»Personalabbau ist ein echter Werteverlust«

Wir sprachen mit X-FAB-Chef Hans-Jürgen Straub über die derzeitigen Herausforderungen im Foundry-Geschäft und welche Frage er der Politik gern stellen möchte.

Das Marktforschungsunternehmen iSuppli hat kürzlich Zahlen veröffentlicht, nach denen das Foundry-Geschäft in diesem Quartal um fast 60 Prozent steigen soll. Merken Sie schon etwas davon?

Mit diesem großen Wachstum können wir noch nicht mithalten. Ich vermute, dass diese Zahlen eher auf digitale Technologien mit größeren Volumina pro Produkt als bei uns zutreffen. Bei uns ist die Lage so, dass wir seit März schon deutlich wachsende Auftragseingänge haben. Das schlägt sich auf den Umsatz aber dann eher im zweiten Halbjahr durch.

Auch wenn es nicht 60 Prozent sind, es geht aber auch bei X-FAB langsam wieder besser. Liegt das Schlimmste hinter uns?

Wie ich schon in unserer letzten Quartalsmeldung gesagt habe, denke ich, dass der Boden erreicht ist. Es ist nicht abzusehen, dass es weiter nach unten gehen könnte. Wenn die Auftragslage so bleibt wie jetzt, dann kann man von einer Stabilisierung sprechen. Viele Kunden sind aber noch sehr vorsichtig und bauen keine Bestände auf. Das ist eine Gefühlslage, man wartet ab, bevor man ein Risiko eingeht.

Wie äußert sich das für Sie?

Wir haben gerade die Situation, dass die Werke nicht so gut ausgelastet sind. Auf der anderen Seite gibt es viele Eil-Aufträge für beschleunigte Fertigungsdurchläufe von den Kunden. Das heißt, es wird so lange mit Bestellungen gewartet, bis alles wirklich sicher ist. Dann braucht man es aber auch sehr schnell. Das ist ein Indikator dafür, dass man den Bedarf noch nicht gut genug einschätzen kann. Die Kunden wollen das Risiko von Lagerbeständen noch nicht eingehen.

Welche Folgen hat das für die Fertigung?

Wir müssen die richtige Balance zwischen Lieferfähigkeit und Kostensparen finden. Auf der einen Seite schalten wir Maschinen ab, um zum Beispiel Energie und Chemikalien zu sparen. Auf der anderen Seite dauert es lange, diese Maschinen wieder hochzufahren. Um bei einem Anziehen der Nachfrage lieferfähig zu sein, halten wir ein paar Maschinen mehr in Betrieb als wir derzeit tatsächlich brauchen.

Wie nutzen Sie die Zeit, die durch die geringere Auslastung frei wird?

Bis zum ersten Quartal 2008 waren wir ja komplett ausgelastet. In solchen Zeiten arbeitet man an der Kapazitätsoptimierung, also so viel wie möglich herauszuholen. Das IT-System kann man da nicht unbedingt umstellen. Es gibt jetzt also mehr Zeit und Ressourcen, interne Dinge zu regeln, wie die Einführung von neuen Technologien oder deren Optimierung.

Welche Maßnahmen haben Sie sonst getroffen?

Die Korrektur, die man macht, ist natürlich zu sparen. Da nutzen wir das ganze Spektrum. In Deutschland haben wir die Kurzarbeit, in anderen Ländern die unbezahlte Freistellung. Die größten Kosten lassen sich allerdings bei der Kapazitätssenkung, also dem Equipment, sparen, indem man zum Beispiel weniger Strom, Gase usw. zahlt. Außerdem werden F&E-Projekte sowie Investitionen neu überprüft und gegebenenfalls Prioritäten neu gesetzt. In einen massiven Kapazitäts-Ausbau braucht man jedenfalls gerade nicht zu investieren.

Die Fab in Dresden wird aber gerade von 6 auf 8 Zoll umgerüstet.

In Dresden war die Fab schon auf 8 Zoll vorbereitet, deshalb haben wir dort jetzt auch in neue Maschinen investiert. Bevor man damit vernünftig produzieren kann, vergehen schon mal zwei Jahre. Dann ist die Kapazität verfügbar, wenn die Konjunktur wieder anspringt. Wir investieren auch anti-zyklisch. Wenn man das nicht macht, besteht das Risiko, die Kapazität erst in einer Zeit geringer Nachfrage verfügbar zu haben.