Kommentar: Einer Heuschrecke zum Fraß vorgeworfen

Trotz kontroverser Diskussion hat der Aufsichtsrat des Halbleiterherstellers Infineon nach Angaben von Insidern eine Kapitalerhöhung von rund 700 Mio. Euro beschlossen, die der amerikanischen Heuschrecke Apollo eine Beteiligung von bis zu 29 Prozent sichern soll.

Anfang 2010 könnte dann sogar Noch-Aufsichtsratschef Max-Dietrich Kley durch einen Apollo-Finanzmanager beerbt werden.

Der Deal löst zwar vermutlich auf einen Schlag alle Geldprobleme des zuletzt finanziell angeschlagenen Unternehmens. Die Zukunft von Infineon steht jedoch mehr denn je in den Sternen: Apollo verspricht seinen Geldgebern zweistellige Renditen und Infineon hat in seiner ganzen Firmengeschichte noch nie eine Dividende ausgeschüttet. Apollo könnte daher auf einen noch härteren Sparkurs drängen, um in einigen Jahren mit Gewinn wieder auszusteigen - womöglich über eine Fusion mit einem anderen Chiphersteller oder aber – und dies ist die wahrscheinlichere Variante - indem er Infineon in einzelne Filetstücke zerlegt, diese verkauft und sich dafür mit hohen Sonderdividenden belohnt.

Man muss es realistisch sehen: Ein deutsches Vorzeigeunternehmen mit motivierten und hoch qualifizierten Mitarbeitern, das in einigen Bereichen weltweit führende High-Tech-Produkte produziert, liefert sich – wie schon zuvor Freescale und NXP – einer amerikanischen Heuschrecke aus. Die Folgen kann man täglich in den Bilanzen der beiden Unternehmen ablesen: Den Chipherstellern wurden finanzielle Belastungen auferlegt, an denen sie noch Jahre zu tragen haben – im besten Fall. Ein solches Szenario hätte verhindert werden können, wenn Kley nicht seinerzeit den Verkauf der mittlerweile insolventen Speicherchiptochter Qimonda blockiert und, statt gegen den eigenen Vorstand zu intrigieren, diesen einfach nur kontrolliert hätte, wie es in seinem Arbeitsvertrag Schwarz auf Weiß nachzulesen ist.

Dass sich Infineon nun in die Abhängigkeit einer Heuschrecke begibt, zeigt vor allen Dingen eines: Offensichtlich sind trotz aller Anstregungen in den vergangenen Monaten wie Auflegen einer neuen Anleihe, Rückkauf von Schuldverschreibungnen und zu guter Letzt der Verkauf des Wireline-Geschäftes alle Versuche gescheitert, das nötige Geld für die Rückzahlung der Wandelanleihen 2010 am freien Markt oder in der Politik mittels Staatsbürgschaften beizubringen.

Es muss für Peter Bauer und seine Kollegen wirklich frustrierend sein: Für einen Konzern wie Quelle, der zu Großmutters Zeiten mit seinem 1000-Seiten-Katalog ein innovatives Geschäftsmodell hatte, das heute dank des Internets, in dem tagesaktuelle und nicht jahresaktuelle Preise zählen, jedoch vollkommen überholt ist, setzt der bayerische Ministerpräsident Seehofer alle Hebel für Staatshilfen in Gang. Einen der deutschen Innovationsträger, nur 5 km Luftlinie von Seehofers Büro entfernt, wirft man dagegen einer Heuschrecke zum Fraß vor – zusammen mit tausenden hoch qualifizierten Ingenieuren. Das alleine macht diesen Freitag zu einem schwarzen Freitag, auch wenn es der 10. und nicht der 13. Juli ist.