Sie sind hier: HomeRubrikenHalbleiterSonstiges

IC-Hersteller zum VW-Abgasskandal: Es folgt ein Innovationsschub!

Dass der VW-Abgasskandal die Marke »Made in Germany« ruinieren könnte, befürchten führende Halbleiterhersteller, denn andere sollen auch geschummelt haben. Doch jede Krise bietet Chancen: Die IC-Hersteller hoffen, dass dadurch ein Innovationsschub bei den Alternativen zur Dieseltechnik stattfindet.

Bildquelle: © NXP
Jürgen Weyer, NXP Semiconductors: „So wie die HL-Industrie auch, muss sich jetzt die Automobilindustrie neu erfinden. Die Unternehmen müssen auch bereit sein, aus einer Technik auszusteigen, selbst wenn sie gerade noch erfolgreich ist.“

Die durch den Abgasskandal entstehenden Kosten gehen in die zig Milliarden, ob der Image-Schaden aber nicht deutlich schwerer wiegt, muss sich noch zeigen.

Jetzt wird natürlich spekuliert, ob auch andere Hersteller bei den Abgaswerten schummeln – die erklären aber bisher unisono, das sei nicht der Fall. Das ZDF-Magazin Frontal21 hatte im Dezember 2015 allerdings darauf hingewiesen, dass auch bei Fahrzeugen, die nicht aus dem VW-Konzern stammen, erhebliche Unterschiede zwischen den Messwerten auf dem Rollenprüfstand und im Straßenverkehr festgestellt wurden. Das schürt noch einmal den Verdacht, dass VW nicht der einzige Sünder ist. Das könnte aus der Sicht der Halbleiterhersteller zum deutlich größeren Problem werden.

Image-Schaden ist das größte Problem

»Ich habe mit Chinesen über den VW-Abgasskandal diskutiert. Sie sehen die größte Gefahr darin, dass in diesem Zusammenhang noch ein anderer deutscher OEM auftaucht, der ebenfalls manipuliert hat. Dann wäre der Markenname ’made in Germany’ ruiniert«, erklärt Jürgen Weyer, Vice President Automotive Sales EMEA von NXP Semiconductors [1]. Bislang habe in China keiner erwartet, dass ein deutsches Unternehmen definitiv lügt. Weyer weiter: »Es geht nicht darum, dass der Abgaswert zu hoch ist, sondern dass VW betrogen hat, und das ist der Unterschied. VW hat ganz bewusst eine Fahrsituation vorgetäuscht, um einen Wert zu manipulieren und um seine Werbung für Blue Motion zu rechtfertigen. Und das Unternehmen hat genau gewusst, dass es mit 300 Euro pro Auto das Problem in den Griff bekommen hätte. Das wird kritisiert, nicht dass die VW-Motoren schlechter als die anderen sind.«

Ähnlich sieht es Norbert Siedhoff, Geschäftsführer, European Sales Director von Microchip Technology [2], wobei er das Problem auch für die USA sieht: »Deutschland hat ja auch dort den Ruf, korrekt und sauber zu agieren. Und dann solche Tricks.« Dass der Image-Schaden ein ernstes Problem ist, dürfte spätestens seit den Skandalen um die Deutsche Bank bekannt sein. Stehen viele Konsumenten dem Bankensektor aber von vornherein skeptisch gegenüber, galt dies bislang nicht für die Industrie. Deutsche Ingenieurskunst hatte immer einen guten Ruf. Doch Jens Drews, Director Communications, Government Relations von GlobalFoundries [3], befürchtet, dass Deutschland nicht nur aufgrund des VW-Skandals an Reputation verloren hat, sondern auch schon durch die Skandale bei ADAC, DFB, Deutsche Bank etc.

Dass ein Automobilhersteller überhaupt auf die Idee kommt, bei den Werten falsche Angaben zu machen, führt Günther Elsner, Vice President, Head of Automotive Business Group von Renesas Electronics [4], aber noch auf ein anderes Phänomen zurück: »Über Jahre hinweg ist bei den Automobilherstellern ein falsches Selbstverständnis entstanden, denn es war gesellschaftlich durchaus akzeptiert, dass falsche Werte angegeben wurden. Kein Mensch in Europa oder Amerika hat jemals geglaubt, dass ein Auto mit 6 Litern fährt.«

Steht die Dieseltechnik vor dem Aus?

Weyer geht nicht davon aus, dass aufgrund des Dieselskandals weniger Autos gebaut werden. Die Frage sei vielmehr, ob sich die Marktanteile verschieben werden. Weyer ist allerdings davon überzeugt, dass es mittelfristig keinen Dieselmarkt mehr geben wird. Die USA hätten die Dieseltechnik noch nie gewollt, selbst in den besten Zeiten lag der Diesel-Marktanteil für Pkws in den USA bei lediglich 3 Prozent. Dasselbe gelte für China und Japan. Der gesamte Dieselmarkt spiele sich hauptsächlich in Europa ab, und dass dem so ist, führt Weyer primär auf die Politik der Unternehmen hinsichtlich ihrer Flottenfahrzeuge zurück: »In vielen Firmen gibt es Vorschriften, die besagen, dass Dieselfahrzeuge zu fahren sind, einfach weil diese Technik bei hohen Fahrleistungen einen Kostenvorteil darstellt«, so Weyer.