Qimonda: Der Ausverkauf geht weiter

Der Verkauf der Qimonda-Beteiligungen und Tochtergesellschaften geht munter weiter. Für das Kernunternehmen ist eine Lösung jedoch nicht in Sicht.

Neben der in der vergangenen Woche unterzeichneten Veräußerung der Tochtergesellschaft Qimonda Solar an ein portugiesisches Konsortium konnte Qimonda Technologies (Xi'an) Co. Ltd., eine auf Forschung und Entwicklung spezialisierte Tochtergesellschaft, mittlerweile in China verkauft werden. Bereits in den Wochen zuvor war es gelungen, die Qimonda- Beteiligungen an dem Advanced Mask Technology Center und an NaMLab, beide in Dresden, sowie die Dresden Chip Academy an Interessenten zu verkaufen, die eine Fortführung der Aktivitäten gewährleisten.

Weitere Beteiligungsverkäufe stehen in den nächsten Wochen an. »Auch für Betriebsteile an den Standorten München und Dresden sind Fortführungslösungen in VerhandlungS, berichtete der bestellte Insolvenzverwalter Dr. Michael Jaffé den Gläubigern in München.

Im Zuge des Investorenprozesses hätten sich mehrere Interessenten für Teilbereiche und Betriebsteile der Qimonda-Standorte Dresden und München gemeldet. »Wir sind hier auf einem guten Weg, um Entwicklungspotenziale, Technologien und auch Arbeitsplätze zu sichern«, so Jaffé. Konkret nannte er dabei für München den Produktbereich »Graphics«.  Die Verhandlungen über die Fortführung mit einem neuen Investor seien hier in der finalen Phase.

Auch für Dresden gibt es Hoffnung, ähnliche Lösungen für Teilbereiche zu finden. So sind Verhandlungen mit einem Interessenten über Verkauf und Nutzung eines Bürobaus sowie Reinraums ebenfalls schon weit gediehen. »Unsere Bemühungen, Dresden als Technologiestandort zu erhalten, laufen weiter unter Hochdruck und, zumindest was Teilbereiche angeht, durchaus mit Aussicht auf Erfolg. Sowohl im Interesse der Gläubiger, weil wir damit höhere Verwertungserlöse generieren können, wie auch im Interesse der Arbeitnehmer und der Region werden wir die sich bietenden Chancen nutzen«, erklärte der Insolvenzverwalter der Gläubigerversammlung.

Letztendlich sind diese Veräußerungen jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Für die Muttergesellschaft gibt es nach wie vor keine Lösung. Nochmalige Versuche, mit Interessenten aus China und Russland Kontakt aufzunehmen, führten zu keinem Ergebnis.

Im Rahmen einer weltweiten Investorensuche waren über 70 potenzielle Investoren angesprochen worden, darüber hinaus gab es eine Vielzahl weiterer Kontakte. Angesichts des anhaltenden Preisverfalls auf dem Weltmarkt für Speicher-Chips und der unsicheren gesamtwirtschaftlichen Perspektive zeigten sich alle Interessenten äußerst zurückhaltend. Bislang wurde kein belastbares Angebot für eine Qimonda-Gesamtlösung vorgelegt.

»Wir suchen weiter das Gespräch und werden den Investorenprozess solange aufrechterhalten, bis die wesentlichen Vermögensteile verwertet sind. Potenziellen Interessenten können wir auch jetzt noch eine innovative Technologie mit Wettbewerbsvorsprung und die Basisstruktur eines internationalen Hightech-Unternehmens bieten«, ist Jaffé überzeugt. Je länger dieser Prozess allerdings dauert, um so schwieriger dürfte es werden, einen Investor für die Gesamtlösung zu finden.

Derzeit sind in Dresden noch 240, in München 226 Mitarbeiter bei Qimonda beschäftigt, die neben der reibungslosen Abwicklung des Insolvenzverfahrens und der Aufrechterhaltung der betrieblichen Grundfunktionen auch den Zugriff auf das für die Realisierung potenzieller Fortführungslösungen notwendige Know-how sicherstellen.

Die industrielle Speicherchip-Produktion am Standort Dresden ruht seit dem 1. April. Die Maschinen befinden sich in einem Standby-Modus und werden weiter von Fachkräften gepflegt, um Schäden an den sensiblen Anlagen zu vermeiden.