Rohm: »Wir wollen unser Europageschäft verdoppeln.«

Pünktlich zum 50. Geburtstag hat Rohm in Japan die Halbleiterabteilung von Oki gekauft. In Europa ist das Unternehmen mit einem Umsatzanteil von 5 Prozent allerdings recht schwach vertreten. Das will Christian Andre, President Rohm Europa, ändern.

Markt&Technik: Derzeit erwirtschaften Sie als japanischer Halbleiter- und Komponentenhersteller nur 5 Prozent Ihres Umsatzes in Europa. Diesen Anteil will das Unternehmen nun deutlich steigern. Warum ist Europa bisher am Umsatz unterrepräsentiert und wo sehen Sie Chancen, um künftig zu wachsen?

Christian Andre: Dass Rohm in Europa unterrepräsentiert ist, stimmt nur zum Teil. Rohm ist schon seit 1971 hier vertreten, hat sich aber darauf konzentriert, mit großen Unternehmen direkt zusammen zu arbeiten. Wir sind beispielsweise stark im Automotive-Markt, in der Telekommunikationsindustrie, im Consumer-Markt und in der Weißen Ware. Die führenden europäischen Unternehmen stehen auf unserer Kundenliste.

Es stimmt aber, dass wir uns in der Vergangenheit sehr stark auf den asiatischen Markt konzentriert haben. Deshalb weiß hierzulande kaum jemand, dass Rohm mit ICs einen Umsatz von immerhin 1,5 Milliarden Dollar erzielt. Wir sind jetzt dabei, Rohm auch als IC-Hersteller in Europa bekannt zu machen und Marktanteile zu gewinnen.

Welche Ziele hat sich Rohm gesetzt?

Wir wollen den europäischen Anteil am Gesamtumsatz von Rohm auf über die kommenden fünf Jahre 10 Prozent verdoppeln. Im Bereich der Mobiltelefone und der Kraftfahrzeuge werden wir über die nächsten Jahre voraussichtlich zweistellig wachsen.

Was hat den Stimmungsumschwung zugunsten Europas beim japanischen Management bewirkt?

Wir haben die Chancen, die Europa bietet, offenbar sehr überzeugend dargerstellt. Auch wenn große Teile der Produktion nach Asien abgewandert sind, gerade in der Kommunikation und im Consumer-Bereich, so gibt es erstens doch immer noch große Kunden vor Ort und gerade in der Telekommunikation fallen die Entscheidungen hier. Es ist also wichtig, hier präsent zu sein. Und die Position der Automotive-Industrie in Deutschland und Europa ist ja bekannt.

Sie sagen, dass führende europäische Unternehmen auf der Kundenliste von Rohm stehen. Das betrifft dann vor allem die Produktgruppe der passiven und diskreten Komponenten?

Das ist richtig. Im Bereich dieser Produkte haben wir bereits eine respektable Marktdurchdringung erreicht. Jetzt versprechen wir uns Wachstum dadurch, dass wir den Sektor der ICs kräftig ausbauen werden – dazu gehören vor allem ASSPs und Power-Management ICs wie LDOs, AC/DC-, DC/DC-Wandler.

Dass Power-Management-ICs überdurchschnittliches Wachstum versprechen, ist ja längst kein Geheimnis mehr. Hier tummeln sich viele etablierte Hersteller und kämpfen um Marktanteile. Aufgrund welcher Differenzierungsmerkmale gegenüber den Produkten der Wettbewerber rechnen sie damit, Marktanteile gewinnen zu können?

Wir sind in diesem Markt in Europa neu und maßen uns nicht an, gegen die großen im Power-Management ab morgen konkurrieren zu wollen. Ein wesentlicher Unterschied zum Wettbewerb besteht darin, dass wir schon lange auf dem Sektor der diskreten Komponenten mit den führenden Systemherstellern in Europa zusammenarbeiten…