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STMicroelectronics zieht die Reißleine: Settop-Box-Geschäft wird aufgegeben

STMicroelectronics hat im vierten Quartal 2014 einen Umsatzrückgang und einen deutlichen Einbruch beim Gewinn hinnehmen müssen. Im Gesamtjahr konnte jedoch noch ein Nettogewinn erzielt werden. Jetzt wird die Notbremse gezogen: das Geschäft mit Settop-Boxen und Home-Gateways wird abgewickelt.

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Im vierten Quartal erzielte STMicroelectronics [1] einen Nettoumsatz in Höhe von 1,67 Mrd. Dollar, der Nettogewinn belief sich auf 2 Mio. Dollar, die Bruttomarge auf 33,5 Prozent. Im dritten Quartal 2015 sahen diese Zahlen noch folgendermaßen aus: Nettoumsatz von 1,764 Mrd. Dollar, Bruttomarge mit 34,8 Prozent und Nettogewinn in Höhe von 90 Mio. Dollar.

Auf das Gesamtjahr 2015 bezogen, erzielte ST einen Umsatz in Höhe von 6,90 Mrd. Dollar und einen Nettogewinn von 104 Mio. Dollar. Im Vorjahr waren es noch 7,404 Mrd. Dollar beziehungsweise 128 Mio. Dollar.

Carlo Bozotti, President und CEO von STMicroielectronics, glaubt trotzdem, dass sich das Unternehmen auf dem richtigen Weg befindet. Denn ST habe im letzten Jahr bei seinen F&E sowie Verkaufs- und Marketing-Aktivitäten einen stärkeren Fokus auf zwei Bereiche gelegt: Smart Driving und IoT, einschließlich tragbare Systeme/Wearables/Smart Home, City und industrielle Anwendungen, und das zahle sich aus. Bozotti: »Das Wachstum, das wir mit unseren Mikrocontrollern im letzten Jahr und unsere solides Abschneiden im Automotive-Geschäft trotz schwächerer makroökonomischer Bedingungen ist hauptsächlich durch unseren geschärften, Markt-getriebenen Fokus bei den Investitionen bedingt.«

Auf die verschiedenen Bereiche bezogen, ergibt sich folgendes Bild: Der SP&A-Umsatz (Sense & Power und Automotive) betrug im letzten Jahr 4,40 Mrd. Dollar, ein Rückgang von 7,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr – wobei alle Produktlinien in diesem Bereich einen Rückgang verzeichnen mussten. Der EPS-Umsatz (Embedded Processing Solutions) belief sich auf 2,47 Mrd. Dollar. In diesem Fall waren aber nicht alle Produktlinien von dem Minus betroffen, denn der MMS-Umsatz (Microcontroller, Memory & Secure MCU) stieg um 7,2 Prozent auf 1,62 Mrd. Dollar. Dafür ist wiederum der DPG-Umsatz (Digital Product Group) deutlich zurückgegangen, nämlich um 21,1 Prozent. Dieser hohe Umsatzrückgang ist immer noch dem Auslaufen von alten ST-Ericsson-Produkten, auf Kameramodule und eben das Settop-Boxen-Geschäft zurückzuführen.

Die Entscheidung, die ST-Ericsson-Geschäfte abzuwickeln, liegt jetzt schon einige Jahre zurück. Jetzt wird auch beim defizitären Settop-Boxen-Geschäft die Reißleine gezogen: ST wird die Entwicklung von neuen Plattformen und Standardprodukten für Settop-Boxen und Home-Gateways nicht weiterführen. Dass ST hier seit Jahren Verluste einfährt, begründet das Unternehmen damit, dass einerseits die Komponenten im oberen Leistungssegment schlechter als gedacht vom Markt angenommen wurden, andererseits im unteren Leistungssegment die Konkurrenz immer stärker wurde. Gleichzeitig wären aber auch noch die Investitionen in Neuentwicklungen im oberen Leistungssegment immer größer geworden und jetzt ist Schluss damit.

Der Rückzug aus diesem Geschäft bedeutet auch, dass über 1000 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren. ST gibt hierfür folgende Zahlen an:

  • Rund 600 Mitarbeiter, die derzeit im Settop-Box-Geschäft arbeiten, sollen in andere Bereiche versetzt werden;
  • Weltweit werden rund 1.400 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren. 430 in Frankreich, 670 in Asien und zirka 120 in den Vereinigten Staaten. In diesem Jahr sollen bereits 1000 Mitarbeiter abgebaut werden, 150 davon in Frankreich.
  • Das Unternehmen rechnet damit, dass nach Abschluss der Umstrukturierung rund 170 Mio. Dollar eingespart werden, die Kosten für die Restrukturierung sollen sich ebenfalls auf 170 Mio. Dollar belaufen.

Mit dem ersten Quartal 2016 hat ST abermals seine Organisation geändert. Es gibt jetzt drei Gruppen, die direkt an den CEO berichten: »Automotive and Discrete Group« (ADG), dieser Bereich wird von Marco Monti geleitet; »Microcontrollers and Digital IC’s Group« (MDG), hier hat Claude Dardanne die Führung übernommen; »Analog and MEMS Group« (AMG) mit Benedetto Vigna als Leiter.

Für das erste Quartal 2016 erwartet ST abermals einen sequentiellen Umsatzrückgang um zirka 3 Prozent, ±3,5 Prozentpunkte.