Micronas trennt sich von der Konsumelektronik

Nach der Insolvenz von Qimonda nun der nächste Schlag für die deutsche Mikroelektronik: Micronas will seine Sparte für Konsumelektronik verkaufen und den Rest schließen. 500 bis 600 Arbeitsplätze fallen in Deutschland weg.

Derzeit führt Micronas Gespräche mit Käufern für Teile seiner Konsumelektroniksparte. Welche Teile und welche Käufer damit gemeint sind, wurde noch nicht bekannt. Insgesamt sind 800 bis 900 Mitarbeiter von diesen Maßnahmen betroffen, was ungefähr der Hälfte der Belegschaft von Micronas entspricht.

Zusätzlich zu den Mitarbeitern in der Konsumelektronik fallen auch Stellen in der Produktion und in der Verwaltung weg.

Der Auslöser für die Trennung von der Konsumelektroniksparte ist die Wirtschaftskrise, die im vierten Quartal zu einem Umsatzrückgang von fast 25 Prozent in diesem Bereich führte. Da die Aussichten für 2009 eher noch schlechter sind, hat sich die Führung von Micronas nun zum Handeln entschlossen.

Ursprünglich sollte der Bereich für Konsumelektronik 2009 wieder Gewinne abwerfen, so das Ziel der Umstrukturierungen, die Micronas im Herbst 2007 startete. Dazu gehörte u.a., dass Micronas keine Chips mehr für Röhrenfernseher produzierte und sich aus dem Internetfernsehen zurückzog.

Die Wirtschaftskrise hat diese Umstrukturierungsmaßnahmen, die nach Angaben von Micronas-Verwaltungsratspräsident Thomas Lustenberger gut umgesetzt wurden, nun zunichte gemacht. Marketing- und Entwicklungsausgaben seien nun zu hoch geworden.

Ein Grund, warum die Konsumelektroniksparte schon angeschlagen war, waren die hinter den Erwartungen zurückbleibenden Verkäufe von Fernsehern trotz Fußball-EM und Olympia. Der größte Teil der in Deutschland verkauften Flachbildfernseher wird außerdem in Asien hergestellt, wo auch die dortigen Chip-Anbieter wie NEC oder Samsung die Nase vorn haben.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr erzielte Micronas einen Umsatz von rund 598 Mio. Franken (401 Mio. Euro), was ein Rückgang von 16,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ist. Der Betriebsverlust (EBIT) ging um 68 Prozent auf 23 Mio. (15,4 Mio. Euro) Franken zurück.

Der Umsatz der Konsumelektroniksparte machte dabei rund 396 Mio. Franken aus, der Bereich Automotive rund 202 Mio. Franken.

Micronas will sich in Zukunft auf Automotive, Industrieprodukte und weiße Ware fokussieren.