Nicht nur Qimonda steht unter Druck

Der harte Restrukturierungskurs von Qimonda, der den Verkauf der Inotera-Beteiligung an Micron und den Abbau von rund 3000 Arbeitsplätzen (davon die Hälfte in Deutschland) vorsieht, wird wohl nicht das Ende des Desasters am Speichermarkt markieren. Auch andere Hersteller kämpfen mit einer immer dünner werdenden Finanzdecke.

Der Speichermarkt steckt tief in der Krise. Und nichts deutet momentan darauf hin, dass er sich kurzfristig erholt. »Viele Speicherlieferanten verfügen nicht einmal mehr über das Geld, um noch einige weitere Quartale abzuwickeln«, glaubt Nam Kim, Chief Analyst von iSuppli. Erschwerend kommt die Finanzkrise hinzu, die den Geldfluss über alternative Wege blockiert. Bleibt also zu hoffen, dass die Nachfrage nach Speichern bald anziehen wird.

Doch diesbezüglich kündigt sich keine Entwarnung an. »Der Aufwärtstrend verebbt bereits wieder, die Preise werden fallen«, prognostiziert Kim. »Die Frage ist heute, wer überlebt?« Betroffen von der Misere sind gleichermaßen der DRAM- und der Flashmarkt. In der Vergangenheit war es oftmals so, dass sich wenigstens einer dieser Märkte stabil behauptete, wenn der andere schwächelte. Damit hatten die Hersteller die Option, ihre Fertigungskapazitäten hin zu dem einen oder anderen profitablen Produkt zu lenken. Das ist momentan allerdings nicht möglich.

Qimonda sieht dennoch einen ähnlichen Ausweg: Die Firma will ihre Aktivitäten auf ausgewählte Marktsegmente richten, in denen das Unternehmen seine Technologie (sprich Buried-Wordline) optimal nutzen kann. Kin Wah Loh, der Vorstandsvorsitzender von Qimonda, betont: »Der tiefgreifende gegenwärtige Abschwung in der DRAM-Industrie und die Konsequenzen für unsere finanzielle Situation haben uns dazu veranlasst, unser Geschäftsmodell neu auszurichten.«

Löwenanteil am Speichermarkt

Konkret heißt dies, dass sich der Speicherhersteller verstärkt auf Infrastruktur- und Grafikprodukte konzentrieren will, die höhere Margen versprechen. Gleichzeitig werde Qimonda seine Fertigung für herkömmliche PC-Speicher reduzieren. Den Löwenanteil am Speichermarkt machen jedoch genau diese vom Preisverfall betroffenen Mainstream-Computerspeicher aus. Branchenkenner halten es daher für riskant, sich auf eine kleine Nische zu konzentrieren, die zudem längst auch im Fokus der anderen Hersteller ist – und somit hart umkämpft. Gerade das DRAM-Geschäft ist ein Volumenmarkt; und die Gesetze dieses Massenmarktes spielen sicherlich nicht in die Karten eines »Nischenanbieters.«

Auch die Flashhersteller stehen vor ähnlichen Problemen. Das Commodity-Geschäft, also der Volumenmarkt für NAND-Flash-ICs, leidet seit dem vierten Quartal 2007 an einem Angebotsüberschuss. Joseph Unsworth, Research Director von Gartner, bezeichnet die derzeitige Situation als »ein Desaster«. Vor dem ersten Quartal 2009 rechnet er nicht mit einer Preisstabilität. »Die gesamte Industrie ist momentan unprofitabel.«

Gartner hat jüngst prognostiziert, dass in diesem Jahr der Umsatz mit NAND-Speichern im Vergleich zum Jahr 2007 um rund 15 Prozent oder sogar 20 Prozent schrumpfen wird. Das stellt die Hersteller vor Probleme. Und heizt Spekulationen um mögliche Übernahmen an. Die Zeichen am Speichermarkt stehen auf Konsolidierung.

In den vergangenen Wochen und Monaten sorgte vor allem Qimonda nahezu täglich für Schlagzeilen. Der deutsche Halbleiterhersteller wurde unter anderem als ein Übernahmekandidat von Micron und auch Elpida gehandelt. An diesen Spekulationen wird sich durch die angekündigte Neuausrichtung nichts ändern – im Gegenteil. So lässt Qimonda weiterhin öffentlich verlauten, dass das Unternehmen auch künftig nach finanziellen oder strategischen Partnerschaften sucht, die das Unternehmen beim angekündigten Restrukturierungsplan unterstützen können.

Mehrere Übernahmegerüchte kursieren

»Der Speichermarkt hat sich in der Vergangenheit immer wieder konsolidiert«, erklärt Nam Kim von iSuppli. »Zieht man beispielsweise das Ranking der zehn größten Speicherhersteller von 1990 heran, so ist Samsung der einzige Name, der auch heute noch im Ranking der größten Hersteller erscheint.« Alle anderen Unternehmen haben umfirmiert, Joint Ventures geschlossen oder sich aus dem Markt zurückgezogen – ganz nach den Gesetzen des Massenmarktes. Die Großen werden größer, die Kleinen verschwinden. Derzeit ist wieder ein Punkt erreicht, an dem sich der Speichermarkt neu definiert. So kursieren derzeit gleich mehrere Übernahmegerüchte: Kauft Toshiba Spansion? Und setzt sich Samsung bei der Übernahme von SanDisk durch?

Die Mutmaßungen, die wöchentlich angestellt werden, sind mit Vorsicht zu genießen. Joseph Unsworth, Gartner: »Ich glaube zum Beispiel nicht, dass Toshiba Interesse an Spansion zeigt.« Spansion ist derzeit der größte Hersteller von NOR-Flash-Speichern. Von daher dürfte der Hersteller Toshiba, der sich aus diesem Segment größtenteils zurückgezogen hat, kaum einen Gewinn in einer solchen möglichen Übernehme sehen.

Sollte ein Hersteller Interesse an Spansion zeigen, dann vor allem wegen der Fertigung und den Patenten auf der NROM-Technologie. »Der Marktwert von Spansion ist derzeit sehr niedrig«, sagt Joseph Unsworth. Als realistischer stuft der Analyst von Gartner eine SanDisk-Übernahme ein. »Ich gehe davon aus, dass SanDisk in zwölf Monaten keine eigenständige Firma mehr ist, außer kartellrechtliche Gründe verhindern das.«