Qimonda: Ein Fass ohne Boden?

Der Speicherhersteller braucht zum Überleben offenbar noch mehr Geld, als bisher angenommen. Nachdem Ende 2008 ein kontrovers diskutiertes Rettungspaket in Höhe von 325 Mio. Euro zu Stande kam, fehlen kurzfristig offenbar weitere 300 Mio. Euro.

Bei einem Gespräch am 21. Januar über staatliche Bürgschaften soll Qimonda den weiteren Finanzierungsbedarf angemeldet haben, heißt es aus Teilnehmerkreisen. Qimonda selbst äußerst sich bisher nicht.

Die Gesamtsituation für Qimonda wird damit immer bedrohlicher. Kurz nachdem sich der Freistaat Sachsen, Portugal und die Qimonda-Mutter Infineon auf das Rettungspaket über 325 Mio. Euro geeinigt hatten (Infineon ist mit 75 Mio. Euro dabei, Sachsen zahlt 150 Mio. und Portugal 100 Mio. Euro), stellte der Fraktionsvorsitzende der CDU im sächsischen Landtag, Steffen Flath, dieses wieder in Frage. Flath forderte höhere Hilfen seitens Infineons, das diese aber schon im Dezember mit Hinweis auf die eigene schwierige Lage aufgrund der Witschaftskrise abgelehnt hatte. Die CDU lehnt einen Nachtragshaushalt im Zusammenhang mit einem Darlehen ab. Stattdessen soll ihrer Meinung nach die Landesregierung die notwendigen Mittel aus dem aktuellen Landeshaushalt beibringen.

Obwohl offiziell administratische Gründe für die Ablehnung durch die CDU-Fraktion genannt werden, sollen mehrere Abgeordnete auf einer Fraktionssitzung sinngemäß erklärt haben, dass sie keine Rettungsmöglichkeit für Qimonda mehr sehen würden und es aus ihrer Sicht keinen Sinn mehr machen würde, Steuergelder in dreistelliger Millionenhöhe zu investieren. Hier könnte auch die Landtagswahl im August eine Rolle spielen, indem die CDU Angst hat, dass im Fall einer Qimonda-Pleite trotz Hilfspaket die Opposition der Regierung die Verschwendung von Steuergeldern vorwerfen könnte.

Ein weiteres Problem besteht angeblich darin, dass Infineons Bilanz des letzten Geschäftsjahres noch nicht von einem Wirtschaftsprüfer testiert wurde, was Bestandteil des Rettungspaketes sein soll.

Nachdem Qimonda bereits im Dezember erklärt hatte, dass spätestens Ende März das Geld ausgehen wird, droht angeblich jetzt schon im Februar die Pleite. Durch einen weiteren Abschwung im Speichermarkt seien jetzt kurzfristig weitere 300 Mio. Euro zum Überleben notwendig.

Wenn man davon ausgeht, dass Infineon keine weiteren Gelder bereitstellt, zumal Qimonda ja jetzt auf Null abgeschrieben ist, stellt sich die Frage, wo diese herkommen sollen. Das Land Sachsen tut sich schon mit den vereinbarten 150 Mio. schwer. Da ist es eher unwahrscheinlich, dass aus 150 auf einmal 450 Mio. werden können.

Eine Pleite Qimondas hätte gerade für Dresden desaströse Auswirkungen. Nachdem bislang schon ein Abbau von 950 Arbeitsplätzen beschlossen wurde, droht der Verlust der restlichen 2050 Arbeitsplätze zuzüglich weiterer bei den Zulieferbetrieben.