Kommentar: Komödiantenstadl Infineon

Ohne CEO soll der Erfolg zurückkommen. Ein Modell, das wohl schon heute zum Scheitern verurteilt ist. Ein Kommentar von Frank Riemenschneider.

Nachdem es nun offiziell ist, dass CEO Ziebart wegen »unterschiedlicher Auffassungen über die zukünftige strategische Ausrichtung der Firma« Infineon zum 1. Juni verlassen wird, wurde auch gleich die Nachfolgeregelung bekanntgegeben – und diese war wirklich eine Überraschung. Die Position des CEOs wird nicht neu besetzt, stattdessen wird Peter Bauer, der bislang für das Automobil-, Industrie- und Multimarket-Geschäft verantwortlich war, zum Sprecher eines vierköpfigen Vorstands ernannt, in dem neben Bauer selbst CFO Marco Schröter, der Chef der Kommunikationssparte, Hermann Eul und COO Reinhard Ploss tätig sind.

Nun kann man Peter Bauer wirklich weder Kompetenz noch Erfolg absprechen: Er ist seit 22 Jahren in der Halbleiterindustrie tätig und fährt im Gegensatz zur Kommunikations-Sparte und insbesondere der ungeliebten Speichertochter Qimonda regelmäßig Gewinne ein.

Die Frage, die man sich jedoch stellen muss, ist die, wie viel Entscheidungskompetenz er denn wirklich als Sprecher eines formell gleichberechtigten Vorstandes hat. Offensichtlich soll die Firma nach Vorstellung des Aufsichtsrates von einem Gremium gemanagt werden, das nach außen von Bauer vertreten wird. Aus Sicht von Investoren, Kunden und Lieferanten darf man daher schon einmal fragen, wer denn tatsächlich für die Aktivitäten Infineons zukünftig in die Verantwortung zu nehmen ist.

Auch aus Sicht der Mitarbeiter könnte es sicher Irritationen geben, die es immer gewohnt waren, dass es genau eine Person an der Unternehmensspitze gibt, die die Gesamtverantwortung trägt und das Unternehmen nach außen als »Chef« repräsentiert.

Apropos Aufsichtsrat: Gerne hätte ich mal die Gesichter der Herren Winterkorn (VW) und Sunner (BASF) gesehen, wenn man Ihnen vorgeschlagen hätte, dass ihre eigenen Unternehmen zukünftig von einem Gremium incl. Vorstandssprecher gemanagt werden sollen. Ebenfalls zweifelhaft ist, ob Aufsichtsrat und Management-Berater Klaus Wucherer viele Kunden dazugewinnen würde, wenn er dieses Modell für die Unternehmen seiner Kunden ins Spiel bringen würde.

Selbst in Unternehmen aus Ländern, die eine komplett andere weil kooperative Entscheidungsmentalität haben als wir in Deutschland, genannt sei exemplarisch Japan, ist es selbstverständlich, dass ein Mann (oder eine Frau) an der Spitze steht. Und auch US-Präsidenten durften in der Vergangenheit froh sein, dass sie in Krisensituationen im kalten Krieg mit einem Generalsekretär der KPdSU, hieß er Breschnew oder Andropow, sprechen konnten, statt das gesamte Politbüro der UdSSR abtelefonieren zu müssen. Und last but not least: Ob die Wiedervereinigung beider deutscher Staaten möglich gewesen wäre, wenn Michail Gorbatschow »nur« Sprecher des Politbüros gewesen wäre? Man darf es bezweifeln.

Die Trennung von CEO Ziebart ist eine Sache. Er hat sich immer gegen eine Annäherung an den niederländischen (Noch-) Konkurrenten NXP gewehrt, die offensichtlich vom Aufsichtsrat präferiert wird. Auch unterschiedliche Standpunkte bezüglich Inhalt und Zeitpunkt des »IFX Plus-10«-Programms zur Effizienzsteigerung und Kostensenkung könnten ein Grund zur Trennung gewesen sein.

Für den Grund, Peter Bauer statt zum CEO »nur« zum Sprecher des Vorstandes zu ernennen, gibt es eigentlich nur eine Erklärung: Der Aufsichtsrat traut ihm die Position des Firmenchefs nicht zu. Wenn dem aber so ist, hätten sie ihn dort weiterarbeiten lassen sollen, wo er erfolgreich war, und einen anderen kompetenten CEO suchen sollen.

Nachdem der langjährige Lotse Ziebart von Bord geht, braucht das Unternehmen gerade in der jetzigen schwierigen Situationen ein klar aufgestelltes Management – mit einem CEO an der Spitze.