International Rectifier: Restrukturierung im Zeitplan - Entwicklungszeiten verkürzt

Trotz Wirtschaftskrise sieht sich Oleg Khaykin, President und CEO von International Rectifier, hinsichtlich Restrukturierung im Zeitplan. Fertigungskapazitäten wurden angepasst, das Time-to-Market bei Produktentwicklungen verkürzt.

Herr Khaykin, die ersten Analysten sprechen von der Trendwende am Halbleitermarkt. Gilt das auch für die Leistungshalbleiterbranche?

Oleg Khaykin: Wenn man die aktuelle Situation mit der im Januar und Februar vergleicht, als fast keine neuen Aufträge hereinkamen, kann man sicherlich von einer Verbesserung des Marktes sprechen. Im ersten Quartal ging es sicherlich für alle in der Branche darum, angesichts der Situation die Kosten in den Griff zu bekommen. Auch wir haben reagiert und die Kosten im Bereich Fertigung der momentanen Situation angepasst. Inzwischen kann man sagen, dass sich zumindest in Asien die Nachfrage wieder intensiviert hat. Einen aus unserer Sicht wichtigen Beitrag hat dazu sicherlich auch Intels neue Serverplatt- form geliefert. In Europa mit seiner starken Industrieausrichtung können wir dagegen noch keine Trendwende beobachten.

Halten Sie das Anziehen der Nachfrage schlicht für eine technische Reaktion der Märkte oder sehen Sie eine wirkliche Bedarfssteigerung bei Kunden und Endanwendern?

Ich glaube, man muss hier wirklich zwischen dem notwendigen Auffüllen der leeren Lager bei den Distributoren und der durch Endanwenderinteresse stimulierten Nachfragesteigerung unterscheiden. Der wieder wachsende Bedarf des asiatischen Consumer-Marktes lässt mich vermuten, dass wir vielleicht wieder auf eine erstarkende Nachfrage bei Consumer-Elektronik-Produkten hoffen dürfen.

Es ist der Blick in die Kristallkugel: Aber bis wann rechnen Sie speziell auch im Leistungshalbleiterbereich mit einer Normalisierung der Verhältnisse?

Auch wenn wir im zweiten Quartal dieses Jahres eine gewisse Verbesserung registrieren konnten, etwa weil die Distributoren wieder begonnen haben, ihre leer geräumten Lager wieder aufzufüllen: Diese Rezession wird sich wie ihre Vorgänger wohl zwei Jahre hinziehen. Ausgehend von diesen Erfahrungswerten erwarten wir, dass unsere Branche wohl nicht vor 2010/11 zum Auftrags- und Umsatzvolumen des Sommers 2008 wird aufschließen können.

Gehen Sie davon aus, dass es im Zuge dieser Wirtschaftskrise zu einer Marktkonsolidierung kommen wird? Rechnen Sie angesichts des Markteinbruchs mit einer Verschärfung des Preisverfalls im Leistungshalbleiterbereich?

Ob es zu einer Marktkonsolidierung kommt, wird in erster Linie von der Dauer dieser Krise abhängen. Derzeit dürfte es für fast alle Marktteilnehmer schwierig sein, die nötigen Mittel aufzubringen, die für eine Marktkonsolidierung über Akquisitionen nötig wären. Der Markt für Leistungshalbleiter ist sehr heterogen, und wer nicht die nötige Substanz hat, um diese Krise durchzustehen, für den könnte es schwierig werden. Vor diesem Hintergrund glaube ich auch nicht, dass angesichts sinkender Auftragsvolumina in der Branche ein Preiskrieg losbricht. Ein Blick in die Bilanzen und Quartalsberichte vieler Anbieter zeigt, dass das wirtschaftlich kaum möglich sein dürfte.

Sie sprachen das Thema Akquisitionen an. Als Sie im Frühjahr 2008 die Führung von IR übernahmen, zählte auch dieses Thema zu ihren Zukunftsplänen. Hat sich daran etwas geändert?

Nein, ich bin nach wie vor der Ansicht, dass eine gute Akquisition alle drei, vier Jahr nicht nur für das Wachstum eines Unternehmens gut ist, sondern auch neuen kreativen Input liefert. Eines ist dabei auch ganz klar: Diese möglichen Akquisitionen müssen in unserem thematischen Umfeld stattfinden. Ich halte nichts davon, mit Hilfe von Akquisitionen in für uns neue Märkte einzusteigen. Wir konzentrieren uns auf den Leistungshalbleiterbereich und sein Umfeld. Wenn sich hier eine Möglichkeit bietet, sei es nun im Bereich R&D, Vertrieb oder Marktzugang, eine nachhaltige Verbesserung für uns zu erzielen, würden wir diese Chance auch jetzt nutzen. Aber um Ihre Frage vorwegzunehmen: Derzeit befinden wir uns in keinen solchen Verhandlungen.