Analog-ICs TI setzt auf Kapazitätsausbau

Gregg Lowe ist »Senior Vice President Analog« bei Texas Instruments. Von 1990 bis 1994 war er in Deutschland als Vertriebsleiter für den Bereich Automotive in Europa zuständig. Seit 2006 ist er verantwortlich für den gesamten weltweiten Analog-Bereich.

Texas Instruments baut seine Fertigungskapazität für analoge ICs in einem gewaltigen Tempo aus. Wenn alles fertig ist, soll das dem Unternehmen 3 Milliarden Dollar pro Jahr zusätzlich einbringen. Das wäre eine Steigerung von gut 70 Prozent zu dem Umsatz von 2009. Über den Hintergrund dieser Expansion sprachen wir mit Gregg Lowe, der für das Analog-Geschäft von Texas Instruments verantwortlich ist.

Herr Lowe, wie kommt es eigentlich, dass Sie so gut Deutsch sprechen?

Ich habe von 1990 bis 1994 in Freising gelebt und dort bei TI gearbeitet. Dabei habe ich Deutsch und auch ein bisschen Bayrisch gelernt.

Geben Sie unseren Lesern doch noch eine kurze Übersicht über den Analog-Bereich von Texas Instruments.

Analog-ICs machen rund 45 Prozent des Umsatzes von TI aus. Das Geschäft ist in die vier Bereiche »Operationsverstärker«, »Datenwandler«, »Interface« und »Power Management« unterteilt. Wir haben dafür über 3.000 Mitarbeiter, mehr als die Hälfte von ihnen außerhalb der USA.

Wenn ich jetzt Analog-ICs bei TI bestellen würde, wie lange müsste ich darauf warten?

Zurzeit haben wir für die Hälfte unserer Produkte eine Lieferzeit von weniger als 8 Wochen. Es gab schon Zeiten, da haben wir das nur für 10 Prozent unserer Produkte geschafft. Seit dem vierten Quartal 2009 haben wir diesen Wert kontinuierlich verbessert, obwohl die Nachfrage gleich hoch geblieben ist.

Was haben Sie genau gemacht?

Wir haben unsere Fertigungskapazität stark erhöht, sogar stärker als die Nachfrage und deshalb konnten wir die Lieferzeiten verkürzen. Wir bauen unsere Kapazität auch weiter aus, um die Lieferzeiten noch weiter zu senken.

Gibt es bestimmte ICs, die eine besonders lange Lieferzeit haben?

Nein, das ist keine Frage des ICs sondern eher aus welcher Fab es stammt oder welches Gehäuse es hat.

Sie haben die Kapazität in ihren Fabs in Dallas, Freising und im japanischen Miho erhöht. Dazu kommt Ende des Jahres die 300-mm-Fab in Richardson. Vor kurzem haben Sie noch zwei Fabs von Spansion in Japan übernommen. Andere Hersteller sind da nicht so aktiv. Ist das eine langfristige Strategie oder ist das nur auf die hohe Nachfrage derzeit zurückzuführen?

Das ist auf jeden Fall eine langfristige Strategie. Was die anderen Hersteller betrifft, ist mir übrigens nicht bekannt, dass sie ihre Kapazität nennenswert ausgebaut hätten. Dabei war die weltweite Wafer-Kapazität für analoge ICs im zweiten Quartal immer noch 10 Prozent niedriger als bei ihrem Höhepunkt im dritten Quartal 2008.

Aber wie gesagt, wir bauen unsere Kapazität weiter aus. TI ist der größte Hersteller von Analog-ICs und wir wollen weiter Marktanteile gewinnen. Langfristig werden wir diese Kapazität also brauchen.

Derzeit ist die wirtschaftliche Lage wieder etwas unklarer, als vor ein paar Monaten. Ist es nicht ziemlich riskant, die Fertigung in solchen Zeiten so stark auszubauen?

Wohin die Nachfrage auf dem Halbleitermarkt geht, lässt sich nie richtig klar einschätzen. Sowohl wenn der Markt wächst, als auch wenn er zurückgeht. Der Kapazitätsausbau versetzt uns in die Lage Marktanteile zu gewinnen.

Dazu kommt aber auch, dass sich das finanzielle Risiko für uns in Grenzen hält. Für unsere 300-mm-Fab in Richardson haben wir ja einen großen Teil der Ausrüstung aus der Insolvenzmasse von Qimonda gekauft. Das sind zwischen 85 und 90 Prozent weniger, als die Ausrüstung neu wert gewesen wäre. Wir haben dafür 172,5 Millionen Dollar gezahlt, dem gegenüber steht ein potenzieller Umsatz von 1 Milliarde Euro im Jahr. Das war eine sehr günstige Gelegenheit.

Kein anderer Hersteller setzt auf 300 mm bei Analog-ICs.

Wir sind ein Broadliner, wir fertigen also auch digitale Chips, für die wir bereits 300-mm-Wafer verwenden. Wir haben daher schon Erfahrung im Umgang damit, unsere Wettbewerber im Analog-Bereich haben das nicht. Außerdem kann ich mir schon allein was die Kosten betrifft, nicht vorstellen, das jemand diesen Weg in nächster Zeit geht. Wie gesagt, eine neue 300-mm-Linie ist sehr teuer.

Werden die beiden neu gekauften Fabs von Spansion in Japan auch noch in diesem Jahr ihren Betrieb aufnehmen?

Von den beiden Fabs war eine in Betrieb und die andere nicht, als wir sie gekauft haben. Das bleibt auch erstmal so. Da wir den größten Teil der Belegschaft übernommen haben, geht die Umstellung sehr schnell und wir werden schon im vierten Quartal damit beginnen, TI-Produkte von dort auszuliefern.

Es gibt Gerüchte, dass sie eine Fab von SMIC im chinesischen Chengdu kaufen wollen. Können Sie dazu etwas sagen?

Nein, Gerüchte kommentieren wir nicht.

Wie ist TI eigentlich in China aufgestellt?

Wir haben dort keine Fertigung, allerdings 15 Vertriebs-, Service- und Design-Center. Alles in allem haben wir dort ein paar Hundert sehr gut ausgebildete Mitarbeiter.

Gibt es in der Nachfrage einen Unterschied zwischen den verschiedenen Weltregionen?

Mit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise Ende 2008 und dem darauf folgenden Aufschwung hat sich besonders die Nachfrage in Asien stark erhöht. Dieser Markt ist mittlerweile stärker als vorher und er wird sicher ein Wachstumsmarkt für die gesamte Halbleiterindustrie bleiben. Mehr als 45 Prozent unseres Umsatzes mit Analog-ICs machen wir in Asien. Das schließt aber auch europäische oder amerikanische Kunden ein, die in Asien produzieren.

In welchen Produktbereichen sehen Sie weiteres Wachstum für Analog-ICs?

Ein großer Trend für den Analog-Markt sind sicherlich ICs mit einer niedrigen Leistungsaufnahme und einem hohen Wirkungsgrad. Die Verluste müssen so gering wie möglich sein. Also alles womit unsere Kunden die Leistungsaufnahme senken können. Ein weiter Trend für uns sind »grüne« Technologien wie Wind- oder Solarkraft, Energy Harvesting oder LED-Ansteuerung. In diesen Gebieten forschen wir sehr stark. Auch die Hybrid- oder die Elektro-Autos haben großes Potenzial für uns. In Asien sind zum Beispiel die Elektroroller ziemlich stark verbreitet, denn mit dem steigenden Lebensstandard wollen viele Städte ihre Luftqualität verbessern.

Am Beispiel des Elektrorollers, welche Teile kommen denn da so von TI?

Da ist zum Beispiel ein IC für die Motorsteuerung, ein Batterie-Management-Chip, ein Lade-IC oder ein DSP, der den Elektromotor steuert.

Herr Lowe, vielen Dank für das Gespräch.