Kommentar: Soll Qimonda gerettet werden?

Stürzt Qimonda, droht die europäische Mikroelektronik eine wichtige Säule zu verlieren. Doch wäre eine Hilfe überhaupt sinnvoll?

Ein Interesse an dem größten europäischen Standort für Mikroelektronik, müssen neben Sachsen auch der Bund und die EU haben. Zwar wäre eine Pleite Qimondas nicht das Ende des »Silicon Saxony«, aber es würde eine große Lücke hinterlassen, die erst langwierig wieder geschlossen werden kann. Billig wäre das sicher nicht.

Wenn es keine öffentlichen Gelder für Qimonda gibt, dann ist das Unternehmen schnell am Ende. Europa wäre um ein großes und innovatives Unternehmen ärmer. Der europäischen Mikroelektronik droht ohnehin schon lange die internationale Bedeutungslosigkeit. Qimondas Verlust würde sie hart treffen. Wenn man sieht welches Potential und Marktvolumen dieser Industriezweig trotz Wirtschaftskrise hat, dann wäre es von der Politik kurzsichtig, einfach nur zuzusehen.

Auf der anderen Seite: Ist es nicht unvernünftig Steuergelder für etwas auszugeben, was am Ende nicht funktioniert? Qimonda hat in den letzten drei Quartalen durchschnittlich 550 Millionen Euro Verlust gemacht. Soll mit Subventionen künstlich etwas am Leben erhalten und das Geld möglicherweise in ein schwarzes Loch geworfen werden? Es ist mehr als fraglich, ob die 300 Millionen Euro, die als Hilfe für Qimonda zur Diskussion standen, überhaupt reichen würden, bis das Unternehmen wieder Gewinne macht. 

Bisher hatte auch Qimonda nur ein Rezept gegen die Krise: immer mehr DRAMs auf den Markt zu werfen, was deren Preisverfall beschleunigt hat.

Würden alle Staaten ihre DRAM-Hersteller stützen, dann würde am Ende der Staat gewinnen, der bereit ist, das meiste Geld auszugeben. Wäre es also nicht sinnvoller das Geld in andere Technologien zu investieren, wie das Deutschland erfolgreich mit der Solartechnik tut?

Das wäre es. Doch eine Umstellung braucht Zeit. Für Dresden, Sachsen und Europa kann es im Moment nur eine Antwort geben: Subventionen müssen her, damit kein unwiederbringlicher Schaden entsteht.

Zuschauen werden Taiwan, Japan und Korea aber sicher auch nicht. Schließlich haben diese Länder auch viel Geld in ihre Speicherhersteller gesteckt und Cluster wie in Dresden aufgebaut.

Auf lange Sicht, muss also noch ein bisschen mehr passieren. Nur mit Subventionen den »DRAM-Krieg« zu finanzieren ist keine elegante Lösung.

Ein langsamer Übergang – wie er in Dresden auch schon mit der Ansiedelung der Solartechnik und der organischen Elektronik geschieht – ist sicher ein nachhaltiger aber auch kostenintensiver Weg. Dazu gehört auch eine vorübergehende Rettung Qimondas. Als Gegenleistung für die Hilfe  muss dort aber etwas passieren, denn wenn es weitergeht wie bisher, dann ist jede Hilfe eine Verschwendung von Steuergeldern.