Renesas und NEC auf der Suche nach Synergien

Ganz abgesehen davon, wie NEC Electronics und Renesas ihren angestrebten Zusammenschluss in der Realität umsetzen: Die Ankündigung zeigt, wie groß der Druck geworden ist, auf die Krise zu reagieren.

Während Kritiker den Zusammenschluss wegen Überschneidungen des Produktspektrums für wenig sinnvoll halten, sieht Matthew Trowbridge, Chairman von Renesas Technology Europe, gerade die teilweisen Überschneidungen als die große Chance für das neue Unternehmen.

Es steht harte Arbeit bevor – da will Matthew Trowbridge gar nichts beschönigen. Eines aber sei von vorneherein klar: So wie bisher konnte es unter den derzeitigen wirtschaftlichen Bedingungen nicht weitergehen: Wie kann ein Halbleiterhersteller mit einer Auslastung von unter 50 Prozent überleben?

Renesas als Beispiel: großer Merger kann gelingen

Nachdem die Verhandlungen zwischen NEC Electronics und Toshiba offensichtlich zu nichts geführt haben, kommt die Vereinbarung zwischen NEC und Renesas für Trowbridge gar nicht so überraschend. Für Renesas ist ein Merger ja nichts Neues, ging doch das Unternehmen selber im Jahr 2002 aus dem Zusammenschluss der Logikabteilungen von Hitachi und Mitsubishi hervor. »Das Beispiel zeigt, dass ein großer Merger gelingen kann. Renesas befindet sich in einer sehr viel besseren Lage, als sie beide Einzelfirmen addiert jemals hätten erreichen können«, erklärt Trowbridge.

Und er ist überzeugt, dass sich die Mitarbeiter jetzt überwiegend auch als Renesianer fühlen, es habe sich über die vergangenen fünf Jahre eine neue Kultur herausgebildet. Auch wenn man geschichtliche Erfahrungen niemals vollkommen auslöschen könne – und das auch nicht tun sollte, denn sonst bliebe der Lerneffekt ja aus.

Ist der Renesas-Merger hinsichtlich des Produktspektrums gelungen? »Auf jeden Fall«, antwortet Trowbridge, »wir haben sehr viel geändert.« Und die neue RX-CPU-Familie zeige, wohin die Richtung in Zukunft geht. NEC Electronics habe über die vergangenen Jahre seine Produktlinien ebenfalls an die Markterfordernisse angepasst.

Selbstverständlich werden nach dem Merger auch einige Entscheidungen getroffen werden müssen, die schmerzlich sind, aber das sei eben der Preis dafür, gemeinsam in eine wettbewerbsfähigere Position zu gelangen, als es den Firmen als Einzelkämpfer möglich gewesen wäre. Keinesfalls wären jetzt Panikreaktionen angebracht.

Nach dem offiziellen Zusammenschluss am 1. April 2010 wird es sicherlich rund ein Jahr dauern, bis alle grundlegenden Entscheidungen zur Integration getroffen sind. Allerdings dürfte der Druck, Entscheidungen schnell zu treffen, noch stärker sein als nach dem Merger von Hitachi und Mitsubishi, als kurz darauf die Konjunktur relativ schnell anzog. Solange sie das nicht tut, besteht erheblicher Handelsbedarf.

Schmerzfreier Übergang

Dennoch wird das neue Unternehmen vorsichtig vorgehen. Die Kunden, die in die Produkte investiert haben, sollen auch weiterhin unterstützt werden, es soll ein möglichst schmerzfreier Übergang eingeleitet werden. Auch die Distribution wird zunächst so weiterlaufen wie bisher.

»Es entsteht ein großer Lieferant mit unterschiedlichen Architekturen, eine Konsolidierung könnte sich positiv auswirken, natürlich muss die Portfolio-Bereinigung folgen«, sagt Karlheinz Weigl, Vice President Sales Central & Eastern Europe von Silica.

»Aus unserer Sicht birgt der beabsichtigte Zusammenschluss der beiden Unternehmen für alle Beteiligten weit mehr Chancen als Risiken. Das neue Unternehmen hat die kritische Masse, um die unausweichliche Konsolidierung unter den großen Halbleiterherstellern zu überstehen. Das bedeutet sowohl für die Renesas- als auch für die NEC-Kunden der MSC-Gleichmann-Gruppe langfristige Investitionssicherheit«, sagt Thomas Klein, Geschäftsführer von Gleichmann & Co Electronics.

Wie Trowbridge sieht er den Merger von Hitachi und Mitsubishi als gelungen an: »Die Stärken des Einzelnen zum Vorteil aller Beteiligten zu vereinen – dieses Muster hat sich im Fall von Renesas schon bestens bewährt.« Deshalb geht er davon aus, dass auch nach dem Zusammenschluss von Renesas und NEC Electronics die Schlüsselarchitekturen und -produktfamilien weiterhin uneingeschränkt verfügbar sein werden.