Smartphone-Prozessoren Samsung verliert eine Milliarde Dollar - wegen Apple

Apple-Logo beißt Samsung Logo
Gewinne geschrumpft: Apple ist dem Wall Street Journal zufolge einer der Hauptverantwortlichen für Samsungs schwächelndes Geschäft mit Logik-ICs.

Samsung verliert Marktanteile im globalen Smartphone-Geschäft und der Nettogewinn geht ebenfalls zurück. Besonders das Foundry-Geschäft steht unter Druck. Schuld soll ausgerechnet Konkurrent Apple sein.

Als die Koreaner vor etwa einem Monat ihre Quartalszahlen präsentierten, reagierten die Analysten vorwiegend zurückhaltend. Der Reingewinn gab im zweiten Quartal um 21,5 Prozent nach (im Vergleich zu Q1/2014) und beträgt nun umgerechnet 4,5 Milliarden Euro. Ein guter Wert, doch schon die beiden Quartale zuvor war der Gewinn geschrumpft. Sorgen bereitet vor allem die Mobil-Sparte, deren operatives Ergebnis gegenüber dem Vorjahr um 30 Prozent zurückging. Samsung verlor bei den Smartphones nicht nur auf globalem Level Marktanteile, sondern wurde in China sogar vom lokalen Konkurrenten Xiaomi überholt. Doch auch abseits der Produktion elektronischer Endgeräte hatte der Konzern mit Problemen zu kämpfen.

Ein Hauptkunde fällt weg

Die Probleme betreffen Samsungs Geschäft mit Mikroprozessoren. Es teilt sich in zwei Bereiche auf - die Entwicklung eigener Chips der sogenannten Exynos-Reihe (u.a. für Galaxy Smartphones) und die Auftragsproduktion für andere Hersteller. Bis zum vergangenen Jahr hatte Samsung quasi ein Monopol auf die Fertigung von Apples Mikroprozessoren, die auf der britischen ARM-Architektur basieren und im Silicon Valley designt werden. Die Amerikaner waren einer der Hauptkunden von Samsungs Foundry-Abteilung. Für die aktuellen  Prozessorgenerationen hat Apple jedoch die Produktion verlagert. Seither werden die Chips von der taiwanischen Firma TSMC gefertigt - und Samsung brechen die Aufträge weg. 

Ein Loch in Milliardenhöhe

Ein geplanter Schachzug von Apple?  Die Amerikaner fügen dem Auftragsgeschäft von Samsung jedenfalls eine herbe Delle zu. Für den Geschäftsbereich erwarten die Analysten von IBK Securities dieses Jahr einen operativen Verlust von rund 844 Millionen Dollar. Ein Jahr zuvor gab es noch einen Gewinn von circa 195 Millionen. Damit klafft in der Bilanz ein Loch von rund einer Milliarde Dollar. 2012 erwirtschaftete der Unternehmensteil Logikchips den Analysen zufolge noch eine Milliarde Dollar Gewinn.

Samsungs Robert Yi, Leiter Investor Relations, gab in einem Telefongespräch mit dem Wall Street Journal zu: "Absatz und Profitabilität von System LSI (Unternehmensbereich Logikchips) gingen aufgrund anhaltenden Nachfragerückgangs wichtiger Kunden zurück". Die Zeitung sieht in dieser Aussage eine indirekte Bestätigung dafür, dass der Rückzug von Apple als Prozessoren-Kunde die Profite schmelzen lässt. 

Langfristiger Effekt

Analysten zufolge beeinträchtige die Entscheidung Apples das Prozessoren-Geschäft der Koreaner noch bis zum nächsten Jahr. Dazu komme, dass der Absatz von Exynos-Prozessoren ebenfalls recht schwach sei. Yi sagte dem Geschäftsbereich jüngst auch ein schwaches viertes Quartal voraus. 

Sein Kollege Ji-ho Pak, Vizepräsident Memory Marketing, pflichtete ihm bei. Ihm zufolge konzentriere man sich darauf, die Absatzzahlen anderer Systemchips zu erhöhen - zum Beispiel bei den Bildsensoren. Außerdem werde man Maßnahmen zur Kostenreduzierung fokussieren.

Ein Racheakt?

Womöglich ist Apples Entscheidung für TSMC und gegen Samsung eine Reaktion auf die anhaltenden gerichtlichen und medialen Auseinandersetzungen im Smartphone- und Tablet-Bereich zwischen den Unternehmen. Auch wenn die Kausalität zwischen Samsungs Einbußen und Apples Auftragsvergabe niemand offiziell zugeben will - förderlich war die Politik der Amerikaner sicher nicht. Trösten kann sich Samsung anhand der Tatsache, dass der Halbleitersektor insgesamt im Vergleich zum Vorjahr noch eine Gewinnsteigerung von knapp 6 Prozent einfahren konnte. Den größten Anteil daran dürfte jedoch das Geschäft mit Speicher-Chips haben.

Das aktuelle iPhone 5S (siehe Bilderstrecke) könnte das letzte sein, dessen Prozessor bei Samsung gefertigt wurde.

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