Mentor Graphics übernimmt Embedded Alley

Mit der Übernahme von Embedded Alley will Mentor Graphics die Lücke schließen, die Intel mit dem Kauf von Wind River in der Embedded-Branche geschlagen hatte.

Mentor wettet darauf, dass es den Controller-Herstellern Bauchschmerzen bereiten wird, mit einer Intel-Firma zusammenzuarbeiten, und will davon profitieren.

Intel hatte zwar betont, Wind River als eigenständige Division weiterlaufen zu lassen, doch es ist unklar, wie das gehen soll. Denn Wind River pflegt viele Partnerschaften mit Intels Wettbewerbern, angefangen bei ARM – der sich ebenfalls anschickt, der große Player im Netbook-Markt zu werden – bis hin zu den meisten, wenn nicht sogar allen Mikrocontroller-Herstellern. Ob die unter den neuen Bedingungen an ihren Partnerschaften festhalten wollen, ist völlig unklar.

Glenn Perry, General Manager der Embedded Systems Division von Mentor Graphics, ist jedenfalls überzeugt: »Wind River ist für die große Mehrheit im Embedded-Markt verloren. Doch durch die Übernahme von Embedded Alley sind wir in der Lage, diese Lücke zu füllen.« Eine Lücke, die immerhin knapp 360 Mio. Dollar groß ist, wenn man Wind Rivers Umsatz im letzten Jahr als Maßstab nimmt.

Mentor verfügt bereits über eine lange Historie im Embedded-Markt und hat sich durch gezielte Übernahmen im Laufe der Zeit ein beachtliches Portfolio und Wissen in diesem Segment angeeignet. Wally Rhines, Chairman und CEO von Mentor: »Unser RTOS Nucleus ist auf über 1,6 Mrd. Mobiltelefonen zu finden, das entspricht 42 Prozent des kommerziellen RTOS-Marktes. Nucleus ist die Nummer 1 im Markt mit Embedded-Betriebssystemen.«

Jetzt gilt es, diesen Erfolg auch auf andere Embedded-Märkte auszuweiten. Und Embedded Alley soll dabei helfen. Die Firma gilt als Spezialist für embedded Linux und embedded Android – ein Open-Source-Betriebssystem, das Google ursprünglich für Mobiltelefone entwickelt hat. Embedded Alley konnte sich hier bereits einen Namen machen, so hat es als erstes Unternehmen kommerzielle Android-Tools und Dienstleistungen angeboten. Und Perry fügt hinzu: »Embedded Alley hat Linux für die Embedded-Community erst interessant gemacht.«

Durch die Kombination von Alleys Android- und Linux-Tools, Laufzeit-Komponenten und Erfahrungen in der Open-Source-Welt mit dem Nucleus-RTOS, den Tools und der Middleware von Mentor kann das Unternehmen Bauelementeherstellern alle Software-Komponenten zur Verfügung stellen, die sie benötigen, um ihre Produkte im Embedded Markt erfolgreich zu machen. Perry: »Wir sind in der Lage, jede Kombination zwischen Nucleus, Linux und Android anzubieten.«

Wichtige Punkte, denn laut Perry herrschen im Embedded-Markt derzeit zwei große Trends vor: Zum einen gebe es eine enorme Nachfrage nach der Android-Plattform jenseits der mobilen Telefone. Zum anderen würden in diesen Märkten verstärkt Multi-Core-Prozessoren mit mehreren Betriebssystemen, gewöhnlich Linux und ein RTOS wie Nucleus, zum Einsatz kommen. Durch die Übernahme von Embedded Alley hat Mentor also zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

Dass Android auch für andere Embedded-Geräte von Bedeutung ist, dafür gibt es aus Perrys Sicht zwei Gründe:

• Der Endanwender will Zugang zu Informationen, und Google bietet die größte Datenbasis. Perry: »Außerdem weiß Google, wie man Daten zur Verfügung stellt. Dementsprechend kann Google zum Backbone in Bereichen werden, in dem es die Daten nicht direkt anbietet.«

• Mit Android steht dem Systementwickler eine Middleware zur Verfügung, so dass er sich nur noch um seine Applikation kümmern muss.

Aber es gibt durchaus konkurrierende Plattformen, warum soll sich ausgerechnet Android durchsetzen? Perry: »Googles Stärken sind das Daten-Management und der Zugang zu Daten, das kann kein anderes Unternehmen bieten.« Das heißt natürlich nicht, dass es nicht auch andere Middleware geben wird, denn Android passt nicht für jede Anwendung. »Aber Android hat ein enormes Potenzial, sich eine führende Position im Embedded-Markt zu erobern«, erklärt Perry.

Bereits jetzt haben diverse Unternehmen ihre Unterstützung für Android- und Linux-basierte Lösungen bekannt gegeben, einschließlich ARM und MIPS Technologies, Freescale Semiconductor, Marvell, RMI und Texas Instruments. Zusätzlich zur Übernahme von Embedded Alley hat Mentor Unterstützung für die Mali-Graphik-Prozessorkerne von ARM, für die Power-Architektur von Freescale und für die Sheeva-Embedded-Prozessoren MV8200 von Marvell angekündigt.