Sistema signalisiert erneut Interesse an Infineon

Der russische Mischkonzern Sistema hat sich erneut als möglicher Interessent für den Chiphersteller Infineon ins Gespräch gebracht.

Die russische Zeitung Kommersant hatte berichtet, die Russen seien an einem Anteil an Infineon oder einem Zusammenschluss interessiert. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der russische Präsident Dmitri Medwedew würden bei ihrem Treffen im russischen Sotschi unter anderem auch über Sistemas Interesse an Infineon sprechen, schreibt die Zeitung. Unklar ist jedoch, worum es konkret in diesen Gesprächen geht.

Bereits im Mai 2008 hatte Sistema-Chef Alexander Gontscharuk Interesse an Infineon bekundet, war aber mit seinem Einstiegsversuch gescheitert. »Für uns ist Infineon ein sehr interessantes Ziel - vor allem der Bereich Forschung und Entwicklung«, hatte er seinerzeit verlauten lassen. Allerdings hielt Gontscharuk eine Komplettübernahme durch Sistema schon damals für sehr unwahrscheinlich. Infineon sei »ein Flaggschiff der deutschen Industrie«, was zu politischen Hindernissen führen dürfte. Zudem sah er Kostennachteile einer Produktion in Westeuropa und den Konkurrenzdruck aus Asien als kritisch an.

Sistema ist der größte Mischkonzern in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Der politisch gut verdrahtete Mehrheitsaktionär Wladimir Jewtuschenko zählt zu den reichsten Russen. Anders als die meisten russischen Großkonzerne verdient Sistema sein Geld nicht mit Rohstoffen, sondern unter anderem mit Telekommunikation und Hightech-Produkten. Bekannt wurde Sistema durch den Versuch, bei der Deutschen Telekom einzusteigen, was aber am politischen Widerstand scheiterte.

Laut Moskauer Analysten verfügt der Konzern weiter über die finanziellen Mittel für eine größere Auslands-Übernahme. Spekulationen zufolge soll es schon 2008 Kontakte mit dem Infineon-Aufsichtsrat gegeben haben.