Peter Bauer sieht Infineon auf dem richtigen Weg

Trotz rekordverdächtigem Verlust und schlechtem Marktumfeld sieht Infineon-CEO Peter Bauer den Halbleiterhersteller gut gerüstet für die Zukunft. »Unsere Maßnahmen greifen«, lautet sein Credo.

Nein, richtig Freude gemacht hat Infineon-CEO Peter Bauer die Jahrespressekonferenz sichtlich nicht: »Sie können sich vorstellen, dass ich den Schlagzeilen von morgen nicht gerade mit der größten Vorfreude entgegensehe.« Verständlich, denn zu einem tiefroten Konzernfehlbetrag kommt noch ein »nicht sehr berauschender Ausblick« hinzu (siehe auch: Infineon: Tiefrote Zahlen und düstere Aussichten). Allerdings bat er die Medienvertreter um eine faire Chance, denn in Wahrheit sei nicht alles so schlecht, wie es auf den ersten Blick aussehe. »Wir sind operativ im letzten Geschäftsjahr eigentlich ganz gut vorangekommen«, so Bauer. Damit hat er nicht ganz Unrecht. Gäbe es nicht die angekündigten Sondereffekte, die aus der Restrukturierung und vor allem der Abschreibung von Qimonda bestehen, wäre das Ebit gegenüber dem Vorjahr verdoppelt worden. Außerdem greife langsam aber sicher das im Sommer gestartete Kostensenkungsprogramm IFX10+. Die wesentlichen Kernpunkte des Programms sind:

1. Konsequentes Portfolio-Management und Steigerung der Effektivität in Forschung und Entwicklung.

2. Senkung der Herstellkosten und Optimierung der Fertigungskosten.

3. Senkung der allgemeinen Verwaltungskosten.

4. Konsequente Ausrichtung der Organisation an Kundensegmenten.

Bis Ende des Geschäftsjahres 2009 sollten damit mindestens 200 Millionen Euro eingespart werden. Das ist aber schon wieder Makulatur, denn die 200 Millionen reichen angesichts der »dramatischen Abschwächung der Weltwirtschaft« nicht mehr aus. Deshalb wurde das Einsparziel nochmals nach oben gesetzt. »Wir haben weitere Einsparpotenziale identifiziert, insbesondere bei den Betriebskosten«, erklärt Bauer. Hier geht er deshalb anstatt der angepeilten 50 Millionen Euro nun von 100 Millionen Euro Einsparpotenzial aus. Dazu beitragen werden unter anderem eine Nullrunde bei den Gehältern, die alle Mitarbeiter betreffen, und weitere Maßnahmen wie Kurzarbeit und Betriebsferien.

Fast schon euphorisch wurde Peter Bauer während der Pressekonferenz, als es um Infineons Position in den einzelnen Märkten ging. »Es ist uns im letzten Jahr gelungen, die Marktposition in allen Märkten, also Automobilelektronik, Industrieelektronik, Chipkarten und Sicherheitslösungen, Mobilfunkplattformen und Breitband-Zugang, zu festigen oder sogar auszubauen«, stellte Bauer zufrieden fest. Bei den Halbleitern für die Automobilelektronik sei Infineon im Kalenderjahr 2007 zwar weltweit erneut die Nummer 2 geblieben, allerdings »wurde der Abstand zur Nummer 1 auf weniger als einen Prozentpunkt verringert«. Im Bereich Industrieelektronik sei man zum ersten Mal Marktführer und bei den Chipkarten zum elften Mal in Folge die Nummer 1. Ebenfalls auf den ersten Platz vorgerückt sei der Halbleiterhersteller bei den Chips für die drahtgebundene Kommunikation, und bei Mobilfunkanwendung sei man auch auf dem Vormarsch.

Wäre hier Schluss gewesen, könnte man meinen, alles sei in Butter. Aber es gibt ja noch das Thema Qimonda, das erheblich auf die Stimmung und den Verlust drückt. Peter Bauer ist sich bewusst, dass die Beurteilung seines unternehmerischen Wirkens eng mit der endgültigen Lösung dieses Problemfalles verbunden ist. Details über die Verhandlungen noch über die möglichen Investoren bzw. deren Zahl wollte er allerdings nicht verraten. Das Thema sei zu heikel, um es zurzeit in der Öffentlichkeit auszuwalzen. Eines stünde allerdings fest: Infineon finanziert Qimonda nicht. Weit von sich wies Peter Bauer auch die Vermutung, Infineon könnte im Falle einer Qimonda-Pleite mit in den Strudel gerissen werden. Es gäbe gewisse Risiken wie beispielsweise Aktionärklagen, Forderungen von Qimonda-Angestellten oder noch anhängende Kartellrechtsklagen, diese würden jedoch keine allzu großen Auswirkungen auf Infineons Wohl und Wehe haben.