Kemet: Auf der Überholspur zur Umsatzmilliarde

Kemet CEO Per-Olof Loof schlägt eine schnelle Gangart an. In nur zwei Jahren wurden drei Akquisitionen durchgeführt, die Präsenz in Europa massiv erhöht und der Umsatz binnen eines Jahres fast verdoppelt.

Auf die Phase des schnellen Wandels folgt nun die Konsolidierung: Anpassung der Mitarbeiterzahl, Schließung von Werken, Transfer der Produktion. Loof´s Ziel ist ein in puncto Produktspektrum, regionale Umsatzverteilung und Vertriebswege ausbalancierter Global-Player. Sein Akquisitionshunger ist dabei noch nicht gestillt.

Markt&Technik: Kemet konnte seinen Umsatz 2007 vor allem auch durch Übernahmen deutlich steigern. Werden Sie fortfahren, in diesem Tempo Firmen zu kaufen?
Nein, wir werden definitiv eine Pause einlegen. Zu Beginn meiner Tätigkeit bei Kemet habe ich eine Liste der Dinge erstellt, die wir meiner Meinung nach ändern und anpacken sollten. Auf dieser Liste standen auch die Namen von fünf bis sechs Unternehmen, deren Akquisition ich für sinnvoll hielt, um uns nach vorne zu bringen.

Mit dem Tantal-Geschäft von Epcos, Evox Rifa und Arcotronics haben wir nun gut die Hälfte dieser Liste abgearbeitet. Angesichts der aktuellen Entwicklungen auf den Finanzmärkten werden wir nun aber eine Pause einlegen. Wir haben unsere bisherigen Übernahmen aus eigener Tasche bezahlt. Für weitere Übernahmen müssten wir unter den ungünstigen aktuellen Bedingungen auf dem Finanzmarkt Geld aufnehmen. Was sie in diesem Zusammenhang nicht vergessen dürfen, wir sind nur eine kleine Firma aus South Carolina!

Trotzdem haben Sie in Summe in zweieinhalb Jahren rund 360 Mio. Dollar in Akquisitionen gesteckt. Beginnt sich dieses Investment bereits auszuzahlen?
Absolut! Das Tantalgeschäft von Epcos hat vom ersten Jahr der Übernahme an zum Gewinn dieses Unternehmens beigetragen. Ähnlich wird es sich bei Evox Rifa und Arcotronics verhalten, auch wenn die Integration in diesen Fällen mehr Zeit in Anspruch nehmen wird. Schließlich handelt es sich in diesen Fällen um komplette Unternehmen und nicht um einzelne Geschäftsbereiche. Die Schubkraft dieser Akquisitionen wird unseren Umsatz auf über 1 Milliarde Dollar steigern. Nur zur Erinnerung, noch im letzten Jahr lag unser Umsatz bei 490 Millionen Dollar.

Werden Sie das europäische Standbein in Zukunft durch weitere Akquisitionen noch weiter stärken, oder werden Sie sich anderen Regionen zuwenden?
Wir werden uns dort verstärken, wo Akquisitionen für uns aus technologischer und regionaler Sicht den größten Sinn machen. Als wir uns für die Übernahmen in Europa entschieden, ging es uns um eine größere Balance im Unternehmen. Heute können wir in Europa, einem der wichtigsten Absatzmärkte der Welt, eine wirkliche Präsenz vorweisen.

Das Prinzip der Balance gilt auch für die Erweiterung unseres Produktspektrums. In der Vergangenheit war Kemet in erster Linie ein amerikanischer Tantalhersteller, der auch MLCCs anbot. Heute decken wir als wirklicher Global Player und ausgewiesener Kapazitätsspezialist mit Tantal-, Keramik- und Film-/Elektrolytkondensatoren das gesamte Spektrum ab.