Organische Elektronik wird in Zukunft alle Wirtschaftsbereiche durchdringen

Unter dem Eindruck der Wirtschaftskrise verzögert sich der breite Markteintritt der organischen Elektronik. Die Attraktivität dieser Technologie wird in Zukunft aber auch etablierte Konzerne animieren, sich einen Teil des Geschäfts zu sichern.

Zu den großen Hoffnungsträgern der Branche zählen organische Solarzellen, bieten sie doch die Möglichkeit, Hausdächer und Gebäudefassaden zur Stromgewinnung zu nutzen. Die Zellen bestehen aus einer leichten und biegsamen Trägerfolie, die mit Polymeren bedruckt werden und sich in kontinuierlichen Druckprozessen sehr preiswert herstellen lassen.

»Die organische Photovoltaik hat das Potenzial, in wenigen Jahren für Kosten von weniger als 50 Eurocent pro Wattpeak produziert zu werden«, erläutert Christoph Brabec, CTO der US-Firma Konarka Technologies, »damit wäre die organische Photovoltaik wesentlich günstiger als vergleichbare Technologien.«

Noch weiter ist man schon auf dem Markt für E-Reader und E-Paper- Displays: Die US-Firma Plastic Logic ist bereits dabei, E-Reader im DIN-A4-Format zu produzieren. Im Herbst will das Unternehmen Pilotkunden mit E-Readern beliefern. Der Start des allgemeinen Verkaufs ist dann für 2010 geplant. Nach Schätzungen des Marktforschungsinstituts Displaybank wird der Markt für E-Paper-Displays jährlich um fast 50 Prozent wachsen. Bereits für 2010 erwarten die Analysten einen weltweiten Umsatz von 260 Mio. Dollar. Bis 2015 soll er auf das Achtfache und damit auf rund 2 Mrd. Dollar wachsen. Für 2020 sagen die Analysten dann ein Marktvolumen von 7 Mrd. Dollar voraus.

Dass sich organische Elektronik auch in der Medizin einsetzen lässt, etwa zur besseren Wundheilung, zeigen die Arbeiten des Holst Centre im niederländischen Eindhoven. Dort wird an Sensorfolien gearbeitet, die Lichtquellen und Photosensoren auf kleiner Fläche kombinieren und den Sauerstoffgehalt im Blut messen können, das die verletzte Hautregion durchfließt. »Eingebettet in den Wundverband, können die Folien wichtige Informationen über den Heilungsprozess liefern«, beschreibt Geschäftsführer Jaap Lombaers das Konzept.

Große Hoffnungen setzen Experten wie etwa Prof. Karl Leo, Professor für Optoelektronik an der TU Dresden und Institutsleiter des »Fraunhofer Instituts Photonische Mikrosysteme« in Dresden, auf das OLED-Lighting. Getrieben wird diese Entwicklung wohl vor allem von der sich intensivierenden Diskussion über Energieeinsparung und dem absehbaren Verbot der Glühbirne. »Damit wird die Notwendigkeit der Entwicklung neuer Lichtquellen unterstrichen«, betont Prof. Leo, »gleichzeitig hat die Technik in diesem Bereich erhebliche Fortschritte gemacht.«