MEMS-Mikrofone: Bosch kauft Akustica

Bosch baut seine Position am Markt für Consumer-MEMS-Sensoren aus und hat Akustica, einen der Pioniere auf dem Gebiet der MEMS-Mikrofone, gekauft. Das Unternehmen soll als selbstständige Einheit innerhalb von Bosch weitergeführt werden.

Akustica wurde 2001 gegründet und bietet ein komplettes Produktportfolio digitaler und analoger MEMS-Mikrophone auf CMOS-Basis an. Die Akustica-Lösungen zeichnen sich durch ihren hochintegrativen, monolithischen Chipansatz aus, bei dem das MEMS-Mikrophon in einer Größe von 1 mm2 direkt in die CMOS-Struktur des Chips eingebettet ist. Bosch ist nach übereinstimmenden Angaben von Analysten der Weltmarktführer bei MEMS-Sensoren für den Automotive-Markt und erzielte im letzten Jahr in diesem Bereich, nach Angaben des Marktforschungsinstituts iSuppli einen Umsatz von 451 Mio. Dollar. Mit der Übernahme von Akustica stärkt Bosch nun vor allem seine Stellung auf dem Consumer-MEMS-Markt.

Die von Kaigham Gabriel gegründete Akustica gilt als Pionier auf dem Gebiet der MEMS-Mikrofone und hat bisher über 5 Mio. Stück verkauft, die vor allem in Notebooks und Mobiltelefonen Einsatz finden. Vor kurzem hatte Kaigham Gabriel, bisher CTO und Chairman von Akustica, bekannt gegeben, die Position des stellvertretenden Direktors der Defense Advanced Research Projects Agency (Darpa) zu übernehmen. Bis 1998 war Gabriel Direktor des Electronics Technology Office der Darpa gewesen, bevor er zur Carnegie Mellon University wechselte, wo er sich der Entwicklung von CMOS-MEMS-Mikrofonen widmete.

Zwar sieht sich Akustica als erstes Unternehmen an, dass digitale MEMS-Mikrophone entwickelt und auf den Markt gebracht hat, nach Aussage von Marktforschern kommt dieses Verdienst aber Knowles zu. Nach Aussage von Joseph A. Jacobson, President und CEO von Akustica, wird Bosch alle 36 Beschäftigen des Unternehmens mit übernehmen. »Die strategische Akquistion von Akustica mit seinen herausragenden MEMS-Technologie-Lösungen, ergänzt unsere Halbleiteraktivitäten und fügt sich hervorragend in unsere laufenden MEMS-Aktivitäten ein«, freut sich Stefan Kampmann, Executive Vice President von Bosch Automotive Electronics.

Nach Einschätzung von Jérémie Bouchaud, Director und Principal Analyst MEMS bei iSuppli, dürfte der Umsatz von Akustica im letzten Jahr unter 2 Mio. Dollar gelegen haben. »Akustica ist es bisher nicht gelungen in den Handy-Markt vorzustoßen«, erläutert er, »bislang verkauft das Unternehmen seine MEMS-Mikrophone fast ausschließlich in den Laptop-Markt«. Unter diesem Aspekt betrachtet er die Übernahme durch Bosch als fast ideale Lösung: »Bosch Sensortec ist heute der weltweit zweigrößte Lieferant für Beschleunigungssensoren in Handys, damit ließe sich für die MEMS-Mikrophone von Akustica ein etablierter Verkaufsweg in diesen Markt nutzen«.

Bosch verfügt bislang über keinerlei Erfahrungen im Akustik-Bereich, Bouchaud sieht deshalb hier eine ideale Ergänzung durch Akustica vor allem im Bereich der MEMS-Consumeranwendungen. Gleichzeitig weist er aber darauf hin, »dass sich Bosch damit in den Wettbewerb mit Unternehmen wie Wolfson Microelectronics, Analog Devices, Knowles sowie zukünftig NXP, die über einen breiten Erfahrungshorizont im Akustikbereich verfügen. Das Bedarfsvolumen für MEMS-Mikrophone beziffert Bouchaud für 2009 auf rund 350 Mio. Stück, das Marktvolumen auf weniger als 130 Mio. Dollar. »Vor dem Hintergrund sinkender Handy-Verkaufszahlen gehen wir für 2009 von einem rückläufigen Umsatzvolumen in diesem Markt aus, das hat auch damit zu tun, das Motorola bislang mit über 30 Prozent Umsatzvolumen der größte Käufer im MEMS-Mikrophon-Markt war«, erläutert Bouchaud, »da Motorola aber deutlich Marktanteile verliert, wird sich das auch auf die Verkaufszahlen bei MEMS-Mikrophonen auswirken«.