Silicon Valley: Wie schlimm wird es?

Die Finanzkrise hat auch das Silicon Valley überrascht. Nach dem letzten Quartal ist die Zeit der Rekordgewinne erst einmal vorbei. Niemand weiß, wie weit die Krise gehen wird. Von Panik ist jedoch auch noch nichts zu spüren.

»Niemandem gefällt gerade, wie die Zukunft aussieht«, sagt Bob Swanson, Mitgründer und Chairman von Linear Technology. Er spricht über den Markt und sein Unternehmen und muss bei der einen oder anderen Statistik anmerken, dass da noch etwas geändert werden muss. Diese wurden schon vor der Kreditkrise, die im September aufbrach, angefertigt und wollen nun nicht mehr so richtig passen. Die Tendenz der Statistiken sei richtig, nur wird wohl das prognostizierte Wachstum im nächsten Jahr geringer ausfallen, der Markt für Standard-Analog-Produkte wird schwächer wachsen als angenommen, und der Markt für Handy-Chips wird wohl noch stärker einbrechen.

Von der Krise wurden die meisten Unternehmen überrascht. Selbst der diesjährige Wirtschaft-Nobelpreisträger Paul Krugman hatte sie nicht kommen sehen. Und so dürften neben Linear Technology derzeit viele andere Firmen und Marktanalysten ihre Statistiken für das nächste Jahr neu ausarbeiten.

Dabei gehört Linear zu den Unternehmen, die sich im Vorfeld der Krise möglichst wetterfest gemacht haben. In den letzten zwei Jahren hat sich Linear noch vor der Konkurrenz aus dem damals profitablen und inzwischen verlustreichen Markt für Handys und Konsumelektronik zurückgezogen. Diese Produkte wurden durch Bauelemente für die Industrie, Automotive und »High-End«-Konsumgeräte wie etwa bestimmte Smartphones ersetzt. Anfangs von den Analysten noch kritisch betrachtet, ging diese Strategie im vergangenen Jahr auf und Linear Technology erzielte einen Rekordumsatz von 1,175 Milliarden Dollar. Auch das Ende September zu Ende gegangene erste Quartal knüpfte ans alte Jahr an, doch dann platzte die Finanzkrise herein. CEO Lothar Maier gab bekannt, dass die Aufträge zurückgingen und man für das nächste Quartal mit einem Umsatzrückgang von 10 bis 20 Prozent rechne.

»Ich bin jedenfalls optimistischer als ich es im Finanzwesen wäre«, sagt Jack Harding über die Aussichten seines Unternehmens eSilicon. Der Chef des 120 Mann starken Auftragsdesigners für ASICs aus Sunnyvale sagt, dass die Geschäft zwar leicht zurückgehen, aber die Firma nach wie vor noch ihre Produkte ausliefere. Positiv sieht Harding auch, dass die Lagerbestände der Firmen im Silicon Valley im Vergleich zur Krise im Jahr 2001 niedrig seien, und viele kleine Unternehmen weiterhin von Risikokapitalgebern unterstützt würden.