Sachsen verschafft Qimonda Atempause

Das Land Sachsen hat beschlossen, den Speicherhersteller mit 150 Millionen Euro zu unterstützen. Weitere 150 Millionen sollen von Infineon kommen, was das Unternehmen jedoch ablehnt. Bleibt es dabei, droht Qimonda nach wie vor das Aus.

Bei dem Geld handelt es sich um ein Darlehen des Freistaats, das noch von der EU-Komission genehmigt werden muss.

Ministerpräsident Stanislaw Tillich sagte nach der Kabinettssitzung, bei der die Hilfe beschlossen wurde, klar, aus welchen Gründen er Qimonda unterstützt: »Spitzenforschung und technologisches Wissen sind der Schlüssel für erfolgreiche industrielle Cluster mit vielen tausend Arbeitsplätzen. Wir dürfen nicht zulassen, dass das Wissen zur Fertigung von Computerspeichern in Sachsen und Europa verloren geht. Die Produktion von High-Tech-Produkten wie in der Halbleiterindustrie muss auch in Zukunft hier in Sachsen möglich sein.«

Tillich ging auch auf die »Buried Wordline«-Technologie ein, mit der Qimonda bereits erste Speicher-ICs in Dresden fertigt.

Für die komplette Umstellung auf Buried Wordline benötigt Qimonda jedoch 300 Millionen Euro. Wo die andere Hälfte des Geldes herkommen soll, ist für die sächsische Regierung klar: von der Muttergesellschaft Infineon.

Infineon sieht das jedoch anders. Diese Forderung übersteige bei weitem die Möglichkeiten des Unternehmens, gab Infineon in einer Pressemitteilung unmittelbar nach Bekanntgabe der sächsischen Forderungen bekannt.

Da dieser »unkonditionierte dauerhafte Beitrag « in Höhe von 150 Millionen Euro von Infineon eine Bedingung für die sächsischen Landeshilfen ist, könnte Qimonda ohne Infineons Unterstützung am Ende trotzdem leer ausgehen.

Als Gegenleistung verlangt das Land Sachsen von Qimonda eine Bestandsgarantie und den Ausbau des Standortes Dresden. Weitere Forderungen, wie etwa an das Qimonda-Management, das der DRAM-Krise bisher relativ machtlos gegenüberstand, wurden nicht bekannt.

Qimonda ist einer der Eckpfeiler der Mikroelektronik in der Gegend. Das Unternehmen ist auch an Forschungsprojekten wie etwa Namlab (Nanoelectronic Materials Laboratory) beteiligt und Partner des Fraunhofer-Center Nanoelektronische Technologien in Dresden. Eine Pleite Qimondas würde also nicht nur große wirtschaftliche Schäden nach sich ziehen.

Die Marktforschungsunternehmen iSuppli und Gartner halten staatliche Hilfen von DRAM-Herstellern für kein gutes Mittel, da sie die Marktbereinigung unter vielen inzwischen klammen Herstellern verhinderten.