Neue Chance für Renesas-Fab in Landshut

Nach Bekanntgabe des Verkaufs der Fab in Landshut, befindet sich Renesas derzeit in Verhandlungen mit der Silicon Foundry Holding (SFH). Michael Lehnert, CEO der neuen Firma SFH, ist zuversichtlich, die Fab als Analog-/Mixed-Signal-Foundry auslasten zu können.

SFH will den Standort Landshut weiterführen. Wie Michael Lehnert gegenüber Markt & Technik erklärte, will er auch den überwiegenden Teil der Arbeitsplätze erhalten, selbst wenn nach dem Rückzug von Renesas die Auslastung der Fab zurückgehen sollte. Die derzeitige Planung sieht vor, dass Renesas zunächst größter Kunde von SFH sein wird. Es lägen aber bereits schon so viele ernsthafte Absichtserklärungen weiterer Kunden vor, dass die Fab selbst nach einem vollständigen Rückzug von Renesas noch zu 60 Prozent ausgelastet wäre.

Allerdings wird SFH das Geschäftsmodell vollständig ändern: Die Fertigung von Smart-Card-ICs und LCD-Treiber-ICs läuft aus, SFH will sich ausschließlich auf die Produktion von Analog- und Mixed-Signal- ICs in kleinen und mittleren Stückzahlen spezialisieren. Michael Lehnert, Gerhard Spitzelsperger und Hans-Martin Dudenhausen, bisher Manager der Fab in Landshut, haben die SFH gegründet und halten die Mehrheit an dem Unternehmen.

»Willkommen am Markt, Wettbewerb belebt das Geschäft«, sagt dazu Thomas Hartung, Vice President Sales & Marketing von X-Fab, die der stärkste Konkurrent zur neuen SFH sein dürfte. X-Fab hat jedenfalls gezeigt, dass das Geschäftsmodell funktioniert. Allerdings dürfte man nicht unterschätzen, dass es durchaus nicht trivial ist, eine Logik-Fab in eine Analog- Foundry umzuwandeln, meint Hartung. X-Fab könne da auf einige Erfahrungen zurückblicken. Viel Entwicklungsleistung sei aufzubringen. Ein weiterer wichtiger Schlüssel sei der IP-Support.

Michael Lehnert ist selbstverständlich überzeugt vom eigenen Konzept: »Wir konnten ein Erfolg versprechendes Geschäftsmodell vorlegen.« Denn Prozesse bis hinunter zu 0,18 μm – demnächst auch 0,15 μm – sind zwar für Smart-Card-ICs nicht mehr wirtschaftlich. Dagegen gibt es nur wenig Foundries, die diese Prozesse auf 8-Zoll-Wafern für die Fertigung analoger und Mixed-Signal- ICs anbieten, insbesondere in Europa. Und gerade hier ist die Nachfrage nach Analog- und Mixed-Signal-ICs stark.

Außerdem ist die Fab in Landshut mit einer Sicherheitszertifizierung für die Fertigung von Smart- Card-ICs und mit einer Automotive- Qualifizierung ausgestattet. »Mit diesen Differenzierungsmerkmalen glauben wir, eine nicht geringe Zahl von Kunden zunächst aus dem Consumer-, später auch aus dem Automotive-Sektor anziehen zu können«, erklärt Lehnert. Und kleinere und mittlere Kunden – häufig Ingenieurbüros – legen besonderen Werkt darauf, dass ihr IP nicht in fremde Hände gerät. Deshalb suchen viele nach alternativen Bezugsquellen außerhalb von Asien. »Der Standort ist für unser Geschäftsmodell ein großer Vorteil«, freut sich Lehnert.

Smart-Card- und SIM-Karten-ICs zu unwirtschaftlich

»Mit Strukturgrößen bis hinunter zu 0,18 μm können wir in Landshut Smart-Card- und insbesondere SIM-Karten-ICs, die unter einen starken Preisdruck stehen, nicht mehr wirtschaftlich herstellen. Die Größe der Fab – 14.000 8-Zoll-Wafer pro Woche – rechtfertigt nicht die Investitionen in 90-nm-Prozesse und darunter«, sagte Mathew Trowbridge, CEO von Renesas Europe, gegenüber Markt&Technik. Die Begründung erinnert stark an den Ausstieg von Renesas aus der ehemaligen Mitsubishi- Fab in Alsdorf vor vier Jahren. Allerdings konnte Renesas damals keinen Käufer finden.