Infineon: »Wireline-Verkauf war strategisch sinnvoll«

Infineon ist gerettet, die Nettoverschuldung ist abgebaut. Peter Bauer, Chef von Infineon, schaut frohgemut in die Zukunft: »Lieber konsolidieren als konsolidiert werden«, lautet sein Motto.

Das bedeute aber keinesfalls, dass sich Infineon derzeit mit Übernahmegedanken beschäftige, so Bauer in der Telefonkonferenz, auf der er die gelungene Kapitalerhöhung bekannt gab. Alle Gerüchte um eine bevorstehende Zerschlagung des Konzerns sind nun vom Tisch, weil Apollo nicht wie erwartet zum Zuge gekommen ist und nur 1,3 Prozent der Aktien erhält.

Allerdings hatte Infineon selbst erst kürzlich als Teil der Refinanzierung das Wireline-Segment für 250 Mio. Euro an Golden Gate Capital verkauft. Das neue Unternehmen firmiert unter dem Namen Lantiq und zählt ab sofort zu den 15 weltweit führenden Fabless-Firmen. War der Verkauf im Rückblick ein überflüssiger Schritt? »Unabhängig von der Refinanzierung stehen wir zu dem Verkauf«, antwortet Bauer. Ob er unter anderen Bedingungen genau diesen Zeitpunkt für den Verkauf gewählt hätte, lässt er offen. Grundsätzlich aber gelte, dass Wireline im Bereich Home-Networking aktiv ist und damit innerhalb von Infineon isoliert war. Synergien zu anderen Bereich hätten sich nicht ergeben. Der Verkauf eröffne für alle Beteiligten neue Perspektiven.

Insgesamt kann Bauer jetzt erleichtert feststellen: »Die Frage der Refinanzierung ist gelöst, es ist ein guter Tag für Infineon.« Das Sparprogramm, das Infineon schon vor Ausbruch der Krise eingeleitet hatte, wirkt. Außer Automotive lieferten die übrigen Segmente im abgelaufenen dritten Quartal (Umsatz 845 Mio. Euro, plus 13 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal 2009, minus 15 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal) ein positives Ergebnis, nicht zuletzt, weil Infineon das seit Sommer 2008 gesteckte Ziel, die Kosten deutlich zu senken, erreicht hat.

»Deshalb waren wir auf die Finanzkrise gut vorbereitet«, sagt Finanzvorstand Dr. Marco Schröter. Allein im dritten Quartal hat Infineon die Betriebskosten um 88 Mio. Euro gesenkt, im Gesamtjahr solle die Kostenreduktion auf 600 Mio. Euro kommen, »davon 50 Prozent nachhaltig«, so Schröter. Jetzt gilt es, in die Zukunft zu schauen. Leider gleicht dies einem Blick in den Nebel.

Für den Wireless-Bereich rechnet Bauer für das laufende vierte Quartal mit Wachstum, »danach sehen wir weiter«. Im Industriesektor ist die Stimmung in Zentraleuropa noch düster. Stromversorgungen aber laufen laut Bauer quer durch alle Bereiche gut, hier kommt der Bedarf vor allem aus Asien. Bauer: »Das könnte nachhaltig sein.« Im Automobilbereich fahren dagegen die OEMs weiterhin auf Sicht, mehr als sechs Wochen im Voraus wird nicht bestellt. Weil aber die Lieferzeiten für ICs – solange sie nicht auf Lager liegen – mindestens zwölf Wochen betragen, kommt es zunehmend zu Allokationen. »Das adressieren wir an die Branche«, erklärt Bauer.

Auch wenn er sich zu weitergehenden Prognosen nicht hinreißen lassen will, meint er doch: »Den Boden haben wir in der Halbleiterindustrie erreicht.« Infineon selber will jetzt das Produktionsniveau vorsichtig anheben. Infineon fließen jetzt über die Kapitalerhöhung 725 Mio. Euro zu – und das ohne den Einstieg von Apollo. Der »verlässliche Partner, ohne den die Kapitalerhöhung nicht so erfolgreich hätte durchgeführt werden können«, wie Bauer betont, muss sich mit einem Kleckeranteil von 1,3 Prozent des Grundkapitals (14 Mio. Aktien) begnügen.

Die rund 21 Mio. Dollar, die Apollo im Rahmen der Transaktion erhält, dürften den Amerikanern wohl nur ein schwacher Trost sein. Dafür entfallen nun alle Befürchtungen der Belegschaft, der amerikanische Investor könnte Infineon filetieren und stückweise verkaufen.