Brandlöscher dringend gesucht Q-Cells vor radikalem Jobabbau

Nach Informationen des Manager Magazins wird Q-Cells kommenden Freitag die Rekordsumme von 350 Millionen Euro Verlust verkünden. Ein Investor wird dringend gesucht, neues Personal soll den einstigen Marktführer wieder auf Kurs bringen, zum Beispiel der einstige Infineon-Vorstand und Fast-Conergy-Chef Andreas v. Zitzewitz.

Stimmt es, was das Manager Magazin aus Unternehmenskreisen erfahren haben will, dann lebt Q-Cells von der Substanz. Im ersten Halbjahr häufte der einstige Marktführer demnach einen Verlust von 350 Millionen Euro auf, dreimal soviel wie der Gewinn im ersten Halbjahr, 100.000 Mio. Euro. Das soll nun das ‚Aus’ für den bisherigen Marketing- und Vertriebsvorstand Hans-Gerd Füchtenkort (61) besiegeln. Einen Nachfolger gibt es nicht, seine Aufgaben soll der Vorstandsvorsitzende Nedim Cen (45) übernehmen. Er will den Vertrieb reorganisieren, um den Verkauf anzukurbeln.

Dagegen scheint ein Ersatz für Produktionsvorstand Gerhard Rauter (53) gefunden, der Q-Cells vor drei Monaten verließ. Die Wahl soll nach Angaben des Magazins auf Andreas von Zitzewitz (51) gefallen sein, Ex-Produktionsvorstand von Infineon. Zitzewitz schied 2005 wegen der Formel-1-Bestechungsaffäre bei Infineon aus; er wurde wegen Vorteilsnahme zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Eine Anstellung fand er anschließend beim Q-Cells-Konkurrenten Conergy, dort sollte er im Herbst 2010 eigentlich dem Vorstandsvorsitzenden Dieter Ammer (61) nachfolgen. Stattdessen schied er aus, weil das persönliche Verhältnis zu Ammer kurz vor Vertragsunterzeichnung im Eklat endete.

Q-Cells stehen harte Zeiten bevor. In wichtigen Märkten wie Deutschland, Frankreich und Italien stockt der Absatz wegen der Kürzung der staatlichen Förderungen für Solarstrom. Gleichzeitig überschwemmen chinesische und andere asiatische Firmen den Weltmarkt mit Solarzellen, die Preise verfallen. Mittlerweile stauen sich bei Q-Cells die Lagerbestände im Wert von rund 350 Millionen Euro, die Kapazitäten sind nur zwischen 30 und 50 Prozent ausgelastet. Jobabbau soll nun die Kosten senken: 200 bis 300 Mitarbeiter könnten demnächst ihre Jobs verlieren, hauptsächlich in der deutschen Fertigung.