Mitarbeiter weltweit um 5000 verringert. Wir haben vor allem die Zeitarbeitskräfte abgebaut, ein Fünftel davon im Halbleiterbereich. In Europa haben wir um 40 Mitarbeiter reduziert – 12 Prozent der Belegschaft –, was meist über die vorhandene Fluktuation und Vorruhestandregelungen lief.