Quarze & Oszillatoren: 2009 hat Potenzial zur Branchenkonsolidierung

Außer Automotive lief das Geschäft mit Quarzen und Oszillatoren bis Anfang 2009 weitgehend normal. Die Wirtschaftskrise erreicht jetzt aber auch andere Bereiche. Angesichts der Überkapazitäten erwartet die Branche nun die Marktkonsolidierung.

Ich habe fast den Eindruck, dass sich zurzeit alle Disponenten im verlängerten Skiurlaub befinden«, beantwortet Nándor Forgács, Geschäftsführer von Jauch Quartz, die Frage nach der aktuellen Situation auf dem deutschen Markt für Quarze und Oszillatoren.

»Wir haben festgestellt, dass der Auftragseingang im Vergleich zum Vorjahr um 20 bis 30 Prozent gesunken ist«, fährt er fort, »die Zahl variiert in Abhängigkeit von Branche und Anwendung, doch mittlerweile sind fast alle Bereiche der deutschen Elektronikbranche betroffen.« Nach Forgács Einschätzung spielt die Psychologie bei dieser Entwicklung eine große Rolle: »Der Markt ist nicht so schlecht, wie er geredet wird.« Allgemein sei jedoch eine große Verunsicherung festzustellen, die mit einer Kaufzurückhaltung einhergehe. Nach seiner Beobachtung ist die Marktnachfrage in den Bereichen Automotive und Consumer gegenüber dem Vorjahr um etwa 30 Prozent zurückgegangen, »Branchen wie Luft- und Raumfahrt, Medizin, Sicherheitstechnik und Embedded halten sich wacker«.

Nándor Forgács ist Geschäftsführer von Jauch Quartz

Bei der Frage, ob angesichts der Probleme der Quarz- und Oszillatorenhersteller für 2009 mit einer Konsolidierung zu rechnen ist, wünscht sich Forgács eine Marktbereinigung: »Auf die haben wir schon Anfang dieses Jahrzehnts gehofft, leider ist sie aber nicht eingetreten.« Die dadurch entstandenen Überkapazitäten am Markt führten zu einem extremen Preisverfall.

Ein Negativbeispiel, wohin solche Entwicklungen führen können, ist für ihn der Automobilbereich. Von den Lieferanten, so der Chef von Jauch Quartz, wurden jährliche Preisreduzierungen von 10 bis 15 Prozent verlangt, trotz steigender Lohn-, Energie- und Rohstoffkosten. »Dass hier eine ganze Industrie ausblutet«, so Forgács, »leuchtet wohl jedem ein.« Die Insolvenzen des Schiebedachherstellers Edscha und des Bremsbelagherstellers TMD Friction werden nach seiner Einschätzung darum nicht die letzten in dieser Branche sein.

Möglichst keine Lagerbestände

Miro Vosyka ist Geschäftsführer von Freqtech. Zur derzeitigen Situation sagt er: »Wir schätzen den Nachfragerückgang gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf rund 30 Prozent.« Weil die Finanzlage vieler Unternehmen angespannt sei, wird nach seinen Worten derzeit oft nur Ware geordert, die kurzfristig zum Einsatz kommt, »das heißt möglichst keine aufgerundeten Mengen, die dann Lagerbestand bedeuten würden«.


Miro Vosyka ist Geschäftsführer von Freqtech

Für den Bereich Distribution geht Vosyka davon aus, »dass die Anbieter Frequenz gebender Produkte überleben werden, die sich darauf spezialisiert haben, eine gewachsene Kundenstruktur bedienen. Wenn sie ihre interne Kostenstruktur im Griff haben, sollten sie keiner Gefahr ausgesetzt werden.« Eine dieser Gefahren könnte in Forderungsausfällen liegen. So weit ist es offenbar noch nicht gekommen, doch berichten fast alle Befragten davon, dass sich ein Trend zur Verlängerung von Zahlungszielen abzeichnet.